{"id":2757,"date":"2016-09-02T15:46:23","date_gmt":"2016-09-02T19:46:23","guid":{"rendered":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/?p=2757"},"modified":"2016-12-31T15:42:21","modified_gmt":"2016-12-31T20:42:21","slug":"karl-ludwig-fernow-improvisatori-part-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/?p=2757","title":{"rendered":"Karl Ludwig Fernow, &#8220;Improvisatori&#8221; (Part 1)"},"content":{"rendered":"<div id=\"aei-root\" lang=\"en-GB\"><!-- suid=150 --><\/p>\n<dl id=\"aei-dl-meta\">\n<dt>Performer Name:<\/dt>\n<dd>Perfetti; Abate Lorenzi; Gianni; Abate Berardi<\/dd>\n<dt>Performance Venue:<\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/dd>\n<dt>Performance Date:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">&nbsp;<\/dd>\n<dt>Author:<\/dt>\n<dd>Fernow, Karl Ludwig<\/dd>\n<dt>Date Written:<\/dt>\n<dd>1801<\/dd>\n<dt>Language:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">German<\/dd>\n<dt>Publication Title:<\/dt>\n<dd>Der neue Teutsche Merkur<\/dd>\n<dt>Article Title:<\/dt>\n<dd>Improvisatori (Part 1)<\/dd>\n<dt>Page Numbers:<\/dt>\n<dd>2:282-306<\/dd>\n<dt>Additional Info:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">August 1801 issue<\/dd>\n<dt>Publisher:<\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/dd>\n<dt>Place of Publication:<\/dt>\n<dd>Weimar<\/dd>\n<dt>Date Published:<\/dt>\n<dd>1801<\/dd>\n<\/dl>\n<p class=\"aei-one-line-down\"><strong>Text:<\/strong><\/p>\n<blockquote id=\"aei-blockquote\" lang=\"de\">\n<p>[282] Improvisatori*<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\nEst Deus in nobis: agitante calescimus illo.<br \/>\n&mdash;Ovid<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\nErste Abtheilung.<\/p>\n<p>Das Talent, die Sprache der Musen aus dem Stegreif zu reden, ist jenseits der Alpen eine so fremde [283] Erscheinung, da\u00df man dort kaum von dieser Dichtart, geschweige von der eigenen Art geistigen Genusses, den die Aus\u00fcbung dieses Talents im gesellschaftlichen Leben gew\u00e4hrt, einen Begriff hat. Das Vergn\u00fcgen, welches ein gl\u00fcckliches Imprompt\u00fc, &mdash; das H\u00f6chste, was in dieser Art zu dichten dem poetisirenden Witze oltramontanischer  Sch\u00f6ngeister gelingt, &mdash; im gesellschaftlichen Kreise erregt, ist eben so wenig mit dem Vergn\u00fcgen zu vergleichen, welches ein wohlausgef\u00fchrtes Improviso bewirkt, als eines der gew\u00f6hnlichen Alamachs: Epigramme von X. Y. Z. mit mit einer B\u00fcrgerchen Ballade oder G\u00f6the&#8217;schen Elegie. Ja, es scheint, da\u00df die Dichtkunst ihre Gewalt auf das Gem\u00fcth nie m\u00e4chtiger beweise, als in Produkzionen dieser Art, wo der Dichter im Augenblicke der schaffenden Begeisterung seinen Gesang unmittelbar in die Seele des Zuh\u00f6rers hin\u00fcberstr\u00f6mt. Diese Wirkung, die der Gesang des begeisterten Improvisatore nie verfehlt, kann ein mit dem Stempel der Vollendung bezeichnetes und mit aller Kunst der Deklamazion vergetragenes Gedicht nie in gleichem Maa\u00dfe hervorbringen. Die auf den h\u00f6chsten Grad gespannte Energie, womit die Einbildungskraft des Dichters in die- [284] sen Momenten wirkt; das fortw\u00e4hrende Kampfspiel widerstrebender und gl\u00fccklich besiegter Schwierigkeiten, das man hier gleichsam vor Augen sieht; die \u00fcberraschenden Z\u00fcge, womit der S\u00e4nger sich gl\u00fccklich aus dem Labyrinth wieder herauswindet, in das er sich verwickelt hatte; der lebhafte Enthusiasmus, der w\u00e4hrend dieses Kampfspiels sich von dem Dichter durch den Kreis der Zuh\u00f6rer verbreitet und, so vervielf\u00e4ltiget wieder auf den Genius des S\u00e4ngers zur\u00fcckwirkend, die Flamme der Begeisterung immer m\u00e4chtiger in ihm anfacht, &mdash; m\u00fcssen nothwendig Wirkungen hervorbringen, welche auch die h\u00f6chste Kunstvollendung, die sich nur in der ruhigen Kontemplazion des Werkes genie\u00dfen l\u00e4\u00dft, und die meisterhafte Deklamazion nicht erreichen k\u00f6nnen; und wenn je der Einflu\u00df einer \u00fcber das gew\u00f6hnliche Maa\u00df erh\u00f6heten Spannung der Seelenkr\u00e4fte, &mdash; wenn je die \u00dcbermacht des begeisterten Genie&#8217;s \u00fcber den n\u00fcchternen Verstand sich in der Hervorbringung eines sch\u00f6nen Kunstwerkes sichtbar \u00e4u\u00dfert: so ist dies gewi\u00df im extemporanen Dichten der Fall, wo die Intension der wirkenden Kraft mit der L\u00e4nge der Zeit, in welcher sie ihre Wirkung vollbringen mu\u00df, im umgekehrten Verh\u00e4ltnisse steht; wo sich &mdash; Doch lassen wir lieber einen Italiener die Symptome mahlen, welche sich in Szenen dieser Art zu \u00e4u\u00dfern pflegen. Ein vorz\u00fcglicher dieser Nazion, der Abate Bettinelli, giebt in seiner Schrift <i>dell&#8217; entusiasmo<\/i> [285] <i>delle belle arti<\/i>, eine eben so lebhafte als treffende Schilderung davon, die wir hier in einer freien \u00dcbersetzung mittheilen.<\/p>\n<p>&quot;Ich habe oft &mdash; sagt dieser Schriftsteller &mdash; Gelegenheit gehabt, einen der vortrefflichsten Improvisatori zu h\u00f6ren, und ich habe ihn in solchen Szenen mit der gr\u00f6\u00dften Aufmerksamkeit beobachtet. Zuerst stand der S\u00e4nger eine Weile schweigend und gleichsam unentschlossen; dann begann er langsam und unsicher seinen Gesang, stie\u00df bald mit dem Reim, bald mit dem Gedanken an; ein Beweis, da\u00df der Enthusiasmus noch nicht gekommen war; da\u00df der Dichter sich noch auf gleichem Boden mit seinen H\u00f6rern befand. Aber pl\u00f6tzlich, ehe er selbst es ahndet oder du es vermuthest, siehst du ihn neu beseelt und entflammt sich erheben; die Begeisterung breitet ihren Fittig aus; er schwingt sich im Fluge empor. Die Merkmale dieses Aufschwunges sind in seinem \u00c4u\u00dfern sichtbar. Mit erheitertem Antlitz und abgewandt von allem Gegenw\u00e4rtigen, blickt er zum Himmel auf, in unbeweglicher Stellung, wie seiner selbst vergessend; er ist nicht mehr, wo er kurz vorher war; er sieht nicht mehr, was er zuvor sah. Der Vorhang ist gefallen; ein neuer Schauplatz, eine neue Perspektive, eine andere Welt stellt sich in gl\u00e4nzendem Lichte seinen Blicken dar. Er redet in Gespr\u00e4chen, in Anrufungen, beschreibt alle Gegenst\u00e4nde so anschaulich, alle Dinge so [286] umst\u00e4ndlich und mit einem Interesse, das nur die wirkliche Gegenwart nehmen l\u00e4\u00dft. Diese wunderbaren Gesichte, diese reizenden Erscheinungen entz\u00fcnden seinen Affekt; sein Interesse wird immer st\u00e4rker; er schwelgt im Genusse ihres Anschauens. Die wachsende Flamme spricht durch jede Ader; seine Augen funkeln; ein h\u00f6heres Roth f\u00e4rbt seine Wangen; ein begeistertes L\u00e4cheln schwebt um seinen Mund; er schauert vor Wonne; seine ganze Gestalt ist in Bewegung.&quot;<\/p>\n<p>&quot;So von \u00e4chter Glut entbrannt und entz\u00fcckt erhebt seine Stimme sich st\u00e4rker; seine Gesten werden lebhafter, seine Bewegungen heftiger. Eine Fluth von Ideen, von Bildern und Reimen str\u00f6mt auf ihn ein, \u00fcberstr\u00f6mt, \u00fcberw\u00e4ltigt ihn, da\u00df die Worte nicht mehr hinreichen, sie zu fassen, er f\u00fchlt sich verwickelt, beklemmt. Die Verse dr\u00e4ngen und treiben einander, st\u00fcrmen und st\u00fcrzen Woge auf Woge ungest\u00fcm, unaufhaltsam hervor, so da\u00df der Saitenspieler, welcher den Gesang begleitet, kaum ihn zu folgen vermag, oft zu hastigen, regellosen Griffen gezwungen, und aus dem Zeitmaa\u00df fortgerissen wird. Aber unvermuthet erstarrt auch zuweilen mitten im Laufe der Strom des Gesanges; entweder weil der Vorhang des inneren Schauspiels f\u00e4llt, oder weil die Fibern unter der zu gewaltsamen Spannung erschlaffen. Zu anderen Zeiten beharrt der stundenlang ohne Schwierigkeit in dieser Stimmung.&quot;<\/p>\n<p>[287] &quot;In solchem Zustande sagt der Dichter, oft ohne es selbst zu wissen, die sch\u00f6nsten und ungemeinsten Dinge; die Reime ordnen sich von selbst an ihren Ort; die gew\u00e4hltesten, edelsten, lebhaftesten Ausdr\u00fccke schmiegen sich freiwillig dem Gedanken an; die Harmonie f\u00fcgt sich aufs gl\u00fccklichste in das Sylbenmaa\u00df. Des S\u00e4ngers Seele selbst scheint in vollkommenster Einhelligkeit ihrer Kr\u00e4fte den Schauplatz zu betreten, sich in ihrer souverainen Unabh\u00e4ngigkeit zu zeigen, ihre eigene \u00fcbermenschliche Sprache zu reden und \u00fcber alle andere zu herrschen.&quot;<\/p>\n<p>&quot;Indessen verbreitet sich durch den Kreis der Zuh\u00f6rer eine Lust, ein Schauer der Wonne, der von Zeit zu Zeit unwillk\u00fchrlich in lauten Jubel ausbricht. Der Zuh\u00f6rer f\u00fchlt sich mit emporgehoben und folgt dem Schwunge des S\u00e4ngers. Wie ein hin und her geschlagener Ball fliegt die Begeisterung von dem Dichter zu dem H\u00f6rer, und von diesem zu dem Dichter zur\u00fcck, und erh\u00f6ht, in dem wechselnden Fluge immer wachsend, in beiden Theilen den Genu\u00df, das Entz\u00fccken, die Trunkenheit.&quot;<\/p>\n<p>&quot;Auch das Ende einer solchen Szene giebt Stoff zu merkw\u00fcrdigen Betrachtungen \u00fcber den S\u00e4nger und \u00fcber den Zuh\u00f6rer. Auffallend ist in jenem die Ermattung nach der gewaltsamen Anstrengung, die das nat\u00fcrliche Verm\u00f6gen der Organe zu \u00fcbersteigen scheint; [288] in diesem das Schweigen und die feierliche Stille: gleichsam als ob die Seele des Zuh\u00f6rers, in Staunen verloren oder au\u00dfer sich gesetzt, noch in ihrem Innern dam Nachhall des Gesanges lauschte; als ob sie einer Pause bed\u00fcrfte, um wieder zu sich selbst zu kommen, um zur Erde zur\u00fcckzukehren, von welcher sie dem Dichter in eine unbekannte, h\u00f6here Sf\u00e4re gefolgt war. Daher bemerkt man auch, da\u00df die minder Gef\u00fchligen und Verst\u00e4ndigen unter ihnen immer zuerst das Schweigen brechen und den S\u00e4nger mit den gew\u00f6hnlichen Komplimenten \u00fcberh\u00e4ufen; die hingegen, welche tiefer f\u00fchlen, sieht man am sp\u00e4testen sich regen und aus dem Zustande des Entz\u00fcckens erwachen.&quot;<\/p>\n<p>&quot;Alle diese Symptome \u00e4u\u00dfern sich freilich nicht allemal bei solchen Szenen, sondern nur dann, wenn der Dichter sich in der gl\u00fccklichen Disposizion befindet, lebhaft begeistert zu werden und den Kreis seiner Zuh\u00f6rer in eine \u00e4hnliche Stimmung zu versetzten. Ein auserlesener Zirkel von H\u00f6rern kann vieles dazu beitragen; um so mehr, wenn er aus Freunden des Dichters, oder aus von ihm gesch\u00e4tzten Personen besteht. Der Beifall, welchen sie den sch\u00f6nsten Stellen seines Gesanges ertheilen, erh\u00f6het das Vertrauen und den Affekt des Dichters, ist ein Sporn, der ihn treibt und neues Lob zu \u00e4rndten einladet. Die Sch\u00f6nheiten verdoppeln sich Schlag auf Schlag und mit ihnen die Aufmunterungen, seine ganze Kraft in Wirksam- [289] keit zu setzen; und dieser wechselseitige Wetteifer ist f\u00fcr den Dichter das treffliche Saitenspiel, seinen Gesang zu begleiten und seinen Enthusiasmus zu entflammen.&quot; &mdash; <\/p>\n<p>Nach dieser im Wesentlichen  sehr treuen Schilderung der Symptome, welche die extemporane Dichtart bewirkt, wird es vielleicht dem teutschen Leser angenehm seyn, zur Vollendung des obigen Gem\u00e4ldes auch das Detail einer solchen Szene genauer kennen zu lernen. Wenn die Gesellschaft versammelt ist, fordert der Improvisatore ein Thema f\u00fcr den ersten Gesang. Gew\u00f6hnlich \u00fcberl\u00e4sst man einer Dame, oder einem Gelehrten, oder sonst einer Person, die man durch diesen Vorzug ehren will, die Wahl desselben. Die Gesellschaft wird dann noch einige Zeit von dem Musiker, der den Gesang zu akkompagniren da ist, mit einer Sinfonie unterhalten; w\u00e4hrend derselben macht der Improvisatore in wenig Minuten seine Disposizion, ohne darum sich aus der Konversazion  zu entfernen. Durch vielf\u00e4ltige \u00dcbung seiner Kunst gewi\u00df, l\u00e4\u00dft er kaum merken, da\u00df sein Geist mit etwas Anderem besch\u00e4ftigt ist. Die Gesellschaft vermehrt sich indessen und ordnet sich auf den Sitzen. Jetzt endiget die Sinfonie; schon ist der S\u00e4nger an seinen Ort getreten, der Versammlung gegen\u00fcber. Ein Glas Wasser oder Limonade auf einem Tischchen neben ihm ist die Hippokrene, woraus er seinen Gaumen netzt. [290] Der Musiker pr\u00e4ludirt die Melodie des Gesanges; der Dichter k\u00fcndigt der Gesellschaft noch einmal das aufgegebene Thema an und beginnt wenige Augenblicke sp\u00e4ter  seinen Gesang, dem gew\u00f6hnlich ein kurzer, dem Gegenstande angemessener Anruf an irgend eine Gottheit oder Muse zum Eingange dient; oft auch ergreift er seinen Gegenstand unmittelbar, ohne alle Einleitung, als gegenw\u00e4rtig. Alles lauscht nun in erwartungsvoller Stille; aller Blicke sind auf den S\u00e4nger geheftet; kaum h\u00f6rt man athmen. Aber der erste gl\u00fcckliche Zug setzt die Geister in Schwung; der Enthusiasmus des Dichters theilt sich dem H\u00f6rer mit, und allm\u00e4hlich erfolgen, st\u00e4rker oder schw\u00e4cher, die oben beschriebenen \u00c4u\u00dferungen. Niemand bleibt jetzt l\u00e4nger ohne die lebhafteste Theilnehmung. Sobald in einer Stanze der Gedanke eingeleitet und durch einen Reim der Gegenreim vorbereitet ist, so arbeitet des Zuh\u00f6rers Fantasie mit dem Dichter fort, und so oft dieser mit dem Gedanken des ersteren zusammentrift, oder durch eine Wendung seine get\u00e4uschte Erwartung \u00fcberrascht, so bricht der Affekt der Freude und Bewunderung in lauten Beifall aus, der immer h\u00e4ufiger und rauschender wird, je mehr S\u00e4nger und Zuh\u00f6rer sich gegenseitig in Schwung setzen, bis er endlich am gl\u00fccklich erreichten Ziele in allgemeinen Jubel ausstr\u00f6mt. Ein Akt des Schauspieles ist nun geendigt; der S\u00e4nger erholt sich, trocknet den Schwei\u00df von der gl\u00fchenden Stirne und zerstreut sich auf wenige Minuten in der [291] Unterhaltung mit der froh sich um ihn dr\u00e4ngenden Schaar. Nach einer kurzen Pause stimmt der Musiker zu einer neuen Sinfonie; der Improvisatore  fodert ein neues Thema: die Gesellschaft ordnet sich wieder und die obige Szene erneuert sich, und erneuert sich zuweilen zum dritten, vierten und f\u00fcnften Male. Um aber seinem Talente vor dem Schlu\u00df des Schauspieles noch einen gl\u00e4nzendern Kranz zu flechten, \u00fcberrascht zuweilen der Improvisatore die Versammlung mit einer kurzen, in wenige Stanzen, oder in ein Sonett zusammengedr\u00e4ngten Wiederholung des Inhalts der s\u00e4mmtlichen Ges\u00e4nge, den er kunstreich in ein Ganzes zu verbinden wei\u00df.<\/p>\n<p>Die Improvisatori singen jetzt in allen Versarten, soviel denen die italienische Dichtkunst hat. Ehedem bedienten sie sich blo\u00df der <i>Ottave rime<\/i>, bis in der ersten H\u00e4lfte des letztverwichenen Jahrhunderts vom Cavaliere <i>Perfetti<\/i> von Siena, dem ber\u00fchmtesten Improvisatore seiner Zeit, die sogenannten Anakreontischen Sylbenmaa\u00dfe in die extemporane Dichtart eingef\u00fchrt wurden: und da es weit leichter ist, in diesem zu singen, so haben sie beinahe die <i>ottave rime<\/i> verdr\u00e4ngt; aber die Meister halten es auch jetzt noch der W\u00fcrde ihrer Kunst gem\u00e4\u00dfer, in dieser letzteren Versart zu singen, in welcher nur ein vielge\u00fcbtes und reiches Talent sich mit der Leichtigkeit regen kann, die das Improviso erfodert, und bedienen sich der ana- [292] kreontischen Sylbenmaa\u00dfe blos zu scherzenden, t\u00e4ndelnden Gegenst\u00e4nden. Sonette all&#8217;improviso gelten nur f\u00fcr Impromt\u00fcs, und selten bedient sich der Improvisatore dieser Versart, um ein gegebenes Thema zu behandeln, weil sie einen zu kleinen Umfang hat, als da\u00df sie mehr als einen Gedanken fassen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>F\u00fcr jede Art von Metrum hat der S\u00e4nger eine eigne Melodie, in welcher er seine Verse halb singt, halb rezitirt, die immer einfach und gef\u00e4llig ist und sich um so leichter jedem Stoffe anschmiegt, da die Musik hier, wie in den \u00e4ltesten Zeiten, ganz der Poesie untergeordnet ist, und blos zur Verzierung des Gesanges und zur Ausf\u00fcllung der Pausen dient, welche zwischen den Stanzen oder einzelnen Versen entstehen. Die meisten vorhandenen Melodien dieser Art sind von ber\u00fchmten Improvisatoren erfunden.<\/p>\n<p>So schwer nun auch diese Kunst an sich schon ist, so hat doch die Vorsicht zu verh\u00fcten, da\u00df kein Betrug unterlaufe, dieser Kunst noch mancherlei Fesseln zugesellt, welche nichts zu ihrer Vervollkommung und Sch\u00f6nheit beitragen, aber sie noch schwieriger und bewundernsw\u00fcrdiger machen; und das nach Beifall und Ehre ringende Talent l\u00e4\u00dft sich, seines Sieges gewi\u00df, diese Fesseln willig anlegen, oder legt sie wohl im \u00dcbermuthe freiwillig an, weil sein Triumf dadurch nur um so gl\u00e4nzender wird. Fesseln dieser Art sind: vorgeschriebene Sylbenmaa\u00dfe; vorgeschriebene Reime; eine be- [293] stimmte Anzahl von Stanzen, worin das aufgegebene Thema ausgedehnt oder zusammengepre\u00dft werden mu\u00df; Ritornelle, die nach jeder Stanze wiederkehren und mit derselben durch Gedanken und Reim verbunden werden m\u00fcssen  u.a.m. Wenn, wie oft der Fall ist, zwei Improvisatori in <i>ottave rime<\/i>  wechselnd singen, so ist es Gesetz, da\u00df jeder den Reim, womit der andre S\u00e4nger seine Stanze schlie\u00dft, wieder aufnehme, und ihn zum Reim des ersten Verses der seinigen mache, ohne sich jedoch desselben Wortes zu bedienen. Alle diese Schwierigkeiten, womit man die Kunst des Improvisirens bewaffnet hat, lassen sich freilich nur in einer Sprache, wie die italienische, \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Diese Kunst, so alt als die Dichtkunst selbst, und unter rohen V\u00f6lkern die erste nat\u00fcrliche \u00c4u\u00dferung des erwachenden Dichtungsverm\u00f6gens, hat sich nach dem Wiederaufleben der K\u00fcnste und Wissenschaften blos in Italien lebendig erhalten, und macht seitdem einen eigenen Zweig der Poesie dieses Landes aus, dem sich viele ausschlie\u00dfend widmen, und dessen Aus\u00fcbung ein eigenes Talent und eine eigene Art von Studium erfordert. Wer mit dem Talent zur Dichtkunst nicht zugleich auch jene au\u00dferordentliche Schnellkraft der Fantasie, jene hohe Reizbarkeit und W\u00e4rme des Gef\u00fchls besitzt, durch die das Gem\u00fcth sich leicht in den exaltirten Zustand versetzten l\u00e4\u00dft, welchen wir aus der obigen Beschreibung kennen, der wird vielleicht am Pult vor- [294] treffliche und sehr vollendete Dichterwerke hervorbringen; aber die Kunst des Improvisirens wird ihm nicht gelingen. Und in der That giebt es vorz\u00fcgliche Dichter und hat deren in Italien viele gegeben, ohne jene Anlagen, die das eigenth\u00fcmliche Talent des Improvisatore ausmachen; wo hingegen andere mit diesem Talent nur mittelm\u00e4\u00dfige Dichter geblieben sind, weil sie die Kultur des Geistes verabs\u00e4umt haben. <\/p>\n<p>Auch hier dr\u00e4ngen sich, wie zu allen sch\u00f6nen K\u00fcnsten, viele Unberufene in die Schranken. Da aber in der Aus\u00fcbung dieser Kunst Alles von dem augenblicklichen Gelingen abh\u00e4ngt, da das Werk auf der Stelle gedichtet, vollendet und nach Verdienst gew\u00fcrdigt wird, und der gebildete Italiener, welcher den Maa\u00dfstab des Vortrefflichen in dieser Kunst sehr wohl kennt, nicht leicht etwas Schlechtes mit seinem Beifalle belohnt: so dauert auch gew\u00f6hnlich der Dichterwahn des Unberufenen nicht lange, und er entsagt bald einer Kunst, welche in jedem neuen Versuche seine Unf\u00e4higkeit nur deutlicher an den Tag legt, und wo kein Vorwand die pers\u00f6nliche Besch\u00e4mung, der er sich aussetzt, von ihm abwenden kann. Der Verfasser selbst hat einigemal Gelegenheit gehabt, die Erfahrung zu machen, wie erb\u00e4rmlich, bemitleidenswert und qu\u00e4lend es ist, einen St\u00fcmper in dieser Kunst sich vergebens abarbeiten zu sehen. Das peinliche Gef\u00fchl seiner fruchtlosen Anstrengungen theilte sich der Versammlung sympathe- [295] tisch mit, und die innere Angst des ungl\u00fccklichen Poeten trieb den Schwei\u00df auf die Stirnen der Zuh\u00f6rer hervor. Da aber die italienische Sprache ein so geschmeidiges Materiale ist und sich mit gro\u00dfer Leichtigkeit in die poetische Form schmiegt, so ist die Zahl der Dilettanti in dieser Kunst, welche mit einer nicht gemeinen F\u00e4higkeit und gew\u00f6hnlich mit viel poetischer Kultur ausger\u00fcstet, ihr Talent blos dem gesellschaftlichen  Vergn\u00fcgen widmen, nicht gering; und in den gro\u00dfen St\u00e4dten Italiens wird man nicht leicht einen gebildeten Zirkel finden, in welchem nicht das andere Mitglied f\u00e4hig w\u00e4re, die Gesellschaft durch einen Genu\u00df dieser Art zu erfreuen; und man findet da zuweilen Dilettanti, die es den Virtuosen in dieser Kunst gleich thun. Oft, wenn mehrere, die ein solches Talent besitzen, in einem Zirkel zusammen treffen oder sich eigens zu solchen \u00dcbungen einfinden, entstehen Wettstreiten im Extemporiren und Wechselges\u00e4nge, und die Gesellschaft kr\u00f6nt dankbar beide, den Sieger und den Besiegten, mit ihrem Beifall. Nicht leicht findet sich ein guter Kopf mit einiger Anlage zur Poesie  der nicht in seinen J\u00fcnglingsjahren seine Kr\u00e4fte im Improvisiren versucht h\u00e4tte.<\/p>\n<p>So plfanzt sich eine immerw\u00e4hrende zahlreiche Schule dieser Kunst nicht blos in den gebildeten Klassen fort, sondern auch in den unteren St\u00e4nden wird das Talent zu improvisiren, welches dem Italiener [296] nat\u00fcrlich zu seyn scheint, nach dem Maa\u00dfe der Bildung dieser St\u00e4nde mit mehr oder weniger Geschmack und Geist getrieben, und der m\u00fc\u00dfige P\u00f6bel hat eben sowohl seine Improvisatori von Profession, als der gebildete Musenfreund der h\u00f6heren Klassen. Jene \u00fcben ihre Kunst auf Pl\u00e4tzen und M\u00e4rkten. In wenigen Augenblicken ist ein dichter Kreis um den wandernden Homer geschlossen, der sich in einer Stunde leicht so viel ersingt, als er bedarf, um sich und seine Muse einige Tage lang vor Hunger und Durst zu sch\u00fctzen; und ein solcher Virtuoso ist um so unbesorgter um seine Zukunft, da er sicher ist, auf dem n\u00e4chsten Platze, sobald er will, ein neues Publikum zu finden. Einer der vorz\u00fcglichsten Improvisatori aus dieser Klasse war der, den <i>Moritz<\/i> in seinen <i>Reisen in Italien<\/i> geschildert hat.<\/p>\n<p>Eben so haben auch die niederen St\u00e4nde bis zum Handwerker und Bauern herab, ihre Dilettanti in dieser Kunst. Oft h\u00f6rt man in Schenken, wenn der Wein die K\u00f6pfe begeistert, zwei Wetts\u00e4nger sich erheben, die einander zum Schweigen bringen suchen. Der Inhalt ihrer Ges\u00e4nge ist gew\u00f6hnlich satyrisch, und solche Szenen sind ein lebendiges Bild der \u00e4ltesten Satyrspiele und der Wechselges\u00e4nge Sizilianischer Hirten; so wie die Volks-Improvisatori auf Gassen und Pl\u00e4tzen den Fremden in die Zeiten des Orfeus und Homer zur\u00fcck versetzen. Gew\u00f6hnlich haben dergleichen Ges\u00e4nge [297] wenig poetisches Verdienst; aber sie sind oft reich an naiven Einf\u00e4llen und treffendem Spott, und das nat\u00fcrliche Talent des Italieners, sein heller, geistreicher Verstand, zeigt sich hier im vortheilhaftesten Lichte; und da auch der gemeine Italiener dadurch, da\u00df er die gr\u00f6\u00dften Dichter seiner Nazion lie\u00dft und ihre sch\u00f6nsten Stellen auswendig wei\u00df, der poetischen Kultur nicht ganz fremde ist, so tragen auch seine kunstlosen Ges\u00e4nge aus dem Stegreif gew\u00f6hnlich Spuren derselben.<\/p>\n<p>Wenn man die Improvisatori, die ihre Kunst auf den \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen vor dem Volke treiben, mit dem Charlatan, der an demselben Orte das gleiche Publikum unterh\u00e4lt, ungef\u00e4hr in dieselbe Klasse setzt; so werden die Improvisatori aus der h\u00f6heren Sf\u00e4re, welche ihre Kunst auf eine edlere Art vor einem gebildeten Publikum aus\u00fcben, als \u00e4chte K\u00fcnstler geachtet, und man muss Virtuosen dieser Art, oder vorz\u00fcgliche Dilettanti aus der gebildeten Klasse geh\u00f6rt haben, um sich einen w\u00fcrdigen Begriff von dieser Kunst zu machen, deren Kultur mit der Kultur des Standes von welchem, und des Zeitalters, in welchem sie ausge\u00fcbt wird, gleichen Schritt h\u00e4lt, und ein solcher Improvisatore ist von dem Dichter, der seine Werke am Pulte leicht mit mehr \u00dcberlegung, Auswahl, Studium und Feile, aber schwerlich mit eben so viel Begeisterung verfertigt, in nichts als in der Art zu dichten verschieden. <\/p>\n<p>[298] Man pflegt der extemporanen Dichtart vorzuwerfen, da\u00df sie nichts hervorbringen k\u00f6nne, was sich \u00fcber das Mittelm\u00e4\u00dfige erhebt; da\u00df sie zwar f\u00fcr den Augenblick t\u00e4usche, blende und hinrei\u00dfe, da\u00df aber ihre Produkte im Lesen nicht die Probe aushalten; und die meisten gedruckten Improvisi best\u00e4tigen die Wahrheit dieser Beschuldigung. Zum Theile liegt dies freilich in der Natur des Extemporirens; denn auch in den vorz\u00fcglicheren Dichtungen dieser Art wird man Inkorrekzionen, Reminiszenzen, Wiederholungen, matte Stellen, mit einem Worte unvermeidliche Spuren der Eile wahrnehmen, mit der sie hervorgebracht sind; aber man wird auch in ihnen vielleicht eben so viele unverkennbare Spuren \u00e4chter Begeisterung finden, die nicht selten in den kunstreichsten und gefeiltesten Poesieen vermi\u00dft wird. Wenn man nun erw\u00e4gt, wie schwer es, nach dem eignen Gest\u00e4ndnisse gro\u00dfer Dichter, ist, mit aller Mu\u00dfe, \u00dcberlegung und Feile ein vortreffliches Gedicht zu liefern; wenn man die kleine Quantit\u00e4t des vorhandenen Guten gegen die ungeheure Menge des Mittelm\u00e4\u00dfigen und Schlechten h\u00e4lt, was auch die geschriebene Poesie liefert; wenn man endlich bedenkt, da\u00df Werke dieser Art keineswegs f\u00fcr ein lesendes Publikum, sondern durchaus f\u00fcr den augenblicklichen Genu\u00df bestimmt sind, so da\u00df es eine blo\u00dfe Verg\u00fcnstigung des Dichters ist, wenn er seinen Gesang nachzuschreiben erlaubt (oft freilich auch eine Wirkung seiner Eitelkeit), und da\u00df jedes Ding in sei- [299] ner Art vollkommen ist, wenn es das ist, was es seiner Natur nach seyn kann, und seiner Bestimmung nach seyn soll: &mdash; so m\u00fc\u00dfte man sehr verstockter Anh\u00e4nger des <i>nil admirari<\/i> seyn, wenn man diese Kunst darum weniger der Bewunderung werth halten wollte, als die \u00fcbrigen K\u00fcnste des Genies. Man w\u00fcrde unbillig seyn, wenn man die extemporane Poesie mit einem Maa\u00dfstabe messen wollte, der nicht der ihrige ist, ohne zugleich den Vorzug, den sie vor der geschriebenen Poesie hat, die Intension ihrer Wirkung auf das Gem\u00fcth des Zuh\u00f6rers, in Rechnung zu bringen. <\/p>\n<p>Genauer erwogen aber gr\u00fcndet sich die Unf\u00e4higkeit, etwas Vortreffliches, das auch im Lesen gefallen kann, hervorzubringen, keineswegs in einer Schranke dieser Kunst selbst, sondern vielmehr nur in der gr\u00f6\u00dferen Schwierigkeit, es in ihr zu einer so hohen Vollkommenheit zu bringen, und in den beschr\u00e4nkten Geistesf\u00e4higkeiten oder dem Mangel an Kultur bei denen, die diese Kunst gew\u00f6hnlich aus\u00fcben. Es fehlt gegenw\u00e4rtig in Italien nicht an Beispielen, da\u00df Improvisatori, welche mit einem eminenten Talente einen hohen Grad von Geistes- und Geschmackskultur verbinden und durch viele \u00dcbung eine seltene Fertigkeit erworben haben, f\u00e4hig sind, extemporane Gedichte hervorzubringen, die auch im Lesen Probe halten und in jeder R\u00fccksicht vorz\u00fcglich sind. Ein solcher war [300] unter andern der Abate Lorenzi in Verona, von dessen Kunst Bettinelli die Z\u00fcge zu dem obigen Gem\u00e4lde entlehnt hat; ein solcher ist Franceso Gianni von Rom, der gegenw\u00e4rtig als der beste Improvisatore ber\u00fchmt ist, und diese Kunst in einem Grade von Vollkommenheit aus\u00fcbt, den sie selten, vielleicht nie vorher erreicht hat, wie eine gedruckten Improvisi, mit andern verglichen, beweisen; ein solcher ist der Abate Berardi in Rom, einer der ersten Dilettanti in dieser Kunst, den der Verfasser dieses Aufsatzes zu verschiedenen Malen geh\u00f6rt hat, und von welchem er das nachstehende Improviso mittheilt, dessen \u00c4chtheit er um so gewisser bezeugen kann, da er selbst, w\u00e4hrend es gedichtet wurde, es nachzuschreiben Gelegenheit hatte.<\/p>\n<p>Il Cinto di Venere<\/p>\n<pre class=\"aei-poetry1\">\r\n     Santa madre d'Amor, figlia di Giove,\r\nConsolatrice degli umani allanni,\r\nIn queste a gloria tua novelle prove,\r\nDeh!  Tu mi presta del tuo figlio i vanni;\r\nFa, ch'oggi 'I tuo favor m'assista e giove,\r\nCome giovommi ne'pi\u00fa floridi anni,\r\nQuando alla tua divinit\u00e1 si cara\r\nSette vacche in un di svenai sull' ara.\r\n     Sacro alla gloria tua sia questo giorno\r\nDi'vaga luce e di splendor dipinto;\r\nChe io ti vedr\u00f3, del braccio eburneo intorno,\r\nQuel divin sfavillar leggiadro cinto,\r\n[301] Per eni prendesti ogui beltade a scorno,\r\nPer cui resto ogni core opresso e vinto,\r\nPer cui vedesti in questa e in quella parte,\r\nFerito Adone, e insieme Anchise e Marte.\r\n     Io so che per voler d'averso Fato,\r\nE di Fortuna per ignobil giuoco,\r\nTi fu dal sielo per consorte dato\r\nIl ruvido Volcano, il Dio del fuoco;\r\nMa veggo poi, che non fu Giove ingrato;\r\nChe, se un' amante core \u00e9 opresso e fioco,\r\nEffetto \u00e9 sol, che del piacere al lume\r\nGiugne l\u00b4ingegno a incenerir le priume.\r\n     Or questo ignobil Dio, che ottenne in sorte\r\nColei che fa, che il cielo e il suolo avvampi;\r\nChe condusse nel mondo miglior sorte;\r\nChe spaise di bei fiori i colli e i campi;\r\nVolle col braccio suo robusto e forte\r\nDel Trinacrio cammino in mezzo a'lampi\r\nFormare un felicissimo lavoro,\r\nChe vinse a un tempo indiche gemme ed oro.\r\n     Ne Piracmon col braccio alpestre e rude,\r\nN\u00e9 a tale opra chiam\u00f3 Sterope e Bronte;\r\nMa, a travagliar sulla Sicania incude\r\nVennero al dolce invito, allegre e pronte.\r\nTre vezzosette verginelle ignude,\r\nDi mirti e rose coronate in fronte:\r\nChe sceser dalla bella eterea via,\r\nDico Aglaya, Eufrosine e ancor Talia.\r\n     Dovean le grazie intorno a si bell'opra\r\nLe maui affaticar leggiadre e pronte;\r\n[302] Vulcan vi assiste e senno ed arte adopra,\r\nE mesce al fuoco di Aganippe il fonte.\r\nE avvien che tutto di sudor si copra\r\nDal piede infermo, alla callosa fronte,\r\nPer tessare un lavor tutto nouvello\r\nChe in terra e in ciel non vi sar\u00e1 il pi\u00fa bello.\r\n     Prendon d'un amator caldi sospiri;\r\nPrendon d'un altro amante il dolce pianto;\r\nPrendon d'un guerrier, che ama, i deliri.\r\nChe piange e freme, colla morte accanto:\r\nVi mescolan dolcissimi raggiri,\r\nChe guadagnar ben cento cori han vanto;\r\nN\u00e9 ciascuna di lor sembra restia,\r\nA mescolarvi ancor qualche bugia.\r\n     N\u00e9 tu l'ultimo loco avesti o sdegno,\r\nChe sembri inescorabile e severo,\r\nE giovi poi per sostener l'impegno,\r\nE mantener di un forte amor l'impero.\r\nSembra talor, che miri ad altro segno;\r\nMa questo moto \u00e9 in te beu menzognero;\r\nChe di sdegnarsi all'amator non spiace,\r\nPerche pi\u00fa dolce poi divien la pace\r\n     Tu sola, Eterit\u00e1, non vieni a parte\r\nDi questo soavissimo lavoro;\r\nChe tanto bene all'uom nou si comparte,\r\nDi rinnovar la bella et\u00e1 dell'oro.\r\nLa lagrime, talora al vento aparte,\r\nNon conducono al cor dolce ristoro,\r\nN\u00e9 il bel cinto divino \u00e9 di tai tempre,\r\nChe vaglia un core a incatenar per sempre.\r\n[303]   Di questo incomparabile bel cinto\r\nQuesta sposa novella ornossi il braccio,\r\nComparve il volto di un color dipinto\r\nChe mescolava insieme il fuoco ed il ghiaccio;\r\nSpingeva e raffrenava il caldo istinto,\r\nOra stringendo, ora allentando il laccio;\r\nE tessendo a ogni cor varia conguira,\r\nCangia il sembiante ognor grazia e figura.\r\n     Con questo, o bella Dea, scorrendo in terra,\r\nFacesti al suolo germogliar le rose:\r\nTra colombe destasti amica Guerra;\r\nChe un soave piacer poi ricompose;\r\nPer lui parti novella il suol disserra;\r\nPer lui le forme appajono pompose;\r\nE quelle dolci grazie inclite e rare,\r\nOnd' \u00e9 bella la terra, e il cielo, e il mare.\r\n     Sentirono in quel d\u00ed pi\u00fa caldi sproni\r\nIn seno dell' istabile elemento,\r\nE le belle Nereidi ed i Tritoni;\r\nE innamorato ancor fremeva il vente;\r\nMoltiplicarsi di natura i doni;\r\nOgni mortale si dimostro contento.\r\nTacque in quell d\u00ed la sanguinosa Guerra,\r\nE in dolce calma ripos\u00f3 la terra.\r\n     Questo cinto immortal, stimolo e sprone\r\nDelle pi\u00fa dolci e pi\u00fa soavi prove,\r\nSpesso prestollo Venere a Guionone,\r\nIl freddo cor a riscaldar di Giove;\r\nSpesso ottenna per lui bel guiderdone\r\nColui, che affanni e grazie in terra piove;\r\n[304] Per lui ne riporto premio e ristoro\r\nOra in pioggia cangiato, et ora in toro\r\n     Ma quanto ancor fatal fu questo dono\r\nAlla moglio crudel del sacerdote,\r\nChe, aperta la vorage, opresso e prono\r\nPrecipit\u00f3 colle fuggenti rote.\r\nE lasciando i cavalli in abandono,\r\nChe il braccio uman pi\u00fa ritener non puote,\r\nD'Apollo ad onta, e delle Parche a scherno\r\nVenne immaturo ad abitar l'averno.\r\n     Elena possederlo ebbe la sorte,\r\nQuando fu tolta a suo minore Atrida;\r\nMosse per questo Achille il braccio forte\r\nEd Ilio emp\u00ed di lagrime e di strida.\r\nCadde Priamo per lui di cruda morte;\r\nVirtude al popol suo non fu pi\u00fa guida:\r\nIl sangue scorse, e scorse a rivi il pianto,\r\nE gonfj andaro il Simoente e il Xanto.\r\n     Di possederlo ancora avesti il vanto,\r\nO regina bellissma di Egitto!\r\nChe la grandezza tua cangiata in pianto,\r\nCol seno da fredd' aspide trafitto.\r\nPer lui moristi al dolce Antonio accanto,\r\nChe vide il regno tuo mesto e sconfitto;\r\nOnde avviene che anch' egli estinto cada\r\nSopra l' inesorabile sua spada.\r\n     Ultima  l'ebbe poi la bella Armida\r\nChe me fece tant' uso in sen pi\u00fa caldo:\r\nIo dico in lui, che nel valor confida,\r\nNel generoso e nobile Rinaldo,\r\n[305] Che, forte al pari del pi\u00fa forte Atrida,\r\nAscolto poi la voce e il dir d'Ubaldo,\r\nChe trasse il duce, e vincitore e vinto,\r\nFuori dell' incantato labirinto.\r\n     Dove poi s'ascondesse il bel lavoro,\r\nAlla musa gentil non \u00e8 palesa;\r\nForse torn\u00f3 de' sommi Dei fra il coro\r\nForse in astro novello in ciel s' accese \u2013\r\nSia come vuolo; io prendo alcun ristoro,\r\nPer ritentare altre pi\u00fa belle imprese.\r\nChindete i rivi, o fanciulletti alati.\r\nC' han gi\u00e1 bevuto d' Amatunta i prati.\r\n<\/pre>\n<p>Dieses achtzehn Stanzen lange Improviso war das Werk etwa eben so vieler Minuten, und der Nachschreiber h\u00e4tte dem fast ununterbrochen dahin rauschenden Strome des Gesanges nicht immer ohne Geh\u00fclfen folgen k\u00f6nnen. In einer fr\u00fchern Versammlung ward demselben S\u00e4nger unter anderen auch der <i>Kampf des Eteocles und Polynices<\/i> zum Thema gegeben, und er behandelte diesen heroischen Gegenstand mit einer Vortrefflichkeit und mit einem Schwunge feuriger Begeisterung, der die Gesellschaft in ein frohes Staunen versetzte, und ein allgemeines Bedauern erregte, da\u00df man keine Anstalt getroffen hatte, ein so gelungenes Produkt der Vergessenheit zu entrei\u00dfen; und doch war dieses, nach einem Zeitraume von sechs Jahren, w\u00e4hrend welcher der Dichter, theils unter der ehemaligen p\u00e4pstlichen Regierung, theils unter [306] der Republik \u00f6ffentliche \u00c4mter bekleidet hatte, das erstemal, wo er wieder als Improvisatore auftrat.<\/p>\n<p>(Eine Fortsetzung folgt)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>* Ich behalte mir vor, am Ende dieser Abhandlung die mit tiefem Eindringen auch die Anmuth der Einkleidung verbindet, und uns \u00fcber das ganze (auch f\u00fcr die ionischen  A\u00f6denschulen so wichtige) Improvisatorwesen so vollkommene Aufschl\u00fcsse giebt, von Herrn Fernow in Rom, dem Verfasser dieses Aufsatzes, noch einen Plan zur Bef\u00f6rderung der italienischen Literatur vorzulegen, den alle Liebhaber derselben f\u00fcr ein wahres Herm\u00e1on halten werden. B.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"aei-one-line-down\"><strong>Notes:<\/strong><\/p>\n<div id=\"aei-blocktext\">\n<\/p><\/div>\n<dl id=\"aei-dl-meta-unimportant\">\n<dt>Collected by:<\/dt>\n<dd> EW<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In one of the most referenced articles on improvisation published in his time, Fernow describes in detail the skills and state of inspiration necessary for improvisation and the social circumstances in which improvised performances are to be witnessed in Italy. 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