{"id":1793,"date":"2016-07-26T14:25:16","date_gmt":"2016-07-26T18:25:16","guid":{"rendered":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/?p=1793"},"modified":"2017-01-01T14:06:44","modified_gmt":"2017-01-01T19:06:44","slug":"johann-wilhelm-von-archenholtz-england-und-italien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/?p=1793","title":{"rendered":"Johann Wilhelm von Archenholtz, <i>England und Italien<\/i>"},"content":{"rendered":"<div id=\"aei-root\" lang=\"en-GB\"><!-- suid=150 --><\/p>\n<dl id=\"aei-dl-meta\">\n<dt>Performer Name:<\/dt>\n<dd>Corilla; Karsch<\/dd>\n<dt>Performance Venue:<\/dt>\n<dd>Rome<\/dd>\n<dt>Performance Date:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">&nbsp;<\/dd>\n<dt>Author:<\/dt>\n<dd>Archenholtz, Johann Wilhelm von<\/dd>\n<dt>Date Written:<\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/dd>\n<dt>Language:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">German<\/dd>\n<dt>Publication Title:<\/dt>\n<dd>England und Italien<\/dd>\n<dt>Article Title:<\/dt>\n<dd>Part II: Italien<\/dd>\n<dt>Page Numbers:<\/dt>\n<dd>277-82<\/dd>\n<dt>Additional Info:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">2nd expanded edn. Qtd from facsimile rpt ed. Michael Maurer (Heidelberg: Winter, 1993)<\/dd>\n<dt>Publisher:<\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/dd>\n<dt>Place of Publication:<\/dt>\n<dd>Leipzig<\/dd>\n<dt>Date Published:<\/dt>\n<dd>1787<\/dd>\n<\/dl>\n<p class=\"aei-one-line-down\"><strong>Text:<\/strong><\/p>\n<blockquote id=\"aei-blockquote\" lang=\"de\">\n<p>[277] Es ist hier hinreichend einige Sonnetten zusammengeschmiedet zu haben, um f\u00fcr einen Dichter zu gelten, ein Titel, der von dem P\u00f6bel aller Nationen nicht recht geachtet wird. Die Ehre, den poetischen Loorbeer auf dem Capitol zu erhalten, f\u00fchrte ehedem etwas erhabenes mit sich, daher man auch zu dieser Scene den ehemals so verehrungsw\u00fcrdi- [278] gen Erdraum erw\u00e4hlt hatte, der jezt immer mehr und mehr herabgew\u00fcrdigt wird. Wenn Tasso daselbst gekr\u00f6nt wurde, so klatscht Europa noch jezt nach zweyhundert Jahren seinen Beyfall dazu. Wenn aber eine Corilla diesen Lorbeer erh\u00e4lt, so h\u00f6rt er auf eine Ehre zu seyn, und diese Ceremonie wird zu einer l\u00e4cherlichen Farce. Diese so unverdient ber\u00fchmt gewordene Person ist als Dichterin so tief unter unsrer Karschin, da\u00df eine Parallel zwischen Beiden ziehn, letztere beschimpfen hie\u00dfe.* Das ganze Verdienst dieser Signora besteht im Improvisiren, wodurch sie gew\u00f6hnlich bey Alltagsk\u00f6pfen Bewunderung erregt; da aber dieses Talent, wovon ich hernach reden werde, von den R\u00f6mern eben nicht besonders hochgesch\u00e4zt wird, so w\u00e4re an eine poetische Kr\u00f6nung nie gedacht worden, wenn nicht die m\u00e4chtige Protection von einem der vornehmsten Kardin\u00e4le diese Kr\u00f6nungssache, ungeachtet des Widerspruchs von ganz Rom, durchgesezt [279] h\u00e4tte. Dieser Kardinal, von dem man versichert, da\u00df er etwas mehr als Freundschaft f\u00fcr die Stegreifreimerin (<i>improvisatrice<\/i>) empfand, lie\u00df sich durch das Geschrey des Volks nicht von seinem Vorsaz abwendig machen. Der Pabst gab seine Einwilligung dazu; Corilla wurde gekr\u00f6nt, ausgepfiffen, vom Gassenp\u00f6bel beschimpft, vom Dichterp\u00f6bel besungen, und von F\u00fcrsten beschenkt. Sie verlie\u00df schleunig Rom, und lebt jetzt zu Florenz.<\/p>\n<p>Die Improvisatoren w\u00e4hlen gew\u00f6hnlich den Plaz von Termini, um hier ihre K\u00fcnste zu zeigen. Dieses versteht sich von den herumziehenden, denn es giebt andre, die nur in Gesellschaften und ohne alle Belohnung improvisiren; zu welcher leztern Klasse denn auch die vorerw\u00e4hnte Corilla geh\u00f6rt. Gemeiniglich geschieht diese Stegreifreimerey singend, und wird durch eine Violine accompagnirt; ja manche dieser Virtuosen k\u00f6nnen nicht ohne dieses Instrument ihre Muse in Gang bringen. Die herumziehenden aber m\u00fcssen sowohl redend als singend, mit und ohne Instrument ge\u00fcbt seyn, das aufgegebene Thema zu bereimen. Man w\u00fcrde sich irren, wenn man dieses Talent als etwas besonders ans\u00e4he. Der Reichthum der italienischen Dichtersprache, und die vielen poetischen Freiheiten, die [280] in derselben erlaubt sind, nebst dem musikalischen Ohre der Italiener, alles dieses vereinigt, verringert die anscheinenden Schwierigkeiten unendlich. Auch sind es mehrentheils ignorante Leute, die diese Kunst treiben, daher finden sie sich in Verlegenheit, wenn man ihnen ein Thema aufgiebt, zu dessen Behandlung Belesenheit geh\u00f6rt; sie f\u00fchren es aberdoch aus, durch Unsinn mit Reimen verbr\u00e4mt. Die alte r\u00f6mische Geschichte ist gew\u00f6hnlich ihr Steckenpferd, weil mit derselben die Improvisatoren ziemlich bekannt sind. Alle gro\u00dfe Begebenheiten des alten Italiens, als Hannibals Zug nach Italien, die Ermordung C\u00e4sars, u.s.w. werden improvisirt, sobald man ihnen die Wahl des S\u00fcjets \u00fcberl\u00e4\u00dft; und wenn alsdann die Declamation gut ist, so wird der Ausl\u00e4nder, der dieses Schauspiel zum erstenmale sieht, in der That \u00fcberrascht und hingerissen.<\/p>\n<p>Ich habe von einem Venetianer eine Scene dieser Art gesehn, die den au\u00dferordentlichsten Eindruck zu machen f\u00e4hig war. Man stelle sich einen Plaz in Rom vor, von Tr\u00fcmmern umgeben, die auf die sinnlichste Weise an das gro\u00dfe Volk erinnern, das ehemals hier thronte; und nun denke man sich zum Thema: den Abschied des Regulus [281] von seiner Familie und von Rom; dieses nun mit Feuer und Beredsamkeit declamirt, und zwar an dem Ort selbst, wo diese gro\u00dfe That vor 2000 Jahren geschah. Der Improvisator, der unter die besten seiner Zunft geh\u00f6rte, wu\u00dfte diesen Vortheil vortreflich zu nutzen. Er blickte auf die Ruinen traurig, aber doch standhaft, und nun nahm er den lezten Abschied von seinen Verwandten und Freunden, von dem R\u00f6mischen Volk, von den Tempeln und Alt\u00e4ren, den G\u00f6ttern seines Vaterlandes, und endlich vom Capitol; wobey er seine Augen auf den Capitolinischen H\u00fcgel heftete. Diese ganze Scene, die wohl ausgef\u00fchrt wurde, weil unser Mann den Metastasio auswendig wu\u00dfte, war ein wahres Fest f\u00fcr Herz und Geist. Da dieser Venezianer ein Enthusiast der alten R\u00f6mer zu sein schien, gab ich ihm einst das Thema: ob das alte oder neue Rom gr\u00f6\u00dfere Vorz\u00fcge besessen h\u00e4tte? Er entschied nat\u00fcrlich f\u00fcr das neue, und zwar weil es von Christen und dem Pabst bewohnt w\u00fcrde, dahingegen die alten R\u00f6mer bei aller ihrer Pracht, Gr\u00f6\u00dfe und edlen Thaten doch nur Heiden gewesen w\u00e4ren. Ich habe oft dieses Schauspiel in allen Theilen von Italien gesehn, allein durchaus gefunden, da\u00df diese Improvisatoren eben so unwissend als von einge- [282] schr\u00e4nktem Verstande waren. Wie tief ist dieses Talent unter den Stegreifrednern, die man in England in den disputirenden Clubs antrifft! Hiezu geh\u00f6ren denkende K\u00f6pfe, durch Belesenheit gebildet, und mit Rednergaben versehen.\n<\/p>\n<p class=\"aei-one-line-down\">* Dennoch schmachtet die Deutsche in der gr\u00f6\u00dften D\u00fcrftigkeit, w\u00e4hrend der Zeit die Italienerin von allen Seiten Geschenke und Pensionen erh\u00e4lt, die noch k\u00fcrzlich die gro\u00dfe Katharina vermehrt hat. So viel kommt auf das Land an, wo man geboren wird!<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"aei-one-line-down\"><strong>Notes:<\/strong><\/p>\n<div id=\"aei-blocktext\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/p><\/div>\n<dl id=\"aei-dl-meta-unimportant\">\n<dt>Collected by:<\/dt>\n<dd> AE<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Archenholtz writes disparagingly of Corilla&#8217;s coronation as an abasement of poetry in general; Corilla&#8217;s talent cannot be compared with that of the superior German poet Anna Louisa Karsch. Archenholtz describes an impressive open-air by an unnamed Venetian improviser, one of many he witnessed while in Italy, but in general he considers Italian poetic improvisation far inferior to the spontaneous rhetorical skill displayed by English gentlemen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27,134],"tags":[67,87,55],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1793"}],"collection":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1793"}],"version-history":[{"count":20,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1793\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3132,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1793\/revisions\/3132"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1793"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1793"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1793"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}