{"id":2390,"date":"2016-08-24T13:23:09","date_gmt":"2016-08-24T17:23:09","guid":{"rendered":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/?p=2390"},"modified":"2017-01-01T12:20:01","modified_gmt":"2017-01-01T17:20:01","slug":"briefauszug-herr-eugene-de-pradel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/?p=2390","title":{"rendered":"&#8220;Briefauszug. Herr Eug\u00e8ne de Pradel&#8221;"},"content":{"rendered":"<div id=\"aei-root\" lang=\"en-GB\"><!-- suid=150 --><\/p>\n<dl id=\"aei-dl-meta\">\n<dt>Performer Name:<\/dt>\n<dd>Pradel; Sgricci<\/dd>\n<dt>Performance Venue:<\/dt>\n<dd>Paris<\/dd>\n<dt>Performance Date:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">1824<\/dd>\n<dt>Author:<\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/dd>\n<dt>Date Written:<\/dt>\n<dd>1824<\/dd>\n<dt>Language:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">German<\/dd>\n<dt>Publication Title:<\/dt>\n<dd>Morgenblatt f\u00fcr gebildete St\u00e4nde (Literatur-Blatt)<\/dd>\n<dt>Article Title:<\/dt>\n<dd>Briefauszug. Herr Eug\u00e8ne de Pradel<\/dd>\n<dt>Page Numbers:<\/dt>\n<dd>168<\/dd>\n<dt>Additional Info:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">25 May 1824 issue (No. 42). <\/dd>\n<dt>Publisher:<\/dt>\n<dd>J. G. Cotta&#8217;sche Buchhandlung<\/dd>\n<dt>Place of Publication:<\/dt>\n<dd>Stuttgart<\/dd>\n<dt>Date Published:<\/dt>\n<dd>1824<\/dd>\n<\/dl>\n<p class=\"aei-one-line-down\"><strong>Text:<\/strong><\/p>\n<blockquote id=\"aei-blockquote\" lang=\"de\">\n<p>Herr Eugene de Pradel hat hier (in Paris) einen <i>franz\u00f6sischen Improvisator<\/i> etabliert.  Etabliert? fragen Sie.  Es ist ganz das passende Wort, denn sein Improvisator ist ein <i>Bureau<\/i>, in welchem man fertige Gedichte auf allerley Gegenst\u00e4nde, Operntexte, Bravour-Arien, Lustspiele u.s.f. gegen gleich baare Bezahlung haben kann.  Die Veranlassung zu diesem wunderlichen Aush\u00e4ngeschilde hat nat\u00fcrlich die Erscheinung des vielbesprochenen Sgricci gegeben, der, wie Sie gelesen haben werden, haupts\u00e4chlich <i>Trag\u00f6dien<\/i> improvisirt.  Wer es so gut wei\u00df, wie Sie, was es eigentlich sagen will, eine gute Trag\u00f6die zu dichten, der wei\u00df auch gewi\u00df und gleichsam <i>a priori<\/i>, was von improvisirenden Trag\u00f6diendichtern zu halten ist.  &#8220;Man mu\u00df,&#8221; sagten Sie einmal, &#8220;f\u00fcr den Stoff in Liebe entbrannt seyn, und mit den Personen, deren Handlungen und Charaktere man darstellen will, eine Weile <i>umgegangen<\/i> seyn; man mu\u00df so zu sagen einen Scheffel Salz mit ihnen gegessen haben.&#8221;  Bey&#8217;m Improvisiren kann nat\u00fcrlich davon nicht die Rede seyn.  Die ganze Sache, glauben Sie es mir, der ich Hrn. Sgricci scharf beobachtet habe, ist durchaus nichts weiter, als ein <i>scholastisches Kunstst\u00fcckchen<\/i>, augef\u00fchrt mit H\u00fclfe der, weiland in der Philosophie so verrufenen, Combinationskunst des <i>Raimund Lullus<\/i>.  Da\u00df nach der Lullistischen Methode echte Kunstwerke nicht zusammengesezt werden k\u00f6nnen, am wenigsten von der h\u00f6chsten Gattung der Poesie, ist f\u00fcr sich klar; aber eben so klar ist der Grund, warum die Improvisatoren gerade in der Trag\u00f6die sich so gern versuchen.  Die Kunstphilosophie hat, seit Aristoteles, keine Gattung von Dichtwerken so vollst\u00e4ndig analysirt und in ihre <i>Elemente<\/i> zerlegt, als die Trag\u00f6die, und sobald ein historischer Stoff genannt wird, f\u00e4llt es einem gewandten Lullisten auch nicht schwer, einige Trag\u00f6dien-Elemente daraus aufzufassen, und damit einigen Scenen, welche die gegebene Fabel nothd\u00fcrftig verbindet, und einigen pathetischen Monologen, f\u00fcr welche die Fabel die <i>Person<\/i> liefert, den Anstrich einer schnell entstehenden Trag\u00f6die zu geben.  Es geh\u00f6rt dazu nichts, als da\u00df man vorher \u00fcber die Hauptarten der verschiedenen tragischen Situationen viel <i>phantasirt<\/i> habe (im Sinne der Musiker), da\u00df man einen Vorrath solcher eignen Phantasien (oder auch <i>Reminiscenzen<\/i> aus Dichtern) im <i>Ged\u00e4chtnisse<\/i> besitze, und da\u00df man gewandt genug sey, das Passende davon dem gegebenen geschichtlichen Stoffe und den darin als handelnd vorkommenden Hauptpersonen zu adoptiren.   Die <i>Dreistigkeit<\/i>, die <i>Schauspielerhaftigkeit<\/i>, womit so etwas vorgetragen wird, die Schnelligkeit, womit die ganze Erscheinung vor\u00fcberrauscht, und die Gutm\u00fcthigkeit eines befangenen, und nur allzugern erstaunenden Publikums, vollenden sodann das Werk der scholastischen Combinationskunst.  Kurz, mir ist die Kunst des Herrn Sgricci, wie die aller seiner Vorg\u00e4nger, die ich h\u00f6rte, genau wie ein dreist ge\u00fcbtes <i>Handwerk<\/i> vorgekommen, und f\u00fcr etwas mehr kann ich dieselbe nicht passiren lassen, trotz aller Posaunenst\u00f6\u00dfe der Zeitungsschreiber, die eben so gern Erstaunliches berichten, als ihre Leser es lesen.  Ich bin sehr \u00fcberzeugt, da\u00df so eine improvisirte Trag\u00f6die, wenn sie, unverbessert und ungefeilt, gelesen oder auf der B\u00fchne gesehen werden sollte, das Publikum v\u00f6llig kalt lassen und langweilen w\u00fcrde, wenigstens in Deutschland, wo man f\u00fcr die Trag\u00f6dien keinen <i>Leisten<\/i> anerkennt, uns wo der Kunstsinn sich abwendet von den Geistes-Producten, die wie Schuhe verfertigt worden sind.  Da\u00df er daf\u00fcr oft mit solchen vorlieb nimmt, die gleich den Pilzen wachsen, das geh\u00f6rt nicht hieher.<\/p>\n<p>Genug, des Herrn de Pradel Improvisator ist, wenn auch unabsichtlich, ein erkl\u00e4rendes Symbol der angestaunten Erscheinung der Improvisirkunst.  Der Kopf solch eines Stegreifpoeten ist nichts anderes, als ein de Pradel&#8217;sches <i>Bureau<\/i>.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"aei-one-line-down\"><strong>Notes:<\/strong><\/p>\n<div id=\"aei-blocktext\">\n<p>The Literatur-Blatt follows a separate page and volume numbering system from the usual Morgenblatt, since it is a supplement.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<dl id=\"aei-dl-meta-unimportant\">\n<dt>Collected by:<\/dt>\n<dd> EW<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>This excerpt from a letter disparages improvisation as an art, instead likening it to a bureau such as Eug\u00e8ne de Pradel is reported to have established in Paris, where cash is exchanged for all manner of poetic products. The correspondent regards improvisation, especially the improvisation of tragedies in the style of Sgricci and Pradel, as a skill that resembles the combinatorics of medieval philosopher Raimundus Lullus. <\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27,134],"tags":[50,104,73],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2390"}],"collection":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2390"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2390\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3107,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2390\/revisions\/3107"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2390"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2390"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2390"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}