{"id":197,"date":"2016-05-03T23:08:17","date_gmt":"2016-05-04T03:08:17","guid":{"rendered":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/?p=197"},"modified":"2016-07-24T07:45:36","modified_gmt":"2016-07-24T11:45:36","slug":"suid055","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/?p=197","title":{"rendered":"Karl Philipp Moritz, &#8220;Improvisatoren&#8221;"},"content":{"rendered":"<div id=\"aei-root\" lang=\"en-GB\"><!-- suid=55 --><\/p>\n<dl id=\"aei-dl-meta\">\n<dt>Performer Name:<\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/dd>\n<dt>Performance Venue:<\/dt>\n<dd>Rome<\/dd>\n<dt>Performance Date:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">&nbsp;<\/dd>\n<dt>Author:<\/dt>\n<dd> Moritz, Karl Philipp<\/dd>\n<dt>Date Written:<\/dt>\n<dd>1787<\/dd>\n<dt>Language:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\"> German<\/dd>\n<dt>Publication Title:<\/dt>\n<dd> Reisen eines Deutschen in Italien in den Jahren 1786 bis 1788<\/dd>\n<dt>Article Title:<\/dt>\n<dd> Improvisatoren<\/dd>\n<dt>Page Numbers:<\/dt>\n<dd> 2:355-57<\/dd>\n<dt>Additional Info:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">Qtd. from vol. 2 of <i>Werke<\/i>, 3 vols.; ed. Horst G\u00fcnther.<\/dd>\n<dt>Publisher:<\/dt>\n<dd>Insel <\/dd>\n<dt>Place of Publication:<\/dt>\n<dd>Frankfurt <\/dd>\n<dt>Date Published:<\/dt>\n<dd>1981 <\/dd>\n<\/dl>\n<p class=\"aei-one-line-down\"><strong>Text:<\/strong><\/p>\n<blockquote id=\"aei-blockquote\"  lang=\"de\">\n<p>[355] Ich soll Ihnen eine Schilderung von den Improvisatoren machen: ich will sie Ihnen zu beschreiben suchen, so wie ich sie hier habe kennenlernen. <\/p>\n<p>Es ist unglaublich, was ein solcher Improvisatore f\u00fcr einen Umfang von Kenntnissen in der Geschichte und Mythologie besitzen mu\u00df, wenn er nicht mit Schande bestehen will; denn er mu\u00df sich jede Aufgabe gefallen lassen, wenn sie auch den speziellsten Umstand aus der Geschichte oder Mythologie betrifft, und mu\u00df sogleich gefa\u00dft sein, diesen gegebenen Umstand aus dem Stegreife zu besingen.<\/p>\n<p>Es ist zu verwundern, da\u00df einer, der diese Kenntnisse besitzt, sie nicht besser zu seinem Vorteil und zu seiner Ehre anwendet; allein es scheint, da\u00df eine wirkliche enthusiastische Neigung die Improvisatoren zu diesem Gesch\u00e4fte treibt, wo sie den Beifall des Volks sich aus der ersten Hand erwerben k\u00f6nnen und in dem Moment der [356] Bestrebung auch unmittelbar die Belohnung ihres Talents einernten.<\/p>\n<p>Auch sind die Improvisatoren nicht so ganz verachtet; unter dem Zirkel von Menschen, der sich auf der Stra\u00dfe um sie her versammelt, finden sich Personen aus allen St\u00e4nden, und es ist nicht blo\u00df der P\u00f6bel, vor welchem ihr Genie sich entwickelt.<\/p>\n<p>Ein Venezianer, der vorz\u00fcglichen Beifall findet, l\u00e4\u00dft sich jetzt alle Nachmittage auf dem Spanischen Platze h\u00f6ren. Der Kreis, der sich um ihn her versammelt, wird immer zahlreicher, sowie das Feuer seiner Begeisterung zunimmt, und wer einmal stillsteht, um ihm zuzuh\u00f6ren, entfernt sich nicht so bald wieder; ich pflege ihn nicht leicht einen Nachmittag zu vers\u00e4umen. <\/p>\n<p>So oft er ausgesungen hat, geht er im Kreise umher und bittet sich von einem der Anwesenden eine neue Aufgabe zu einem Gesange aus. Sobald er die Aufgabe erhalten hat, sinnt er nur einige Minuten nach und hebt alsdann sein Gedicht nach einem gewissen Takt und Melodie ordentlich <i>singend<\/i> an, so da\u00df man in die Zeiten der \u00e4ltesten Dichtkunst sich zur\u00fcckversetzt glaubt.<\/p>\n<p>Wenn ihm nun etwa ein St\u00fcck aus der alten r\u00f6mischen Geschichte zu besingen aufgegeben wird, so wei\u00df er, besonders durch die Benutzung des Lokalen, das Interesse des Volkes, das ihm zuh\u00f6rt, und das sich noch immer das r\u00f6mische d\u00fcnkt, oft in einem solchen Grade zu erregen, da\u00df ein wiederholter Beifallszuruf seinen Gesang unterbricht, der sich alsdann mit neuem Feuer unter diesem Zuruf wieder emporarbeitet; und um manche Verse, die in dieser wachsenden Begeisterung sich bilden, ist es wirklich schade, da\u00df keine Hand sie aufschreibt, und da\u00df der Wind sie verweht.<\/p>\n<p>Dieser Venezianer ist wirklich aus blo\u00dfer Neigung ein Poet aus dem Stegreife. Er ist von guter Herkunft und wurde in seiner Vaterstadt als Advokat wegen seiner Geschicklichkeit vorz\u00fcglich gesch\u00e4tzt und gesucht; seine Freunde und Anverwandte suchten ihn auf alle Weise bei einer ordentlichen Lebensart zu erhalten; er entwischte ihnen aber mehrmalen, um seinem unwiderstehlichen Hange zu folgen, und als Improvisatore die St\u00e4dte Italiens zu durchziehen.<\/p>\n<p>Der Beifall des Volks, das seine Lieder h\u00f6rt, geht ihm \u00fcber alles; das Geld verachtet er; ein kleiner Knabe, den er bei sich hat, geht nach Endigung eines Gesanges mit dem Hute in der Hand im Kreise herum, und ein jeder, wer will, wirft etwas hinein, wo denn manchmal, wenn der Beifall recht gro\u00df ist, die Ernte so reichlich [357] ausf\u00e4llt, da\u00df der Knabe den Hut mit M\u00fcnze halb angef\u00fcllt zur\u00fcckbringt.<\/p>\n<p>Der verschwenderische Dichter aber achtet zuweilen im Taumel seiner Begeisterung, wo alle Sch\u00e4tze und Reichtum der Erde in der Gewalt seiner Phantasie sind, der ver\u00e4chtlichen M\u00fcnze nicht, sondern schleudert sie umher, indem er den angef\u00fcllten Hut auf den Kopf setzt, und nur das f\u00fcr sich beh\u00e4lt, was zuf\u00e4lligerweise zwischen seinem Hut und Scheitel noch liegenbleibt.<\/p>\n<p>Zuweilen ist dieser Volkspoet sehr ordentlich gekleidet, gepudert, Chapeau bas, und mit dem Degen an der Seite; zuweilen geht er wieder \u00e4u\u00dferst zerlumpt einher &#8212; denn da er in seiner idealischen Dichterwelt seine vorz\u00fcglichste Existenz hat, so k\u00fcmmert er sich nicht viel um die gemeinen Bed\u00fcrfnisse des Lebens.<\/p>\n<p>Er wird oft in die Pal\u00e4ste der Gro\u00dfen gefordert, wo er im Zimmer vor einer gl\u00e4nzenden Versammlung seine Stanzen rezitiert. Es scheint ihm aber weit mehr Vergn\u00fcgen zu machen, wenn er auf irgendeinem Platze unter freiem Himmel einen vermischten Volkshaufen um sich her versammeln, und gleich einem Orpheus, die rohesten Gem\u00fcter, und den wildesten P\u00f6bel bewegen kann, seinem Gesange zuzuhorchen.<\/p>\n<p>Diesen Endzweck erreicht er wirklich, und es ist einem ein angenehm \u00fcberraschender Anblick, wenn man in diesem Kreise den groben Faquino (Sacktr\u00e4ger) neben dem feinen Abbate lauschend stehen, und ebenso wie jenen, bei den sch\u00f6nsten Stellen seinen Beifall bezeigen sieht. &#8212;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"aei-one-line-down\"><strong>Notes:<\/strong><\/p>\n<div id=\"aei-blocktext\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/p><\/div>\n<dl id=\"aei-dl-meta-unimportant\">\n<dt>Collected by:<\/dt>\n<dd> DP<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Moritz describes the general character of Italian improvisatori according to his own experience of watching an unnamed Venetian improvisatore perform on several occasions in a public square. Moritz&#8217;s description emphasizes the enthusiasm of the improvisatore for his art, his lack of concern for money and material things, and his hunger for applause.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27,134],"tags":[55],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/197"}],"collection":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=197"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/197\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":759,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/197\/revisions\/759"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=197"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=197"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=197"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}