{"id":1916,"date":"2016-08-03T14:43:14","date_gmt":"2016-08-03T18:43:14","guid":{"rendered":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/?p=1916"},"modified":"2016-08-06T21:08:02","modified_gmt":"2016-08-07T01:08:02","slug":"wilhelm-waiblinger-dichtungen-aus-italien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/?p=1916","title":{"rendered":"Wilhelm Waiblinger, <i>Dichtungen aus Italien<\/i>"},"content":{"rendered":"<div id=\"aei-root\" lang=\"en-GB\"><!-- suid=150 --><\/p>\n<dl id=\"aei-dl-meta\">\n<dt>Performer Name:<\/dt>\n<dd>Sgricci; Taddei<\/dd>\n<dt>Performance Venue:<\/dt>\n<dd>Rome<\/dd>\n<dt>Performance Date:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">1827<\/dd>\n<dt>Author:<\/dt>\n<dd>Waiblinger, Wilhelm<\/dd>\n<dt>Date Written:<\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/dd>\n<dt>Language:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">German<\/dd>\n<dt>Publication Title:<\/dt>\n<dd>Dichtungen aus Italien<\/dd>\n<dt>Article Title:<\/dt>\n<dd>Rosa Taddei; Sgricci; Improvisatori<\/dd>\n<dt>Page Numbers:<\/dt>\n<dd>1:252-54<\/dd>\n<dt>Additional Info:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">Qtd from <i>Wilhelm Waiblinger Werke und Briefe<\/i>, Ed. Hans K\u00f6niger<\/dd>\n<dt>Publisher:<\/dt>\n<dd>J. G. Cotta&#8217;sche Buchhandlung Nachfolger<\/dd>\n<dt>Place of Publication:<\/dt>\n<dd>Stuttgart<\/dd>\n<dt>Date Published:<\/dt>\n<dd>1981<\/dd>\n<\/dl>\n<p class=\"aei-one-line-down\"><strong>Text:<\/strong><\/p>\n<blockquote id=\"aei-blockquote\" lang=de>\n<p>[252] ROSA TADDEI*<\/p>\n<pre class=\"aei-poetry1\">\r\nTr\u00e4umt\u2019 ich die Muse zu sehn, so la\u00df mir den Wahn, auf Papier nur, \r\n\tDoch auf lebendigem Mund sah ich noch nie ein Gedicht\r\n<\/pre>\n<p>[253] SGRICCI**<\/p>\n<pre class=\"aei-poetry1\">\r\nSicherlich ist\u2019s zum Erstaunen, er improvisiert im Fluge\r\n\tWie der Wind so ein Ding, wie \u2018ne Trag\u00f6die, her. \r\nJahre studieren andre daran, ein Abend gen\u00fcgt ihm, \r\n\tWie sie an Einem entsteht, so auch vergeht sie an ihm. \r\n<\/pre>\n<p>IMPROVISATORI<\/p>\n<pre class=\"aei-poetry1\">\r\nWie sie singen, wie sie die Muse befeuert, wie w\u00fctend\r\n\tSie im entz\u00fcndeten Kampf wechselnd beginnen ein Lied:\r\nBauern sind es zwar nur, Sacktr\u00e4ger und Pizzicarole,***\r\n\tStiefelputzer und solch Lumpengesindel der Stadt.\r\n[254] Aber sie sind mir lieber, denn ihresgleichen in Deutschland, \r\n\tDie man zwar nirgends liest, aber zu Tausenden druckt. \r\n<\/pre>\n<p>* Rosa Taddei, unter den Arkadiern Licoris genannt, gab im Carneval 1827 sechs Akademien in Rom. Ich habe eine Schilderung von ihr nach Deutschland gesandt, kann aber nicht darauf verweisen, weil ich in der Tat nicht wei\u00df, ob sie gedruckt worden. Die Dichterin erschien in dem Moment der Begeisterung schlechterdings als solche, und Graf von Platen, mit dem ich die Akademie im Teatro Capranica beiwohnte, war hingerissen, wie ich. Sie improvisierte zur Begleitung einer Harfe sechs bis acht Gedichte in allen m\u00f6glichen Versma\u00dfen, h\u00e4ufig auch mit Intercalaren. Jeder konnte beim Eintritt seine Aufgabe einh\u00e4ndigen. Der Anstand und die Simplizit\u00e4t der Arkadierin, die blasse Physiognomie und der leidende Audruck des Gesichts interessierte schon zu Anfang. Als aber die Themen alle gelesen und gezogen waren, als sie allein auf der B\u00fchne stand, als die Harfe pr\u00e4ludierte, als sie einigemal sinnend umherwandelte, und nun urpl\u00f6tzlich der Geist sie ergriff, ihr bis dahin so leidendes Angesicht einer Begeisterten glich, und sie in der hohen einfachen Melodie zu singen anhub, eine Ottave nach der andern vollendete, in immer raschere Flammen geriet, als von allen Seiten bei trefflichen Stellen ein rauschender Beifall ausbrach, da meint\u2019 ich, da\u00df ich mich in einem der dichterischsten Augenblicke meines Lebens bef\u00e4nde. Sie brachte wirklich Gedanken vor, welche auch bei k\u00e4lterm Blut erfreut h\u00e4tten, in diesem st\u00fcrmischen Moment aber auf dieser lauter Wohlklang und Gleichma\u00df t\u00f6nenden Lippe gewaltsam ersch\u00fctterten. Es ist in Spoleto ein Heftchen ihrer Impromptu\u2019s gedruckt worden, und ich habe darin Vieles gefunden, was con poetischem Werte war, un unz\u00e4hliges, was von unglaublicher Gewandtheit im Denken und Sprechen, und von einem ausnehmenden Talent zeugt, eine Erinnerung geistreich einzuflechten. In Thorwaldsens Studium ist ihre B\u00fcste zu sehen. Ausgezeichnet lebendig benimmt sich das itelienische Volk bei solchen Gelegenheiten: in meiner Nachbarschaft sa\u00dfen einige Bursche von der niedrigsten Klasse, wie sich ihrer \u00fcberall auf dem Parterre der italienischen Theater befinden, welche die Reime voraussagten, ehe die Improvisatrice sie aussprach. Als einmal \u00fcber die Wahl von zwei Themen entschieden werden sollte, rief eine treuherzige Stimme von der Galerie herab: &quot;Cantate pure, che volete, mi piace tutto&quot;. Ein unerme\u00dflich Gel\u00e4chter entstand, und Rosa l\u00e4chelte selbst. <\/p>\n<p>** Der Cavaliere Sgricci improvisierte im Carneval 1827 in zwei Akademien, auch in Rom, jeden Abend eine Trag\u00f6die mit Ch\u00f6ren. Seine \u00dcbung und Gewandheit ist unstreitig gr\u00f6\u00dfer als die der Taddei, allein eine Trag\u00f6die a improvviso ist eine freche Ciarlataneria, w\u00e4hrend das minder schwierige, und m\u00f6gliche Improvisieren einer lyrischen Poesie zu Gesang und Begleitung seinen Eindruck nicht verfehlt. <\/p>\n<p>*** Wer hat nicht schon von dem Dichtertalent des gemeinen Volks in Italien geh\u00f6rt? Ich habe anderswo dar\u00fcber manches mitgeteilt. Im verflossenen Winter brachte ich halbe N\u00e4chte im ber\u00fcchtigten Caff\u00e8 degli Specchi auf der Piazza Colonna unter der niedrigsten Volksklasse zu, welche sich mit Improvisieren unterhielt, bis man drei oder vier Stunden nach Mitternacht sie forttrieb. Ein Pizzicarol, oder Wurst- und K\u00e4seh\u00e4ndler, hatte vor einigen Jahren in Rom einen besonderen Ruf. Scharen von Menschen liefen ihm oft nach, wenn er durch die Stadt ging, und er sang auf allen Pl\u00e4tzen, an allen Ecken.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"aei-one-line-down\"><strong>Notes:<\/strong><\/p>\n<div id=\"aei-blocktext\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/p><\/div>\n<dl id=\"aei-dl-meta-unimportant\">\n<dt>Collected by:<\/dt>\n<dd>EW<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Three short poems on Taddei, Sgricci, and relatively unknown Italian improvisatori of the lower classes are accompanied by Waiblinger&#8217;s detailed notes describing some of the performances he witnessed and references in the poems. <\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27,134],"tags":[55,73,68],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1916"}],"collection":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1916"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1916\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2022,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1916\/revisions\/2022"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1916"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1916"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1916"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}