{"id":1775,"date":"2016-07-25T16:44:24","date_gmt":"2016-07-25T20:44:24","guid":{"rendered":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/?p=1775"},"modified":"2017-01-01T14:10:54","modified_gmt":"2017-01-01T19:10:54","slug":"f-g-welcker-kleine-schriften-zur-griechischen-literaturgeschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/?p=1775","title":{"rendered":"F.G. Welcker, <i>Kleine Schriften zur Griechischen Literaturgeschichte<\/i>"},"content":{"rendered":"<div id=\"aei-root\" lang=\"en-GB\"><!-- suid=150 --><\/p>\n<dl id=\"aei-dl-meta\">\n<dt>Performer Name:<\/dt>\n<dd>Perfetti; Gianni; Metastasio<\/dd>\n<dt>Performance Venue:<\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/dd>\n<dt>Performance Date:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">&nbsp;<\/dd>\n<dt>Author:<\/dt>\n<dd>Welcker, F. G.<\/dd>\n<dt>Date Written:<\/dt>\n<dd> 1820-21<\/dd>\n<dt>Language:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">German<\/dd>\n<dt>Publication Title:<\/dt>\n<dd>Kleine Schriften zur Griechischen Literaturgeschichte<\/dd>\n<dt>Article Title:<\/dt>\n<dd>A\u00f6den und Improvisatoren<\/dd>\n<dt>Page Numbers:<\/dt>\n<dd>LXXXVII-CI<\/dd>\n<dt>Additional Info:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">Part 2. Qtd from reprint edn Osnabr\u00fcck: Otto Yeller, 1973<\/dd>\n<dt>Publisher:<\/dt>\n<dd>Eduard Weber<\/dd>\n<dt>Place of Publication:<\/dt>\n<dd>Bonn<\/dd>\n<dt>Date Published:<\/dt>\n<dd>1845<\/dd>\n<\/dl>\n<p class=\"aei-one-line-down\"><strong>Text:<\/strong><\/p>\n<blockquote id=\"aei-blockquote\" lang=\"de\">\n<p>[LXXXVII] Ein umfassenderes Mi\u00dfverst\u00e4ndnis kann es in der Literatureschichte kaum geben als das, wonach noch Heeren die Homerischen A\u00f6den, den Demodokos und Phemios, f\u00fcr Improvisatoren der Italienischen Art erkl\u00e4rt hat.<sup>1<\/sup> Der Verfasser der Reisen des jungen Anacharsis hatte wohl die Frage aufgeworfen, ob diese Italienische Kunst auch den alten Griechischen S\u00e4ngern eigen gewesen sey (Kap. 80): aber Heeren glaubt entschieden in ihr einen Aufschlu\u00df zu finden und das Odysseus dem Demodokos in der Odyssee (8, 492) einen Gegenstand zu singen aufgiebt, erscheint ihm als ein Beweis der v\u00f6lligen Gleichheit der Erscheinung in \u00e4ltester und neuester Zeit. Ganz richtig im Ganzen nenne beide Br\u00fcder Schlegel die Kunst der Improvisatoren vom Handwerk eine poetische Stilt\u00e4nzerey.<sup>2<\/sup> Nicht von diesem k\u00fcnstlichen Improvisiren der Italiener, sondern von einem andern nat\u00fcrlichen, allgemeinen kann die Rede seyn, wenn man die Kunst und Stufe der alten A\u00f6den genauer zu bestimmen sucht. Da\u00df f\u00fcr beyde Arten, das nat\u00fcrliche und das k\u00fcnstliche Improvisiren, das eine am Anfang, das andere am Ende der Kunst und Bildung, derselbe Ausdruck gebraucht wird, hat irrige Vorstellungen veranla\u00dft und kann sie immer von neuem erwecken.<sup>3<\/sup> [LXXXVIII] Autoschediastisch, von der Gelegenheit erzeugt, wenn das lebhafte Gef\u00fchl den k\u00fcrzesten und nat\u00fcrlichsten Ausdruck findet, ist eigentlich in ihrem Ursprung alle Poesie. Das lyrische Volkslied, von der Todtenklage der wilden St\u00e4mme bis zu seinen sch\u00f6nsten Entfaltungen hat seinen Reiz haupts\u00e4chlich in dem ungesuchten, unmittelbaren Ausdruck, der dem augenblicklichen frischen Einfall gleicht. Von der dramatischen Poesie weist Aristoteles in der Poetik diesen Ursprung nach: und in Griechenland zeigen sich diese volksm\u00e4\u00dfigen Spiele ausser dem, was er anf\u00fchrt, an vielen Orten, Jamben in Paros, von denen Archilochos die seinigen herleitete, indem er selbst sich einen Sohn der Sklavin Enipo d.i. Jambe nannte, Jambisten in Syrakus, Phallophoren in Sikyon, Dikelisten in Sparta und andre. Die Gesellschaft und die Aufregung des Festes beleben die Laune, lustiger und boshafter Witz str\u00f6mt, die besten Einf\u00e4lle und Phrasen oder Formeln erhalten sich von einem Jahr ins andre, neue verschlingen sich damit, und bey wenig Inhalt und im einf\u00f6rmigen leichten Vers erneut sich unter steten Variationen ein herk\u00f6mmliches Spiel pers\u00f6nlicher Neckereyen oder auch stehender Charaktere. Die neckenden Wechselges\u00e4nge der vornehmen J\u00fcnglinge am Gelag aus dem Stegreif ([GREEK]) im Hymnus auf Hermes (54-56) deuten auch auf eine feinere Ausbildung solcher gesellschaftlichen Poesie. Einen \u00e4hnlichen Ursprung der Kom\u00f6die unter dem Landvolk in Italien malt sich Tibull aus (2,1, 55) und wenigstens die Spiele der vornehmenden R\u00f6mischen Jugend stehn durch Livius historisch fest. A.W. Schlegel erinnert dabey an das gesellschaftliche Improvisiren bey der Mahlzeit unter den Angelsachsen nach der Geschichte vom Caedmon, an die Herausforderungen der Masken in Italien auf Couplets im lebhaften Dialog nach derselben Melodie. <\/p>\n<p>Mehr Kunst des Verses und der Sprache und mehr Gabe der augenblicklichen Darstellung als in der Gesellschaft Vielen zu Gebot stand, ist im Ganzen auch nicht vorauszusetzen bey den einzelnen Erz\u00e4hlern, welche die K\u00e4mpfe und die Heldentode augenblicklich nach dem frischen Eindruck besangen (wie wir es z.B. aus Diodor (5, 31) von den S\u00e4ngern der Celten, die sie in Krieg und [LXXXIX] Schlachten begleiteten, und noch aus den Schweizerkriegen wissen) oder zum Andenken der ruhmvoll Gefallnen und der gro\u00dfen Begebenheiten fort und fort wiederholten. Der Stoff ist Allen bekannt, leicht im Ged\u00e4chtni\u00df zu halten; die Gabe ihn vorzutragen ist Einzelnen eigen. Fortschritt und Ausbildung sind von Umst\u00e4nden abh\u00e4ngig und verschieden bey jedem Volke. Bedeutend k\u00f6nnen sie nicht werden ohne Nachdenken und Studium, welches unter der drey Musen die Melete und vielleicht der Name Mosa, Musa selbst ausgedr\u00fcckt, und ohne ein von Geschlecht zu Geschlecht erweitertes und angesammeltes Wissen, ohne Mneme die Schwester der Melete oder Mnemosyne, die Mutter der Musen. Eine ganz besondre Leichtigkeit haben einzelne Dichter auch in andern Zeiten, ohne darum gr\u00f6\u00dfere Dichter zu seyn: demnach kann auch der fr\u00fchsten Periode nicht die Leichtigkeit oder das Autoschediastische, die augenblicklich erh\u00f6hte Lebhaftigkeit der Grund der h\u00f6heren Ausbildung seyn. Die Eingebung der Muse welche den S\u00e4nger antreibt nach der Odyssee (8, 73), der Gott der dem Demodokos Gesang zu erg\u00f6tzen giebt, wohin ihn der Geist treibt zu singen (8,44 [GREEK]) und dem Phemios, dem selbstunterrichteten, mancherley Wege des Lieds in das Herz legte (22, 347), diese deuten schon auf eine hohe Geistesbildung durch Denken und Nachahmung guter Vorbilder, auf freye Begeisterung des Augenblicks den der Improvisator nicht w\u00e4hlt und erwartet, und auf den das Gem\u00fcth frey begeisternden Stoff, den dieser nicht selbst ergreift. Auf fertige Compositionen weist ed deutlich genug hin, da\u00df Phemios viele Lieder wei\u00df, Werke der Menschen sowohl als der G\u00f6tter, die die S\u00e4nger feyern, deren eines Penelope statt des traurigen Liedes verlangt (1, 336), und das Telemachos ihr wehrt in abzuhalten zu singen wie ihn sein Sinn treibe ([GREEK]), da nicht die S\u00e4nger, sondern Zeus Urheber sey, der den Menschen gebe wie es ihm gefalle, und der Untergang der Danaer zu singen sey diesem nicht zu verargen, da den neuesten Gesang die Zuh\u00f6rer am meisten preisen, die neuesten Geschichten zu h\u00f6ren verlangen. Wenn Odysseus den Demodokos, der schon aus dieser neuesten Begebenheit, dem Untergang der Ach\u00e4er, gesungen hatte so als er dabey gewesen w\u00e4re oder ihn von einem [XLC] Andern, der dabey war, geh\u00f6rt h\u00e4tte (8, 491), der also die Einnahme der Stadt durch das h\u00f6lzerne Pferd nothwendig auch wissen mu\u00dfte, auffodert auch diese zu singen und ihm verspricht, wenn er auch die\u00df geh\u00f6rig verk\u00fcnde, ihn zu r\u00fchmen als den, welchem der Gott mit Huld g\u00f6ttlichen Gesang verliehn, und wenn dann der S\u00e4nger anhebt vom Gott ergriffen, so hat die\u00df mit den \u00fcberraschenden Aufgaben, denen der Improvisator sich blo\u00df stellt, kaum eine entfernte Aehnlichkeit. In diesen A\u00f6den ist ein poetisches Bild, nicht von den Lehrern Homers oder der A\u00f6den der fr\u00fcheren Stufe des Epos, sondern von der Homerischen Poesie selbst, ihrem ganzen Wesen und Umfang nach, ausgedr\u00fcckt. <\/p>\n<p>Doch es ist weniger meine Absicht die \u00e4chte Poesie dieser A\u00f6den und Homers, die allerdings &quot;aus einer improvisirenden S\u00e4ngerschule <i>alm\u00e4lig<\/i> hervorgegangen war,&quot; wie A.W. Schlegel sich ausdr\u00fcckt,<sup>4<\/sup> zu er\u00f6rtern, als den besondern Charakter der davon so g\u00e4nzlich verschiedenen k\u00fcnstlichen Improvisation bey den Griechen und den Italienern ihr gegen\u00fcberzustellen. An der Aus\u00fcbung epischer Improvisation, wovon Fr. Schlegel (S. 155) im Platonischen Ph\u00e4drus<sup>5<\/sup> und in manchen Ausdr\u00fccken der Sp\u00e4teren von den Rhapsoden Spuren zu entdecken glaubt, mu\u00df ich zweifeln. Auch ist aus Griechenland selbst kein Beyspiel eigentlicher Improvisation, wie sie im neueren Italien so h\u00e4ufig war, bekannt; sondern nur aus Syrakus eines, zwey andre von Dichtern aus Sidon und Antiochien, und besonders ist in Tarsos in Kilikien die Sache zu Namen und Ansehen gedeihen. Das \u00e4lteste Beyspiel ist das bey Aristoteles in den Problemen, der von einem Syrakuser <i>Marakos<\/i> sagt, er sey, wenn er in Ekstase gerieth, sogar ein besserer Dichter gewesen als sonst.<sup>6<\/sup> Von dem bekannten <i>Antipater<\/i> aus Sidon l\u00e4\u00dft Cicero den Redner Crassus erz\u00e4hlen, da\u00df er in verschiedenen Versarten mit der gr\u00f6\u00dften Ge- [XCI] l\u00e4ufigkeit aus dem Stegreif Verse ausstr\u00f6mte.<sup>7<\/sup> Man vermuthet, da\u00df Crassus den Antipater kennen lernte als er der Qu\u00e4stur in Macedonien wegen Griechenland besuchte 648 u.c. und O. Catulus f\u00fchrte das Consulat 651. Den <i>Licinus Archias<\/i> von Antiochien, der unter diesem Consulat des Catulus nach Rom gekommen war, hatte Cicero selbst \u00f6fter improvisiren geh\u00f6rt, wie er in der Vertheidigungsrede anf\u00fchrt.<sup>8<\/sup> Fr\u00fcher hatte Archias den Cimbrischen Krieg besungen und des Marius Gunst erworben, dann den ganzen Mithridatischen Krieg und den Lucullus verherrlicht, auch daran gedacht die Thaten des Metellus Numidicus, und angefangen das Consulat des Cicero zu besingen. Die besondere augenblickliche Hingerissenheit, die den besten Italienischen Improvisatoren eigen war und von Aristoteles als Ekstase bezeichnet wird, merkt Cicero wenigstens nicht ausdr\u00fccklich, weder von Antipater noch von Archias an: und wenn Archias, wie es scheint, nur im epischen Styl und Vers \u00fcber Zeitbegenbenheiten declamirte<sup>9<\/sup> und diese nach Auffoderung der Zuh\u00f6rer in Variationen wiederholte, so ist diese Fertigkeit kaum h\u00f6her anzuschlagen als die Vortr\u00e4ge der Rhetoren aus dem Stegreif: Antipaters Kunstst\u00fccke in verschiedenen Versarten erfoderten wenigstens noch etwas andres als Sprachfertigkeit. Quinctilian (10, 7, 19), der in Hinsicht des Antipater und Archias sich auf Cicero beruft, sezt hinzu, da\u00df auch in seinen Zeiten Einige dasselbe gethan ha- [XCII] ben und thun. Bestimmter erkennt man den begeisterten Improvisator in einigen Stellen des Petronius und besonders in Strabons Bericht (14, p. 675) \u00fcber einen Philosophen <i>Diogenes<\/i> aus Tarsos, einen der herumziehenden, die an verschiedenen Orten mit Gl\u00fcck Schulen versammelten: denn dieser improvisirte wie au\u00dfer sich ([GREEK]) Poesieen, meist tragische, nach einem aufgegebenen Gegenstand. Von Strabon erfahren wir auch, da\u00df in Tarsos, wo nicht lange vor ihm die Studien einen Aufschwung nahmen, die Kunst nach Aufgaben aus dem Stegreif endlos zu dichten zur Mode geworden war, indem er von einem dortigen, schlechten Dichter und schlechten B\u00fcrger <i>Boethos<\/i> spricht, der den Antonius durch ein Epos auf ihn und die Schlacht bey Philippi und noch mehr durch diese Kunst des Improvisirens f\u00fcr sich eingenommen hatte.<sup>10<\/sup> Bey Diogenes von Laerte (4, 58) kommt ein <i>Bion<\/i> vor, [GREEK]. Die\u00df sind aller Wahrscheinlichkeit nach improvisirte Trag\u00f6dien wie wir an Diogenes von Tarsos das Beispiel haben, so da\u00df der Name der Tarsischen Trag\u00f6dien die Nachricht Strabons von der Liebhaberey der Tarser am Improvisiren best\u00e4tigt. Welche Art der Poesie w\u00e4re dazu auch geeigneter gewesen als die tragische?<sup>11<\/sup> Die M\u00f6glichkeit bleibt freylich, da\u00df die improvisirten Tarsischen Trag\u00f6dien in Einrichtung und Zuschnitt, Geist und Ton etwas hatten, das man auch schreibend nachzuahmen der M\u00fche werth fand und da\u00df diese Nebenart also, wodurch die Stadt sich bekannt gemacht hat, nicht immer auf die Improvisation beschr\u00e4nkt geblieben ist: wobey vorausgesetzt wird, da\u00df zuerst improvisirte Tarsische Trag\u00f6dien auch aufgeschrieben worden seyen, so wie die gelungensten lyrischen und dramatischen Producte mancher Improvisatoren Italiens. <\/p>\n<p>[XCIII] Wer die Italienischen Improvisatoren auch nur aus dem Aufsatz von Fernow im zweiten Theil seiner R\u00f6mischen Studien 1806 kennt, der wei\u00df, da\u00df ihre Kunst durch zweyerley sich auszeichnet, Begeisterung und Fertigkeit, wovon die erste auch fehlen, aber nie der Uebung und raschen Gewandtheit in Anwendung des Erlernten entbehren kann. Eben darauf weisen uns auch die kurzen Nachrichten \u00fcber die die Aus\u00fcbung dieser Kunst im sp\u00e4teren Griechischen Alterthum hin, [GREEK] auf das Eine, Alles auf das Andre. Die Hingerissenheit oder das Aussersichseyn war auch den Wahrsagern eigen, so sehr, da\u00df sie es, so fern es nicht wirklich statt fand, oft auf die \u00fcbertreibenste und grellste Art nachahmten. Ich will \u00fcber die Bakisse, die Branchiden, die Orakel und die Seher \u00fcberhaupt hier nicht ins Einzelne gehn. Es gen\u00fcgt den mantischen Enthusiasmos, wie ihn Plutarch nennt,<sup>12<\/sup> als einen besonderen zu unterscheiden. Maximus Tyrius spricht von einem sonst unbekannten Eleusiner Melesagoras, von dem bey den Athenern die Sage sey, da\u00df er nichts erlernt hatte, sondern von den Nymphen begeistert durch g\u00f6ttliche Gabe keine Kunst \u00fcbte und mantisch war.<sup>13<\/sup> Aristoteles versucht der au\u00dferordentlichen geistigen Kraft und Wirkung, die wir vom Genie im Allgemeinen wohl zu unterscheiden haben, eben da, wo er den Markos erw\u00e4hnt, einen physiologischen Grund nachzuweisen, den ich auf sich beruhen lasse.<sup>14<\/sup> Die Genialischen unterschei- [XCIV] det dabey auch er von den hingerissenen Propheten sowohl als Improvisatoren. Was Plutarch (<i>de Pythiae orac.<\/i> 23.24) \u00fcber die poetischen Gaben der Vorzeit, nach eigenth\u00fcmlicher physischer Beschaffenheit und Mischung, \u00e4ussert, ist nur seine Vorstellung und beruht zum Theil auf einseitiger Folgerung aus dem Gebrauch des Sylbenma\u00dfes f\u00fcr alles, was in Worte gefa\u00dft wurde, &quot;von den Einen aus Genie, von den Andern aus Gewohnheit.&quot; <\/p>\n<p>Wie viel durch blo\u00dfe Fertigkeit erreicht, wie nahe der vorbereiteten Leistung die augenblickliche gebracht werden kann, davon haben manche Griechen in der Redekunst ber\u00fchmte Beyspiele gegeben. Ich meyne nicht die <i>facilitas extemporalis<\/i> des Redners, welche die Umst\u00e4nde erzeugen, die praktische F\u00e4higkeit in Gesch\u00e4ften und eigener Angelengenheit so gut aus dem Stegreif als vorbereitet zu sprechen, worin nach Philostratus zuerst Perikles, oder Python von Byzanz oder Aeschines sich auszeichnete, sondern die epideiktische des Siciliers Gorgias, der zu den im Theater versammelten Athenern sagte: gebt auf ([GREEK]), oder des Hippias,<sup>15<\/sup> und sp\u00e4terer Rhetoren. <i>Is\u00e4os<\/i>, welchen Philostratus (<i>V. Soph.<\/i> 1, 20), ganz das Bild eines Improvisatore wie wir sie kennen dar. Er schl\u00e4gt mehrere erdichtete Rechtsf\u00e4lle (<i>controversias<\/i>) vor und l\u00e4\u00dft den Zuh\u00f6rern die Wahl und erregt durch Gehalt und Form die Bewunderung der Kenner. Zu dieser St\u00e4rke ist er durch Studium und Uebung gelangt: denn Tag und Nacht thut, h\u00f6rt, spricht er nichts anders. Eine Caricatur schlechter rhetorischer Improvisation entwirft Lucian (<i>Rhetorum praec.<\/i> 18) Philostratus sagt von den Rhetoren (V. S. 2,1, 14), die einen sind stark im Extemporiren ([GREEK]), die anderen im Ausarbeiten, woraus man sieht, wie gew\u00f6hnlich das rhetorische, gek\u00fcnstelte, schulm\u00e4\u00dfige Improvisiren [XCV] war. Nur sind dabey im Allgemeinen nah liegende, nicht gesuchte oder eigentlich aufgegebene Themata vorauszusetzen. <\/p>\n<p>Wenn der Rhetor, und w\u00e4re seine Sprache noch fertiger und str\u00f6mender, wie Juvenal sagt, (3, 74), als die des Is\u00e4us, sich nie der Besonnenheit und der Herrschaft des Verstandes entziehen kann, so unterst\u00fctzt die poetischen Improvisatoren der besseren Art die Ekstase, der <i>estro<\/i>, wie die Italiener sagen, Feuer, Enthusiasmus, Verz\u00fcckung, eine Anlage, die sie zu Dichtern erheben k\u00f6nnte, wenn sie nicht, anstatt der Muse, der Menge zu dienen, statt bleibende Werke zu bilden, bewundernden Zuh\u00f6rern recht eigentlich ein [GREEK] vorz\u00f6gen. <i>Est deus in nobis, agitante calescimus illo<\/i>; die\u00df m\u00fcssen auch sie empfinden; <i>extrudit sanos Helicone poeta Democritus<\/i>. Aber der Unterschied ihrer zum Theil erzwungenen Begeisterung von der nat\u00fcrlichen poetischen ist nicht genug. Funkelne Augen, triefender Schwei\u00df, die angeschwollenen Adern der Stirne, wie von Andrea Morone, dem Freunde des Ariosto, oder dazu eine schwer athmende Brust, heftige Wallung des Bluts, wie von Perfetti gemeldet wird, die Gabe sich ausser sich selbst zu setzen und mit Besonnenheit und Geschmack zu rasen, welche von dem, von Bonaparte in Italien und sp\u00e4ter beg\u00fcnstigten Gianni ger\u00fchmt wird, die Entkr\u00e4ftung des jungen Metastasio nach dem Improvisiren, wovon er sich oft in vier und zwanzig Stunden kaum erholen konnte, die Ermattung \u00fcberhaupt, die Bettinelli (<i>dell&#8217; entusiasmo dele belle arti<\/i>) in seiner selbst auch begeisterten Schilderung des Improvisatore als Symptom des Gelingens angiebt, die zeigen, da\u00df mit der nat\u00fcrlichen Anlage, die frey zu walten bestimmt ist, bey dem Dichten nach Aufgaben eine augenblickliche erhitzte \u00e4usserste Anstrengung und Steigerung aller Kr\u00e4fte sowohl als erworbenen Fertigkeiten sich verbindet, wie etwa im Ringkampf oder in einem lebensgef\u00e4hrlicher Abentheuer. Der Enthusiasmus der Versammlung wirkt zu dieser Steigerung des Talents mit, wenn er nicht unentbehrlich ist, wie Quinctilian (10, 7, 16) auch von dem unvorbereitet sprechenden Redner bemerkt, da\u00df die Menge der Zuh\u00f6rer ihn belebe und Tacitus (<i>de orat.<\/i> 6), da\u00df die <i>extemporalis audacia atque ipsa temeritas<\/i> einen ganz besonderen Reiz f\u00fcr den Redner [XCVI] habe. Zu bewundern ist auch bey de besten poetischen Improvisation nicht das Product, sondern da\u00df es auf diese Art entsteht. <\/p>\n<p>Ausser der dichterischen Einbildungskraft sind dem Improvisatore auch Eigenschaften unentbehrlich, die der wahre Dichter nicht nothwendg zu besitzen oder im \u00e4hnlichem Grade auszubilden braucht. Vorz\u00fcglich eine besondere von Temperament und Charakter abh\u00e4ngige Leichtigkeit, Raschheit, lebendige Beweglichkeit des Geistes. Dichter, die sich durch diese auszeichneten, wie Lucilius, Papinus Statius,<sup>16<\/sup> h\u00e4tten es im eigentlichen Improvisiren weit bringen k\u00f6nnen. Ein Camillo Querno, der eine Alerias in 20000 Hexametern geschrieben hatte, mochte leicht am Hofe Leos X durch Improvisiren sich den Titel der <i>arcipoeta<\/i> erwerben wenn er nur an der Tafel die Verse noch etwas schneller und etwa daf\u00fcr noch etwas gehaltloser machte als er sie zu schreiben gewohnt war. Ein anderes Erforderni\u00df ist ein au\u00dferordentliches Ged\u00e4chni\u00df, von ganz anderer Art und Umfang als das auch des besten Rhapsoden, Barden, Gu\u00dfles\u00e4ngers, die aus einem bestimmten Kreise einheimischer Geschichten erz\u00e4hlten, zu seyn brauchte. Und die\u00df Ged\u00e4chni\u00df mu\u00df, bey der Mannigfaltigkeit der Aufgaben, die in einem gebildeten Zeitalter gestellt werden k\u00f6nnen, durch besondre mnemonische K\u00fcnste zu besondern Fertigkeiten ausgebildet, \u00e4usserst schnell und gegenw\u00e4rtig seyn. Z.B. mythologische und historische Vergleichpunkte, Tropen, Bilder, Gemeinpl\u00e4tze, Reime m\u00fcssen dem K\u00fcnstler dieser Art zu Gebot stehn ungef\u00e4hr wie die Homerischen Verse den gelehrten Leuten bey Athen\u00e4us (10, p. 458), die darauf einge\u00fcbt waren auf einen Homerischen Vers gleich einen andern mit demselben Anfangsbuchstaben, oder mit einem [XCVII] Namen, einem Gegenstande derselben Klasse am Anfang und Ende herzusagen. Ueberhaupt ist die Lehrzeit dieser Kunst eine lange und schwere, und nur die leidenschaftliche, durch den Durst nach dem gegenw\u00e4rtigen Beyfall gen\u00e4hrte Neigung zu ihr macht so vielj\u00e4hrige unausgesetzte Uebung, wie Plinius sie auch von Is\u00e4os angiebt, begreiflich. Die Fr\u00fcchte aber dieser durch lange Vorbereitungen und im Augenblick der Aus\u00fcbung durch einen fl\u00fcchtigen Rausch der Begeisterung k\u00fcnstlich gesteigerten F\u00e4higkeiten und Behendigkeiten sind hinf\u00e4llig und werthlos, wehrtlos im Ganzen, wenn sich auch Zeichen dichterischen Geistes, <i>disiecta membra poetae<\/i>, darin einzeln vorfinden. Die erzwungne Muse bringt keine lebensf\u00e4higen Kinder hervor; der seines Stoffs wohl kundige, in seiner eigener Form wohl ge\u00fcbte A\u00f6de dient seiner G\u00f6ttin mit Hingebung und Ehrfurcht. Mit dem Tiefsinn und eigenen aus der eignen Tiefe gesch\u00f6pften Gedanken hat die Improvisation nichts gemein: und aus der Tiefe wird alles gesch\u00f6pft und w\u00e4chst alles langsam hervor, unter fortgesetzter Pflege und einzelnen Geistesblitzen gedeihend und sich vollendend, was in der Poesie Dauer haben und Entwicklung des Geistes f\u00fcr Alle schaffen soll. Da\u00df die Gedichte der ber\u00fchmtesten Improvisatoren sich nicht \u00fcber das Mittelm\u00e4\u00dfige erhoben haben, ist bekannt, und Perfetti, der in der ersten H\u00e4lfte des achtzehnten Jahrhunderts durch seine unglaubliche Gewandtheit und Geschicklichkeit gro\u00dfes Aufsehn machte, hatte Recht das Nachschreiben der seinigen zu verbitten, die, als sie nach seinem Tode dennoch gedruckt wurden, nur gel\u00e4ufige Verse, nicht einen Dichter beurkundeten. Zu bemerken ist auch, wie verlassen von dichterischem Geist die alten Improvisatoren Antipater von Sidon und Archias erscheinen, wenn man sie nach ihren sorgf\u00e4ltig ausgearbeiteten Epigrammen beurtheilt. Von dem letzteren haben wir deren, nach Ausscheidung der unter denselben Namen laufenden, etwa 26, die s\u00e4mmtlich aus Nachahmungen des Antipater und Leonidas, blo\u00dfen Variationen in Ausdruck und Wendungen bestehn, und das Urtheil von Ilgen sehr wahrscheinlich machen, da\u00df Cicero, sehr ungleich \u00fcberhaupt in seinem Urtheil \u00fcber dieselben Gegenst\u00e4nde, den Archias \u00fcbertrieben gelobt habe, um von ihm desto gewisser besungen zu [XCVIII] werden.<sup>17<\/sup> Quinctilian, der diesen Zusammenhang nicht argw\u00f6hnte und von dem Redner fodert, da\u00df er die Leichtigkeit in unvorbereiteten Sprachen so weit bringen m\u00fcsse, da\u00df das vorher Ueberlegte nur sicherer, aber nicht besser seyn k\u00f6nne, ist dennoch der Meynung, da\u00df das poetische Improvisiren nicht eben so zu empfehlen sey, weil es weder Nutzen, noch Nothwendigkeit habe. Es dient dazu, einer nach dem Bessern und dem Gesunden in den K\u00fcnsten nicht verlangenden Menge durch ein allerdings staunenswerthes Kunstst\u00fcck des Geistes, wozu die edelsten Geisteskr\u00e4fte und beharrliche Anstrengung auf eine \u00fcbrigens zwecklose und naturwidrige Weise vereinigt gerichtet werden, zur Unterhaltung zu dienen, dem K\u00fcnstler aber eine Befriedigung zu verschaffen wie sie nicht jede ernsthafte Liebhaberey gew\u00e4hrt, mag er sie nun um gl\u00fccklichen Kampfe mit den Schwierigkeiten suchen oder in dem Beyfall der Gesellschaft, die ihn fast wie einen Magus anstaunt, oder auch, auf niederen Stufen, in den Geldbeysteuern des versammelten Haufens. Oft \u00fcbten die Improvisatoren ihre Kunst mit Leidenschaft. Moritz erz\u00e4hlt in seinen Reisen in Italien (3, 25) von einem, einem Venezianischen Advocaten, der in Rom auf \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen und in Pal\u00e4sten, aus einem unglaublichen Umfang von Kenntnissen, nach Aufgaben f\u00fcr Geld improvisirte, das er verschwendete. Ich selbst habe dort im Jahr 1807 mehrmals einen Grafen Alborghetti nach den zuf\u00e4lligsten von fremden Frauen gestellten Aufgaben improvisiren h\u00f6ren, der in der h\u00f6heren Gesellschaft wegen seines Talents in Ansehn stand, und der es weder leidenschaftlich noch aus Eitelkeit auszu\u00fcben schien, auch von Verz\u00fcckung und Ermattung frey blieb.<\/p>\n<p>Eine auffallende Erscheinung bleibt immer, da\u00df diese Kunst nur in Italien und da seit dem Ende des f\u00fcnfzehnten Jahrhunderts so h\u00e4ufig und mit so gro\u00dfem Beyfall ge\u00fcbt, da allein eigentlich als eine besondere Kunstart ausgebildet worden ist. Wenn ich gewi\u00df seyn k\u00f6nnte, da\u00df die von Fernow zusammengestellten Thatsachen Vollst\u00e4ndigkeit genug haben, so w\u00fcrde ich vermuthen, da\u00df jene \u00e4lteste Schule von Improvisatoren in Lateini- [XCIX] scher Sprache, die von Sixtus IV, Lorenzo Medici, Leo X und mehreren gepriesenen Improvisatoren ausgegangen sey. Denn was Fernow (S. 336) nur kurz und allgemein anmerkt, die Kunst <i>all&#8217; improviso<\/i> zu dichten sey im zw\u00f6lften Jahrhundernt zugleich mit dem Geiste der Provenzalischen Dichtkunst eingewandert, ist Verwechslung des nat\u00fcrlichen, einfachen Improvisirens, das der Jugend der Poesie eigen ist, mit dem geschraubten und zur Ekstase sowohl wie zur schwierigsten K\u00fcnsteley getriebenen in der Periode ihres Ablebens. Die Poesie der Troubadours selbst ist eine ganz andere. So m\u00f6chte auch der Luigi Pulci, dessen anmuthigem Gesang, wenn er sich in den Sommern\u00e4chten auf der Stra\u00dfe h\u00f6ren lie\u00df , selbst Michel Angelo gern zuh\u00f6rte, nur ein leichtes Talent zu reimen und sch\u00f6n vorzutragen ge\u00fcbt haben und nicht mit den Improvisatoren im engeren Sinn zu vermischen seyn. Alles was Fernow (S. 408) aus Fischers Gem\u00e4lde von Valencia anf\u00fchrt, geh\u00f6rt gleichfalls der volksm\u00e4\u00dfigen Dichtung zu, die von Natur improvisirender Art ist, so wie auch in Kindern, besonders in M\u00e4dchen, die wirkliche dichterische Anlage noch vor aller Geistesbildung sich oft durch diese augenblickliche Leichtigkeit angek\u00fcndigt hat und Ursache war, da\u00df die so Begabten sich der Kunst des Improvisirens widmeten. Wenn man die S\u00e4nger der Decimas Improvisatoren nennen will, oder die Apulischen <i>Apponitori<\/i> (bey Fernow S. 320), so sind es such die Sicilischen Hirten alter Zeit, so finden oder fanden sich deren unter jedem lebhafteren Volk, wie in Dalmatien, in Griechenland, namentlich in Athen zur T\u00fcrkenzeit viele waren, die sich mit einem leichten Instrument begleiteten, unter den Gondolieren in Venedig, unter den Aegyptischen Almen, selbst unter manchen Negerst\u00e4mmen. Nur die Araber zeichneten sich ausser den Italiener durch den Hang der gebildeten Dichter zum Improvisieren aus, schon in fr\u00fcheren Zeiten und in Spanien, und haben daf\u00fcr auch, gleich den Griechen und den Italienern, einen eignen Ausdruck in ihrer Sprache. Doch scheinen sie nicht \u00fcber den selbstgew\u00e4hlten Gegenstand und \u00fcber den Wettkampf hinausgegangen zu seyn.<sup>18<\/sup> Ueberall sollte [C] man das Impromptu oder Apophtegma in Versen unterscheiden von dem musikalisch begleiteten Gesang, der aus einem Quell einheimischer Sagen, Liebeslieder oder neckischer und andrer sch\u00f6pft, oder wie ein immer neuer Spro\u00df an den Wurzeln der heimathlichen, blo\u00df m\u00fcndlich ge\u00fcbten und fortgepflanzten Volkspoesie ausschl\u00e4gt. Beyspiele dieser Gelegenheitspoesie aus dem Stegreif sind die Verse, die dem Homer bey dem Eintritt an den Apaturien in Samos in einen Raum, wo Feuer angemacht ward, in den Mund gelegt werden,<sup>19<\/sup> und andre der Art und das Meiste, was Bartholdy in seiner Reise in Griechenland aus dieser Zeit von Gr\u00fc\u00dfen und gewechseltem Gespr\u00e4ch bey Begegnungen und andern Gelegenheiten anf\u00fchrt; ferner die zornige Rede eines Arabisches Weibes an den K\u00f6nig, der in ihrem Streit ungerecht gerichtet hatte, bey Nuwairi,<sup>20<\/sup> die Worte, die dem Mungo Park Weiber, von denen er gutm\u00fcthig bewirthet wurde, zusangen. Dahin geh\u00f6rt auch das <\/i>cantar rispetti<\/i> um Almosen, wovon Fernow spricht (S. 379.)<\/p>\n<p>Eine nur ihnen eigene besondre Anlage zum Improvisiren wollte ich den Italienern nicht absprechen durch die Vermuthung, da\u00df die Kunst bey ihnen mit jenem schw\u00e4chlichen Sp\u00e4tling des Altertums in Verbindung stehen m\u00f6chte. Diese Anlage best\u00e4tigt und erkl\u00e4rt sich vielmehr, wenn man psychologisch in der Vergleichung von Nationalcharakteren tiefer eingeht, auch durch andre nationale Eigenschaften und Sittenz\u00fcge. Es zeichnen sich einzelne Gegenden in Italien durch diese angeborene rasche poetische Productivit\u00e4t vor andern aus, Neapel, Toscana, Venedig und die Umgegend. Doch haben wie es scheint, auch besondre Umst\u00e4nde viel dazu beygetragen, da\u00df das Improvisieren in Italien sich zu einer Kunst ausgebildet und sich verbreitet hat wie sonst nirgends. Ein Hauptursache liegt darin, da\u00df an den vielen Geist und Bildung liebenden und f\u00f6rdernden kleine H\u00f6fen die Improvisation eine anziehende gesellschaftliche Unterhaltung abgab. Denn sie hat das Spannende, Erwartungsvolle eines Kampfspiels und rei\u00dft den empf\u00e4nglichen Zuh\u00f6rer mehr oder weniger zu einer still- [CI] schweigenden Theilnahme an der Th\u00e4tigkeit des Improvisators fort. Ein anderer Grund, auf welchen Fernow aufmerksam macht (S. 414), liegt in der hierarchisch unterdr\u00fcckten Freyheit des Denkens, wodurch aller gesunden und wahren Ruhm bringenden Entwicklung des Geistes gewehrt und auch die Poesie von der Gr\u00f6\u00dfe der Natur und dem Ernst der Geschichte und der Ideen zur\u00fcckgehalten und in die Schranken gesellschaftlichen Spiels gewiesen wird. Die gro\u00dfe Ausbreitung des Improvisirens unter Virtuosen und Dilettanten im neueren Italien ist daher ungef\u00e4hr wie die der rhetorischen Fertigkeit und K\u00fcnsteley im alten unter der absoluten Monarchie der Imperatoren, wenn gleich immer ein Beweis besondrer nat\u00fcrlicher Anlage, doch kein gutes Zeichen f\u00fcr die allgemeinen Zust\u00e4nde der Staaten und der Litteratur, ein Symptom einer inneren Krankheit, wogegen das volksm\u00e4\u00dfige Improvisiren bey noch ungebildeten V\u00f6lkern immer ein Zeichen frischer Gesundheit ist, und der Reim, woraus, wenn zu deren Erziehung sich gl\u00fcckliche Umst\u00e4nde vereinigen, \u00e4chte Poesie und Kunst sich hervorbilden. Endlich haben in Italien auch nicht selten der gl\u00e4nzende Ruf und die \u00f6ffentlichen Auszeichnungen einzelner Improvisatoren, M\u00e4nner sowohl als Frauen, zeitweise ein Fieber der Nachahmung erzeugt und die Sache zur Mode gemacht.<\/p>\n<p class=\"aei-one-line-down\">\n<p>Notes:<br \/>\n1) Ideen 3 Th. 1812 S. 158f. Von derselben Ansicht, von dem ber\u00fchmten Gianni durch welchen die Wunder der antiken Poesie sich entschlie\u00dfen sollen, geht, durch Verwechselung von Begeisterung und dieser Art vom Improvisation, Raoul Rochette aus in einer Abhandlung <i>de l&#8217;improvisation po\u00e9tique chez les Anciens et particuli\u00e8rement chez les Grecs et les Romains<\/i>, im <i>Classical Journal London 1817 vol. 15 p. 249-57. Vol 16 p. 96-109, 357-71.<\/i><br \/>\n2) A.W. Schlegel \u00fcber den dram. Dialog 1796 (Krit. Schriften 1, 377). F. Schlegel Gesch. der Poesie der Griechen und der R\u00f6mer 1798 S. 154.<br \/>\n3) Zoega spricht von Kithar\u00f6den und Improvisatoren unter den Kadmiden. <i>Bassiril. tav. 2 p.10.<\/i> Pope nennt den Demodokos und Phemios <i>extemporesingers, An Essay on the life, writings and learning of Homer, sect. 3 p. 81.<\/i><br \/>\n4) In der Recension der Vossischen Homer, Kritische Schriften 1, 144. Auch Heyne <i>Hom. Jl. T. 8. P. 829<\/i> urtheilt mit Einsicht. (R.D. M\u00fcller Griech. Litter. 1, 60 scheint poetische Erzeugung aus dem Stegreif bey besonderen Gelegenheiten, in der Begeisterung des Augenblicks, auch in die aus Homer bekannten Zeiten zu versetzen, wozu im Homer selbst nichts berechtigen m\u00f6chte.)<br \/>\n5) <i>T. 10 p. 387 Rip.<\/i><br \/>\n6) <i>Probl. 30, 1.<\/i> [GREEK]<br \/>\n7) <i>Cic. de orat. 3, 50, 194. Quod si Antipater ille Sidonius, quem tu probe, Catule, meministi, solitus est versus hexametros aliosque variis modis atque numeris fundere ex tempore tantumque hominis ingeniosi ac memoris valuit exercitatio, ut quum se mente ac voluntate conjecisset in versum verba sequerentur: quanto id facilius in oratione, exercitatione et consuetudine adhibita, consequemur?<\/i><br \/>\n8) <i>Pro Arch 8, 17. Ergo ille (Roscius) corporis motu tantum amorem sibi conciliarat a nobis omnibus; nos animorum incredibiis motus celeritatemque ingeniorum negligemus? Quoties ego hunc Archiam vidi, judices&#8230;.quum literam scripsisset nullam, magnum numerum optimorum versuum de his ipsis rebus quae tum agerentur dicere ex tempore? quoties revocatum eandem rem dicere commutatis verbis atque sententiis? Quae vero accurate cogitateque scripsisset, ea sic vidi probari ut ad veterum scriptorum laudem pervenirent.&mdash; Atque sic a summis hominibus eruditissime accepimus, ceterarum rerum studia et doctrina et praeceptis et, arte constare poetam natura ipsa valere et mentis viribus excitari et quasi divino quodam spiriu inflari.<\/i><br \/>\n9) <i>Cicero de divin. 1, 36<\/i> erw\u00e4hnt ein Gedicht von ihm auf einen Vorfall aus der Kindheit des Roscius.<br \/>\n10) P. 674 [GREEK]<br \/>\n11) Gasaubon <i>de sat. poesi 1, 4 p. 153s.<\/i> versteht den Diogenes falsch als ob [Greek: Tarsikon] nicht auf [Greek: tragodion] gienge, sondern [Greek: Tasokoi] eine Schule von Rednern entweder oder von Dichtern w\u00e4ren wie [Greek: Asiatikoi] und [Greek: Podiakoi], und es unbestimmt bleibe, ob [Greek: oi leomenoi Tarsikoi] Redner oder Dichter, von welcher Art das <i>extemporale genus dicendi Tarsensibus proprium<\/i> gewesen sey. Von Dichtern ist ein solcher Schulname nach dem Ort nicht einmal bekannt.<br \/>\n12) <i>De Sybill. orac. 23 fin.<\/i><br \/>\n13) <i>Ed. Davis. 22. Reisk. 38 T.2. p.221.<\/i> [GREEK]<br \/>\n14) [GREEK] Die Galle ist auch nach den R\u00f6mern im Spiel bey dem leidenschaftlichen Flu\u00df der Verse. <i>Petron. 124 cum heac Eumolpus ingenti bile effudiset, 90 si eiuras hodiernam billem, of Hor. A. P. 302.<\/i><br \/>\n15) S unten S. 448.<br \/>\n16) Th. 1 S. 400 Spossius <i>Inst. poet. 3,22,<\/i> Potanus und Andre nennen die Gedichte des Statius [GREEK] was sie nur in weiterm Sinne waren. Aus den Vorreden der drey ersten B\u00fccher der Sylven sehn wir hinl\u00e4nglich seine Freude an dem schnellen Niederschreiben seiner Gelegenheitsverse, die ihm, wie er sagt, <i>subito calore et quadam festinandi voluptate fluxerunt cum singuli de sinu meo prodiissent \u2013 Sed apud ceteros necesse est multum illis pereat ex venia, cum amiserint, quam solam habuerint, gratiam celeritatis. Nullum enim ex illi biduo longius tractum: quaedam singulis diebus effusa.<\/i> So schreibt er in frischer Theilnahme ein Epikedion eilfertig (<i>festinanter<\/i>) und entschuldigt damit den Mangel der Feile und sagt in den dritten Dedication: <i>cum scias multos ex illis in sinu tuo subito natos et hanc audaciam stili nostri frequneter expaveas.<\/i><br \/>\n17) <i>Animadversiones hist. et crit. In Cic. Or. Pro Archia poeta Opusc 2, 41 ss. besonders p. 43. 70. 80. 88.<\/i><br \/>\n18) Conde Gesch. Der Mauren 1, 536, 539.<br \/>\n19) <i>Vit. Hom. 19. Homeri et Hesiodi Certamen<\/i><br \/>\n20) <i>Rasmussen Hist. praecipuorum Arabum regnorum ante Islamismum 1817 p.81.<\/i>\n<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"aei-one-line-down\"><strong>Notes:<\/strong><\/p>\n<div id=\"aei-blocktext\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/p><\/div>\n<dl id=\"aei-dl-meta-unimportant\">\n<dt>Collected by:<\/dt>\n<dd>AM<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>The Classical scholar Welcker provides an extended analysis of the relationship between Italian improvisation and certain rhapsodists found in Homer (Demodokos, Phemos), stating that the two cannot be viewed as equivalent. While the rhapsodists practised a cultivated art, Welcker views improvisation as more of a skillful stunt and a fashionable pastime. <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27,134],"tags":[69,70,58],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1775"}],"collection":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1775"}],"version-history":[{"count":25,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1775\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3133,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1775\/revisions\/3133"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1775"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1775"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1775"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}