{"id":2158,"date":"2016-08-12T14:31:35","date_gmt":"2016-08-12T18:31:35","guid":{"rendered":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/?p=2158"},"modified":"2017-04-19T20:38:11","modified_gmt":"2017-04-20T00:38:11","slug":"uber-die-sogenannten-spruchsprecher-im-mittelalter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/?p=2158","title":{"rendered":"&#8220;\u00dcber die sogenannten Spruchsprecher im Mittelalter&#8221;"},"content":{"rendered":"<div id=\"aei-root\" lang=\"en-GB\"><!-- suid=150 --><\/p>\n<dl id=\"aei-dl-meta\">\n<dt>Performer Name:<\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/dd>\n<dt>Performance Venue:<\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/dd>\n<dt>Performance Date:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">&nbsp;<\/dd>\n<dt>Author:<\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/dd>\n<dt>Date Written:<\/dt>\n<dd>1809<\/dd>\n<dt>Language:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">German<\/dd>\n<dt>Publication Title:<\/dt>\n<dd>Morgenblatt f\u00fcr gebildete St\u00e4nde<\/dd>\n<dt>Article Title:<\/dt>\n<dd>\u00dcber die sogenannten Spruchsprecher im Mittelalter<\/dd>\n<dt>Page Numbers:<\/dt>\n<dd>1157-59<\/dd>\n<dt>Additional Info:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">5 December 1809 issue (No. 290)<\/dd>\n<dt>Publisher:<\/dt>\n<dd>J. G. Cotta&#8217;sche Buchhandlung<\/dd>\n<dt>Place of Publication:<\/dt>\n<dd>Stuttgart<\/dd>\n<dt>Date Published:<\/dt>\n<dd>1809<\/dd>\n<\/dl>\n<p class=\"aei-one-line-down\"><strong>Text:<\/strong><\/p>\n<blockquote id=\"aei-blockquote\" lang=\"de\">\n<p>Unter dem deutschen Kaiser Friedrich II* bl\u00fchte das goldene Zeitalter des deutschen Minnegesanges, und der Enthusiasmus f\u00fcr Dichter und Dichtkunst, welcher die Regierung der schw\u00e4bischen Kaiser so ruhmvoll auszeichnet, erreichte unter ihm seinen h\u00f6chsten Grad. Der Kaiser zog eine Menge Dichter an seinen Hof, behandelte sie mit ausgezeichneter Achtung, und belohnte sie kaiserlich. Gerade so wie K\u00f6nig Karl in der <i>Jungfrau von Orleans<\/i> zu der Chatel sagt:<\/p>\n<pre class=\"aei-poetry1\">\r\nEdle S\u00e4nger d\u00fcrfen\r\nNicht ungeehrt von meinem Hofe ziehn.\r\nSie machen uns den d\u00fcrren Scepter bl\u00fchn\r\nSie flechten den unsterblich gr\u00fcnen Zweig\r\nDes Lebens in die unfruchtbare Krone,\r\nSie stellen herrschend sich den Herrschen gleich,\r\nAus leichten W\u00fcnschen bauen sie sich Throne,\r\nUnd nicht im Raume liegt ihr harmlos Reich;\r\nDrum soll der S\u00e4nger mit dem K\u00f6nig gehen,\r\nSie beyde wohnen auf der Menschheit H\u00f6hen.\r\n<\/pre>\n<p>Viele der \u00fcbrigen F\u00fcrsten Deutschlands folgten seinem Beyspiele, besch\u00e4ftigten sich selbst voll inniger Liebe mit der Dichtkunst, und stellten an ihren H\u00f6fen eine Art poetischer Turniere oder Wettk\u00e4mpfe an.** Man glaubte damals, was Goethe im <i>Torquato Tasso<\/i> sagt:<\/p>\n<pre class=\"aei-poetry1\">\r\nEin Feldherr ohne Heer scheint mir ein F\u00fcrst,\r\nDer die Talente nicht um sich sammelt.\r\nUnd wer der Dichtkunst Stimme nicht vernimmt,\r\nIst ein Barbar, er sey auch, wer er sey.\r\n<\/pre>\n<p>Ein edler romantischer Geist waltete damals \u00fcber Deutschland. Die finstere Scholastik war in die Zellen einf\u00e4ltiger M\u00f6nche verwiesen; die leichte, gem\u00fcthliche Philosophie des Lebens streute allenthalben ihre lieblichen Blumen aus. Leutseligkeit und Gro\u00dfmuth, Rittertreue und Tapferkeit, ein frommer gl\u00e4ubiger Sinn und eine schw\u00e4rmerische Liebe f\u00fcr das sch\u00f6ne Geschlecht \u2013 das waren die Tugenden, welche die H\u00f6hern in der deutschen Nation zierten. Mu\u00dfte nicht unter solchen freundlichen Umgebungen die sanft begeisternde Stimme der Dichtkunst geweckt werden?<\/p>\n<p>Mit dem vierzehnten Jahrhundert erlosch der sch\u00f6ne Geist des Ritterwesens und des Minnegesanges. Ein b\u00f6ser furchtbarer Geist zog \u00fcber Deutschland hin, und es ward nun der Tummelplatz von Fehden und Kriegen, von R\u00e4ubereyen und Gewaltthaten. Da floh die heilige Dichtkunst, und aus dem ehemaligen Orden der Minnes\u00e4nger entstand die Zunft der Meisters\u00e4nger,*** elende Reimer, die ohne Geist und Beruf, ohne Kenntni\u00df der Sprache und des Silbenma\u00dfes ihr j\u00e4mmerliches Machwerk nach gewissen T\u00f6nen (Melodien) absangen.**** Die erhabenste und edelste aller K\u00fcnste ward von jetzt an ganz zunft- und handwerksm\u00e4\u00dfig betreiben, und eben deshalb ward jeder bessere Geschmack f\u00fcr immer aus dieser Zunft verbannt. Zwar durften sie auch bisweilen an den H\u00f6fen der F\u00fcrsten erscheinen, wurden dann aber gew\u00f6hnlich mit den Hofnarren in eine Klasse gesetzt.***** <\/p>\n<p>Mit diesen Meisters\u00e4ngern mu\u00df man aber die Spruchsprecher, die mit ihnen gleichzeitig waren, nicht verwechseln. Diese standen noch um viele Stufen tiefer, und ihr Machwerk war wo m\u00f6glich noch sinnloser und elender. Die Spruchsprecher standen unter einander in gar keiner zunftm\u00e4\u00dfigen Verbindung, mussten jedoch von der Obrigkeit in ihrem Amte best\u00e4tigt seyn. In jeder gr\u00f6\u00dfern Stadt, besonders in den freyen Reichsst\u00e4dten, hielt sich gew\u00f6hnlich einer aus dieser Kaste auf, der ein ausschlie\u00dfliches Privilegium besa\u00df, sein Tagwerk frey und ungehindert zu treiben. Sie pflegten bey Hochzeiten und fr\u00f6hlichen Gelagen geringer Leute, oder auch bey \u00f6ffentlichen Volks-Lustbarkeiten aufzutreten, und zu Ehren des Brautpaars, des Gastgebers oder des Festes selbst eine lange gereimte Rede (einen Spruch) zu halten. War diese Rede beendigt, so stand des den G\u00e4sten frey, dem Spruchdichter irgend einen Gegenstand aufzugeben, wor\u00fcber er alsdann aus dem Stegreife einige Reime hersagen mu\u00dfte. Dies gab Veranlassung zum fr\u00f6hlichen Scherz, und der Spruchsprecher erhielt f\u00fcr seine M\u00fche von jedem der G\u00e4ste oder von dem Gastgeber allein ein Geschenk an Gelde. [&#8230;]<\/p>\n<p>Man hat bisweilen diese Spruchsprecher mit den Improvisatoren in Italien verglichen; aber jene d\u00fcrfen diesen wahrlich das Wasser nicht reichen. Man h\u00f6re nur, was ein erfahrener und einsichtsvoller Reimender dar\u00fcber sagt: &quot;Das Talent de Dichtens aus dem Stegreife (Improvisatoriren) wird in Italien mitten unter dem Verfalle noch immer h\u00e4ufig gepflegt; freylich mit verschiedenem Gl\u00fccke und in mannigfaltigen Abstufungen der W\u00fcrde und des innern Werthes. Wir hatten Gelegenheit manche Proben davon zu h\u00f6ren, die durch Anmuth des Ausdrucks, F\u00fclle der Bilder und Leichtigkeit der Wendungen erfreulich waren, ja durch unglaubliche Meisterschaft in den schwierigsten Sylbenma\u00dfen und durch schnelle Erfindsamkeit in Erstaunen setzten.&quot;****** An alles dies war bey den Spruchsprechern auch nicht auf die entfernteste Art zu denken.<br \/>\nC.W.Sp.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>* Er regierte von 1218 bis 1250. <\/p>\n<p>** Von so einem Wettstreite ist noch eine Probe aus dem Kriege zu Wartburg im Jahre 1207 \u00fcbrig. <\/p>\n<p>*** Man sehe \u00fcber die Geschichte der Minnes\u00e4nger Eichborns Geschichte der Kultur und Literatur; erster Theil, S.219 u.f. <\/p>\n<p>**** Sie hatten z.B. den Rosenton, den Maynzerton, den Hohenberg-Wei\u00dfenschen Ton u.a.<\/p>\n<p>***** Die ganze Verfassung dieser deutschen Meisters\u00e4ngerkunst lernt man am vollst\u00e4ndigsten kennen aus einer alten jetzt sehr selten gewordenen Schrift von Joh. Chr. Wagenseil de Germaniae Phonascorum (Meisters\u00e4nger) origine, praestantia, utilitate et institutis. Altdorf 1697.4. <\/p>\n<p>****** Ein Recensent in der Jenaer allg. lit. Zeit. Nro. 152<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"aei-one-line-down\"><strong>Notes:<\/strong><\/p>\n<div id=\"aei-blocktext\">\n<\/p><\/div>\n<dl id=\"aei-dl-meta-unimportant\">\n<dt>Collected by:<\/dt>\n<dd> EW<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>The article compares the &#8220;Spruchsprecher,&#8221; improvisers who formed the lowest of the classes of poets in medieval German courts, to Italian improvisatori. The author however notes that the Italian improvisatori are much more sophisticated and skilled than the Spruchsprecher were. <\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27,134],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2158"}],"collection":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2158"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2158\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3128,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2158\/revisions\/3128"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2158"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2158"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2158"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}