{"id":2197,"date":"2016-08-15T12:13:03","date_gmt":"2016-08-15T16:13:03","guid":{"rendered":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/?p=2197"},"modified":"2017-01-01T13:22:09","modified_gmt":"2017-01-01T18:22:09","slug":"herrn-sgriccis-erscheinung-in-paris","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/?p=2197","title":{"rendered":"&#8220;Herrn Sgricci&#8217;s Erscheinung in Paris&#8221;"},"content":{"rendered":"<div id=\"aei-root\" lang=\"en-GB\"><!-- suid=150 --><\/p>\n<dl id=\"aei-dl-meta\">\n<dt>Performer Name:<\/dt>\n<dd>Sgricci<\/dd>\n<dt>Performance Venue:<\/dt>\n<dd>Paris<\/dd>\n<dt>Performance Date:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">1824<\/dd>\n<dt>Author:<\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/dd>\n<dt>Date Written:<\/dt>\n<dd>1824<\/dd>\n<dt>Language:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">German<\/dd>\n<dt>Publication Title:<\/dt>\n<dd>Morgenblatt f\u00fcr gebildete St\u00e4nde<\/dd>\n<dt>Article Title:<\/dt>\n<dd>Herrn Sgricci&#8217;s Erscheinung in Paris<\/dd>\n<dt>Page Numbers:<\/dt>\n<dd>321-23; 325-27<\/dd>\n<dt>Additional Info:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">3 &#038; 5 March 1824 issues (Nos. 81 &#038; 82)<\/dd>\n<dt>Publisher:<\/dt>\n<dd>J. G. Cotta&#8217;sche Buchhandlung<\/dd>\n<dt>Place of Publication:<\/dt>\n<dd>Stuttgart<\/dd>\n<dt>Date Published:<\/dt>\n<dd>1824<\/dd>\n<\/dl>\n<p class=\"aei-one-line-down\"><strong>Text:<\/strong><\/p>\n<blockquote id=\"aei-blockquote\" lang=\"de\">\n<p> [321] Herrn Sgricci\u2019s Erscheinung in Paris.<\/p>\n<p>Der, schon aus italienischen Korrespondenzen dem deutschen Publikum bekannt gewordene, Improvisator, Herr Sgricci, hat durch seine, wirklich h\u00f6chst bewunderungsw\u00fcrdige, F\u00e4higkeit, indem er ganze Trauerspiele aus dem Stegreif deklamirt, die gebildete und belletristische Welt von Paris in Erstaunen gesezt. Die Versammlung, von mehr wie 1300 Zuh\u00f6rern, war um so feyerlicher, da der seltene Dichter sich eine Kommission sachverst\u00e4ndiger Beurtheiler ausgebeten hatte. Frankreichs talentvollste, jezt lebende, Dichter befanden sich unter ihnen, wie die Namen: Renouyard, Lemercier, Ancelot, Casimir Delavigne, Soumet, Guiraud, Pichat, Lebrun, Brisaut und Talma beweisen. Die Erz\u00e4hlung des Hergangs dieser Kunstfeyer wird von unsern Lesern mit Theilnahme ausgenommen werden. <\/p>\n<p>An zwey Seiten der B\u00fchne des Conservatoriums, wo sich die Versammlung einfand, stand ein Tisch, und auf einem derselben eine krystallne Urne, zu der Aufnahme der Zettel bestimmt, auf welchen die Anwesenden befugt waren, Gegenst\u00e4nde f\u00fcr die zu hoffende Improvisation anzudeuten. Die Urne war beym Eintritt der ernannten Kommission fast angef\u00fcllt; Talma k\u00fcndigte an, diese werde aus diesen Zetteln die Auswahl solcher, dem poetischen Zweck entsprechender, Gegenst\u00e4nde machen. Der Vorschlag ward von der Versammlung einstimmig mit Beyfall aufgenommen, und die Kommissarien nahten sich der Urne, das Gesch\u00e4ft zu beginnen. <\/p>\n<p>Folgende Gegenst\u00e4nde wurden von der Menge ausgeschieden: Agrippinens Tod, Tiber, Hannon, Iephtas Gel\u00fcbte, Iesabel, Sokrates, Absalon, Seneka, Camillus, Ananias und Saphira, Stilicons Tod, Lukretiens Tod, Baleazar, Richard III, Hero und Leander, Neros Tod, Pisani, der, um Venedig zu retten, aus dem Gef\u00e4ngni\u00df befreyt wird, und Bianca Capello. Talma las diese Zettel ab, und man konnte an dem mehr oder weniger lauten Gemurmel der Versammlung die verschiedenen Stufen des Beyfalls, den ein oder der andere erhielt, abnehmen. In Folge desselben ward Absalon, Hero und Leander, und Baleazar beseitigt. Nach diesem sammelte der \u00c4lteste der Kommission diese Zettel, legte sie auf\u00b4s Neue in die Urne, und Talma reichte diese &mdash; da die ganze Versammlung darauf bestand, da\u00df die Ziehung einer Dame aufgetragen werden m\u00fc\u00dfte &mdash; einem jungen Frauenzimmer der vordern Reihe. Sie zog den Tod des Stilikon; da aber Corneille diesen Gegenstand behandelt hat, schien die Wahl nicht gl\u00fccklich; eine andere junge Person zog zum Zweytenmale, und das Loos brachte Bianca Capello an den Tag.<\/p>\n<p>Man hatte Herrn Sgricci, der in einem Nebenzimmer wartete, vorlaut von der Ziehung Stilicons benachrichtigt, und obgleich ihm der Vorwurf nicht sehr g\u00fcnstig schien, hatte er ihn doch augenblicklich erfasst; wie er aber erfuhr, da\u00df sich die Wahl f\u00fcr Bianca Capello entschieden, [322] bezeigte er die lebhafteste Freude. &quot;Ah, da befinde ich mich in meiner Heimath!&quot; rief er, und die Umstehenden konnten nun gleichsam die Arbeit seines Geistes wahrnehmen. Stilicon war schon zum gr\u00f6\u00dften Theil in seinem Kopfe geschaffen, er lie\u00df ungern von ihm ab, der Vorzug, den er dem neuen Gegenstande gab,  begeisterte ihn aber von Neuem. In diesem Augenblick wurde er von heftigen Nervenzuckungen, die ihn selbst zu erschrecken schienen, befallen; er bemeisterte sie aber, und trat mit festem Schritt in die Versammlung. Seine franz\u00f6sische Anrede war eben so anst\u00e4ndig, als verbindlich, und von ihr ging er zu der Darstellung seines Gegenstandes, wie die Geschichte ihn \u00fcberliefert, \u00fcber; dann zeigte er, wie er ihn zu seinem Trauerspiel benutzen w\u00fcrde. Diese Exposition, und die Eintheilung der handelnden Personen, offenbarte schon den Dichter, und erregte den lautesten Beyfall. <\/p>\n<p>Bianca Capello, eine edle Venetianerin des sechszehnten Jahrhunderts, von au\u00dferordentlicher Sch\u00f6nheit, ward von Bonaventuri, einem jungen Florentiner, entf\u00fchrt, und folge ihm \u00fcber die Felsenwege der Apenninen nach Florenz. Dort zog sie bald die Blicke des Gro\u00dfherzogs, Franz von Medicis, auf sich, er bef\u00f6rderte Bonaventuri zu einem ansehnlichen Amte, das dieser aber, da er bald durch M\u00f6rderh\u00e4nde fiel, nicht lange bekleidete. Bianca\u00b4s Feinde beschuldigten sie, der Herzog habe, mit ihr einverstanden, diesen Mord bewirkt, um das Hinderni\u00df ihrer Liebe zu beseitigen. Wie dem auch seyn mag &mdash; Bianca heirathete kurze Zeit darauf den Herzog. Die Geschichte sagt, da\u00df Bianca und ihr Gemahl, bey einem in dem Landhause der Medicis, Poggio in Cajano, gegebenen Feste vergiftet wurden; sie f\u00fcgt hinzu, Ferdinand, des Gro\u00dfherzogs Bruder, h\u00e4tte Niemand in das Zimmer gelassen, in welchem die beyden Ungl\u00fccklichen mit dem Tode rangen. Der Gro\u00dfherzog war mit gro\u00dfem Pomp begraben, Bianca wie eine Misseth\u00e4terin, auf einer Tragbahre nach Florenz gebracht. Es finden zweyerley Meinungen \u00fcber Bianca Capello, welche Ferdinand in mehrern gerichtlichen Schriften &quot;die abscheuliche Bianca&quot; nennt, statt. Die eine beschuldigt Ferdinand eines gro\u00dfen Verbrechens, die andere klagt Bianca an, mit eigenen H\u00e4nden den f\u00fcr Ferdinand bestimmten Kuchen bereitet zu haben, den aber dieser, dem ihre Rachsucht wegen seiner Mi\u00dfbilligung ihrer Heirath mit dem Gro\u00dfherzog bekannt war, zu speisen verweigerte. Der Gro\u00dfherzog, der von dieser Geh\u00e4ssigkeit nichts wu\u00dfte, geno\u00df, um seinem Bruder den Ungrund des Verdachts darzuthun, von dem Kuchen, und Bianca, welche es gewahr nahm, aus Verzweiflung auch ihren Theil davon. Bianca\u2019s Feinde haben dieselbe der Zauberey beschuldigt, verm\u00f6ge der sie sich der Liebe des Gro\u00dfherzogs versichert h\u00e4tte; sie verbreiteten das Ger\u00fccht, wie man ihr Zimmer, das nach ihrem Tode ge\u00f6ffnet wurde, mit Zauberwerkzeugen angef\u00fcllt gefunden h\u00e4tte. <\/p>\n<p>Nachdem Herr Sgricci solchergestalt Bianca\u2019s Geschichte erz\u00e4hlt hatte, z\u00e4hlte er die handelnden Personen seines Trauerspiels auf.<\/p>\n<p>Erster Aufzug. Laura, Ferdinands Geliebte, aus einer vornehmen Florentiner Familie, erscheint auf der Scene, und f\u00fcrchtet, da\u00df der Glanz Roms ihr Andenken bey ihrem Geliebten schw\u00e4chen m\u00f6ge: sie bittet die Blumen, sich zu Kr\u00e4nzen f\u00fcr ihn zu entfalten, den Mond, da\u00df er seinen Schritten seine holdesten Strahlen verleihe. Sie hat im Traum einen J\u00fcngling gesehen, der ihr eine Krone darbot, und ist erschrocken erwacht. In diesem Augenblick sieht sie Ulrike, Biancas Vertraute, sich nahen, und entfernt sich. Bianca tritt in gro\u00dfer Bewegung auf, sie verlangt von Ulrike, ihr das Schicksal ihrer Liebe, verm\u00f6ge der Befragung h\u00f6llischer Gewalten, zu offenbaren. Ulrike beschw\u00f6rt diese, sie antworten aber nicht; sie verdoppelt ihre Beschw\u00f6rungen, die magischen Kreise &mdash; und der Mond erbla\u00dft; endlich meldet sie Bianca, da\u00df die Unterirdischen  zu reden bereit w\u00e4ren; sie solle nicht erschrecken. <\/p>\n<p style=\"text-align:center\"><i>Ulrica.<\/p>\n<pre class=\"aei-poetry1\">\r\nNon spaventarti, o Donna!\r\n<\/pre>\n<p style=\"text-align:center\">Bianca.<\/p>\n<pre class=\"aei-poetry1\">\r\nJo spaventarmi?\r\nNon spaventomi la fuga, ne il bando:\r\nNon spaventomi il congiurato modo\r\nAi Danni mei, ne l\u2019onta, ne la morte,\r\nNe il diletto spaventami. Or da vane\r\nLarve, sarei compresa, e vani sogni,\r\nSaria da tanto da farmi terrore?...\r\nVa prosequi: io non tremo.<\/i>\r\n<\/pre>\n<p>(Ulrike. Erschreck\u2019 dich nicht, Herrin!<\/p>\n<p>Bianca: Ich mich erschrecken? Flucht, Verbannung, die ganze gegen mich verschworne Welt, Scham, Tod, selbst das Verbrechen erschrecken mich nicht. Sollte ich eitle Schatten f\u00fcrchten, wesenlose Tr\u00e4ume? Fahre fort! Ich zittere nicht.)<\/p>\n<p>Der erste Geist, welcher, von Ulrike berufen, erscheint, ist en gr\u00fcngekleidetes Weib mit einer Blume in der Hand. &quot;Sieh, die Hoffnung!&quot; sagt Ulrike. &quot;Nicht die Hoffnung! Ich verlange die Gewi\u00dfheit!&quot; ruft Bianca, und voll von ihrer Liebe f\u00fcr Ferdinand, sagt sie, von dem Gro\u00dfherzog mit Verachtung sprechend, nur er sey des Thrones w\u00fcrdig: &quot;<i>Re che non sa voler, merta ogni spreggio<\/i> (Der F\u00fcrst, der nicht zu wollen vermag, verdient Verachtung)!&quot; Der Hoffnung folgt eine Furie, welche Bianca einen Becher reicht, mit dem Zuruf: &quot;Hoffe nicht Liebe, hoffe nur Rache!&quot; &mdash; In dieser Erscheinung liegt ein doppelter Sinn, den der Dichter zur Entwicklung des Drama benutzt; Ulrike und Bianca k\u00f6nnen glauben, da\u00df ihr Verbrechen, wenigstens zum Theil, gelingen kann. Bianca z\u00fcrnt \u00fcber die H\u00f6lle und ruft, wie Juno im Vergil: &quot;Gut, so sey es nicht die H\u00f6lle, sondern meine Sch\u00f6nheit, [323] die da siege! (<i>flectere si nequero superos Acheronta movebo<\/i>)!&quot; Nachdem Ulrikens Beschw\u00f6rungen beendigt sind, fordert Bianca Musik, um sich zu erholen. Der Dichter hatte hier eine Hymne an den Fr\u00fchling, vom h\u00f6chsten Wohllaut, angebracht. <\/p>\n<p>(Der Beschlu\u00df folgt.)<\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p>[325] Herrn Sgricci\u00b4s Erscheinung in Paris (Beschlu\u00df)<\/p>\n<p>Zweyter Aufzug: Der Gro\u00dfherzog von Toskana tritt mit Enrico, seinem Sekret\u00e4r auf. Das Volk scheint sich allgemein Ferdinand zuzuwenden, und Enrico erz\u00e4hlt, welchen herrlichen Empfang ihm der Senat und die Geistlichkeit bereitet. Der Gro\u00dfherzog sinnt auf Mittel, die Volksgunst, welche sein Bruder genie\u00dft, zu zerst\u00f6ren: Enrico bemerkt, da\u00df dieses ihm, so lange Ferdinand lebt, nicht gelingen k\u00f6nne. &quot;Was wagst du mir vorzuschlagen? Ruft Franz. Ich, der Vater und das Haupt [326] des Volkes; ich, der auf dem Thron ihr Thun zu richten berufen bin, k\u00f6nnte ich in mein Inneres blicken, wenn tyrannische Reue dort w\u00fcthete? Von meines Bruders Blut befleckt, d\u00fcrfte ich das Blut der Unschuld r\u00e4chen? Geh\u2019, Ungeheuer! H\u00f6re auf, mich zu bel\u00e4stigen! Lieber m\u00f6ge meine Macht untergehen, als da\u00df ihr Glanz von dem Gedanken des Verbrechens betr\u00fcbt werde. Ach, k\u00f6nnte ich mein vergangenes Leben zur\u00fcckrufen, k\u00f6nnte ich einen Augenblick daraus vertilgen, dessen Andenken mich tyrannisch qu\u00e4lt und mir keinen Frieden l\u00e4\u00dft!&quot;\u2026<\/p>\n<pre class=\"aei-poetry1\">\r\n(<i>Jo die popoli padre e duce, e Sire\r\nJo Giudice potrei scendermi in core\r\nSe il rimorso tiranno in cor mistesso\r\nMachiato, ahim\u00e8, d\u2019un caro sangue,\r\nPotrei degli altri vendicar\u2026va cessa\r\nDemone assediator; pera piattosto\r\nIl trono, e la grandezza, anzi chesia\r\nIl suo splendour contaminato, et guato\r\nDa un pensier di misfatto\u2026oh! Sie potessi\r\nTornarmi indieto nella vita, o un solo\r\nUn sol instante cancellar dal mio pensiero\r\nChe tiranno vi sieda, e non d\u00e1 pace.<\/i>)\r\n<\/pre>\n<p>Wie der Herzog allein ist, \u00fcberf\u00e4llt ihn die Reue; Bonaventura\u2019s Bild, wie ein M\u00f6rder ihn trifft und er ihn um Hilfe anruft, steigt in ihm auf. Bianca erscheint, findet ihren Gemahl von Schmerz \u00fcberw\u00e4ltigt, will wissen, ob er irgend gef\u00e4hrliche Anschl\u00e4ge wider Ferdinand im Sinn hat, und zeigt ihm einen Schleyer mit den Worten, da\u00df sie seit drey N\u00e4chten an ihm sticke, um damit ihre Thr\u00e4nen zu trocknen (?!). &quot;Wie kannst du, sagt sie, etwas f\u00fcrchten, da du jetzt in deinem Bruder eine St\u00fctze hast? H\u00f6rst du die Freudenges\u00e4nge? Man hat dir gesagt, das Volk liege zu seinen F\u00fc\u00dfen; allein erfuhrst du auch, was er zu dem Volke sprach? Ich bin nur meines Bruders getreuer Unterthan! sagte er.&quot; &mdash; Der Gro\u00dfherzog ruft: &quot;Ich will meinen Bruder nicht f\u00fcrchten!&quot; In diesem Augenblick tritt dieser mit einem Haufen von Priestern auf, welche Hymnen auf Ferdinands R\u00fcckkehr singen, und der Herzog empf\u00e4ngt ihn in seine Arme. <\/p>\n<p>Dritter Aufzug: Bianca, Ferdinand und der Herzog treten auf. Ferdinand spricht von seinen W\u00fcnschen f\u00fcr seines Bruders Ruhm, von seinem Verlangen, da\u00df ihm ein Thronerbe geschenkt werde, und \u00fcberreicht Bianca ein von dem Papst geweihtes Kreuz, das den Segen der Fruchtbarkeit mittheilen soll. Bianca glaubt in diesem Geschenk ein Zeichen von Ferdinands Neigung zu sehen. Ferdinand bleibt allein, in der Hoffnung, in diesem S\u00e4ulengange, wie schon oft geschah, Laura zu begegnen. Sie kommt auch; Ferdinand unterh\u00e4lt sie von seiner Liebe, sie bezeigt ihm nur ihre Besorgnisse wegen Ulrike und Bianca, deren Zaubereyen sie f\u00fcrchtet. Nach Laura tritt Ulrike auf und meldet Ferdinand, da\u00df Bianca sich nach Sonnenuntergang einstellen werde. Junge Knaben und M\u00e4dchen, von Bianca gesendet, unterhalten Ferdinand mit Gesang.<\/p>\n<p>Vierter Aufzug. Ferdinand hat einen Mann seiner Leibwache im Geb\u00fcsch verborgen (?), und Bianca erscheint gleich darauf. Hier beginnt eine der Scenen, welche den lebhaftesten Enthusiasmus erregte. Bianca sagt:<\/p>\n<pre class=\"aei-poetry1\">\r\n<i>Tu mi dispressi\r\nForso perche di R\u00e8 figlia nonso\r\nMa. D\u2019un popolo R\u00e8 figlia mi vanto\r\nTremar gli imperi innanzi all\u2019 atta Donna\r\nChe sull Adria torregia. A mici grandi Ave\r\nSorente ella degn\u00f2 chiamarsi sposa, \r\nE le bande tremar sul capo altero\r\nDell\u2019 empio Trace, allor che il grand Vessillo\r\nSpieg\u00f2 di Marco un Die Capello.<\/i>\r\n<\/pre>\n<p>(Wie, du verachtest mich? Vielleicht weil ich keinen K\u00f6nig unter meinen Ahnen z\u00e4hle? Wisse, ich bin die Tochter eines k\u00f6niglichen Volkes! Wisse, da\u00df alle Reiche bey dem Namen meines Vaterlandes zittern, da\u00df es seinen Zepter \u00fcber das adriatische Meer hinstreckt. Oft w\u00fcrdigte dieses, sich meiner ruhmw\u00fcrdigen Ahnen Braut zu nennen, und man sah selbst die Krone des stolzen Thraciers auf seinem Haupte wanken, da ein Capello die Fahne des heiligen Markus entfaltete.)<\/p>\n<p>Sie sezt hinzu, da\u00df alles Gro\u00dfe die Venetianer entflamme, und da\u00df es ihnen verg\u00f6nnt sey, die Grenzen dessen, was einem Helden gezieme, zu \u00fcberschreiten (?). Sie warnt ihn vor Verrath an einem Ort, wo nur Freundschaft ihn empfangen sollte, und will ihn, nur unter dem Siegel des Schwurs, ein Geheimnis vertrauen. Ferdinand z\u00f6gert, verspricht, und h\u00f6rt sie an. Bianca vertraut ihm, da\u00df sein Bruder Murd gegen ihn aussinne, da\u00df er seinen Tod auf seinem Nachtlager finden solle. Ferdinand mi\u00dft ihr seinen Glauben bey, und Biance zeigt ihm einen f\u00e4lschlich geschriebenen Brief, den sie dem Herzog beymi\u00dft, und der den Befehl, ihn umzubringen, enth\u00e4lt. &quot;Und warum, sagt Ferdinand, willst du gro\u00df durch ihn, F\u00fcrstin durch ihn, mich retten? Wirst du nicht in Staub hinsinken, sobald der Herzog nicht mehr ist?&quot; &mdash; &quot;Und wirst du, erwidert Bianca, mich im Staube lassen? Mir den Thron nicht wiedergeben?&quot; &mdash; &quot;O Verbrechen!&quot; ruft Ferdinand; Bianca, welche ihn gegen seinen Bruder aufgebracht glaubt, entdeckt ihm ihre Liebe, und Ferdinand st\u00f6\u00dft sie zur\u00fcck, flucht seiner R\u00fcckkehr nach Florenz, und \u00fcberl\u00e4\u00dft sie ihren Racheanschl\u00e4gen. Bianca ruft Ulrike herbey, sie will Ferdinand an Leib und Seele verderben: &quot;Wenn er mir auf Erden entschl\u00fcpft, ruft sie, soll er mir doch in der H\u00f6lle nicht entkommen.&quot;<\/p>\n<p>[327] F\u00fcnfter Aufzug. Laura er\u00f6ffnet die Scene durch eine Hymne, die sie mit ihrer Harfe begleitet, und wie Achill, wenn er Brisens Ungl\u00fcck beweint, tr\u00f6stet sie sich durch ihren Gesang. Ferdinand tritt zerst\u00f6rt auf; sie befragt ihn vergeblich um sein Geheimni\u00df; der Schwur bindet ihn; inde\u00df Laura ihn bittet, sich zu entfernen, h\u00f6rt man Geschrey; es ist Ulrike, die ein wildes Thier zerrissen hat (?!!); man tr\u00e4gt sie herein, und sie erz\u00e4hlt, da\u00df des Ewigen Arm sie getroffen habe, um die Unschuld zu retten. Darauf theilt sie Ferdinand die von Bianca erhaltenen Befehle mit, und stirbt, von Laura\u2019s mitleidsvollen Worten und Ferdinands Segenssprechung getr\u00f6stet. Der Gro\u00dfherzog kehrt mit seinem Gefolge von der Jagd zur\u00fcck; er freut sich, seinen Bruder anzutreffen, und ihn selbst in den Festsaal zu f\u00fchren. Bianca erscheint, einen Becher in der Hand, im Hintergrunde der B\u00fchne, und fr\u00e4gt ihren Gemahl, ob er aus diesem Becher getrunken? denn sie hatte erfahren, da\u00df der Gro\u00dfherzog, von der Jagd zur\u00fcckkehrend, in den Festsaal getreten war, und aus dem Giftbecher getrunken hatte. Sie leert ihn nun aus, und bald h\u00f6rt man furchtbare Verw\u00fcnschungen gegen Ferdinand und seine Nachkommen, sie sagt: &quot;Der Himmel ist ehern f\u00fcr mich, aber ich f\u00fcrchte nicht die H\u00f6lle, meine Verbrechen werden den F\u00fcrsten der Finsterni\u00df erzittern machen. <\/p>\n<pre class=\"aei-poetry1\">\r\n<i>Jo furia vissi, e a spaventar l\u2019inferno\r\nFuria discendo ...<\/i>\r\n<\/pre>\n<p>(Ich lebte wie eine Furie, und einer Furie gleich steige ich herab, die H\u00f6lle zu erschrecken.)<\/p>\n<p>Der Gro\u00dfherzog bittet seinen Bruder, dieses furchtbare Schauspiel von ihm zu entfernen, und indem er ihm seine Hand reicht, strirbt er. Ferdinand ruft aus:<\/p>\n<pre class=\"aei-poetry1\">\r\n<i>E piu no \u00e8! &mdash; Quel serto\r\nDella sua morte fronte in sul mio capo\r\nPosa, e un misfatto mi conduce al trono\r\nUn misfatto no mio. Splendor ambito\r\nDel disdema, che le menti umane\r\nTanto abberbagli, appaghi tu l\u2019interno,\r\nDesiderio, l\u2019appaghi? E sei tanto, \r\nCh\u2019altri per te d\u2019egni piacer privato\r\nD\u2019ogni affeto si spogli ... Jo tra i delitti, \r\nJo tra &apost;l tombo in soglio oggi m\u2019assido, \r\nMa puro \u00e8 il cor, la dostra \u00e8 pura, Oh Lunge!\r\nLunge il rimorse sia da me per sempre\r\nCon esso il serto \u00e8 tosco, il trono e morte.<\/i>\r\n<\/pre>\n<p>(Er ist dahin! &mdash; Diese Krone geht auf mein Haupt \u00fcber. Ein Verbrechen hebt mich auf den Thron, allein ich beging es nicht. O beneideter Glanz des Diadems, der du so viele Menschen verblendest, kannst du ihrem Verlangen gen\u00fcgen? Kannst du sie befriedigen? Bist du denn so kostbar, da\u00df wir um deinetwillen allen Freuden der Freundschaft, allen sanften Regungen entsagen sollen? &#8230;. Ich besteige heute den Thron, von Verbrechen, von Gr\u00e4bern umgeben; allein mein Herz ist rein, rein meine Hand. Fern bleine mir die Reue. &mdash; Ach, mit ihr ist das Diadem ein Gift, und der Thron wird zum Verderben!)<\/p>\n<p>Dieses reiche hin, um Herrn Sgricci\u2019s wunderbares Talent zu beweisen.  Man bedenke, welchen Vorrath von Ged\u00e4chtni\u00dfs\u00e4tzen dasselbe voraus sezt, welche schnelle Empf\u00e4nglichkeit und unvergleichliche Redegabe.  Die Oberfl\u00e4chlichkeit der Erfindung, die Lockerheit des Zusammenhanges, die Aehnlichkeit der Situationen mit fr\u00fchern Gedichten an dieser Bl\u00fcthe des Augenblicks bemerkbar zu machen, w\u00e4r\u2019 eine Unbilligkeit.  Die Arbeit des Geistes bey der Hervorbringung dieser gl\u00e4nzenden Bl\u00fcthe ist unerme\u00dflich!  Der Dichter mu\u00df mit der Schenlle des Gedankens seinen Vorwurf ordnen, ihn innerhalb der Grenzen der drey Einheiten, die er nie verlezt, beschr\u00e4nken, er mu\u00df eine gro\u00dfe Zahl Personen zugleich denken, sprechen, handeln lassen, Personen, die alle von heftigen, von widerstrebenden Leidenschaften aufgeregt sind &mdash; und dieses Alles mu\u00df in einem unausgesezten, reinen, edeln, milden Redeflusse geschehen.  Ob die Dichtkunst durch diese bewundernsw\u00fcrdige Erscheinung gewinnt, wollen wir nicht untersuchen.  Wir erfreuen uns des Augenblicks, der uns die \u00fcberraschendste, unbegreiflichste Erscheinung darbietet.  Das Nachdenken findet in ihr den Beweis, welcher unbegr\u00e4nzten Entwicklung gewisse Seelenkr\u00e4fte f\u00e4hig sind, und wie fehlerhaft unsere geistige Bildung ist, sie nicht bis zu einem, der \u00fcbrigen Entwicklung angemessenen, Grade zu \u00fcben &mdash; denn dieselbe F\u00e4higkeit, welche Herr Sgricci bis zu einer Fertigkeit ausbildete, welche den betrachtenden Zuh\u00f6rer bis zur Furcht vor des talentvollen Mannes physischer Zerst\u00f6rung spannen kann, m\u00fc\u00dfte den Gesellschafter, den B\u00fcrger, den Staatsmann in Stand setzen, durch die Allmacht des Wortes in jedem gegebenen Falle mit Vortheil zu erscheinen. <\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"aei-one-line-down\"><strong>Notes:<\/strong><\/p>\n<div id=\"aei-blocktext\">\n<\/p><\/div>\n<dl id=\"aei-dl-meta-unimportant\">\n<dt>Collected by:<\/dt>\n<dd>YvF \/ AE \/ EW<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>A detailed two-part report on a performance given by Sgricci in Paris: an improvised tragedy on the subject of Bianca Capello. 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