{"id":2839,"date":"2016-09-05T16:14:21","date_gmt":"2016-09-05T20:14:21","guid":{"rendered":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/?p=2839"},"modified":"2016-12-31T15:09:46","modified_gmt":"2016-12-31T20:09:46","slug":"die-heutigen-improvisatoren-in-italien-illyrisches-blatt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/?p=2839","title":{"rendered":"&#8220;Die heutigen Improvisatoren in Italien&#8221; (<i>Illyrisches Blatt<\/i>)"},"content":{"rendered":"<div id=\"aei-root\" lang=\"en-GB\"><!-- suid=150 --><\/p>\n<dl id=\"aei-dl-meta\">\n<dt>Performer Name:<\/dt>\n<dd>Taddei; Sgricci<\/dd>\n<dt>Performance Venue:<\/dt>\n<dd>Rome; Milan; Florence; Venice<\/dd>\n<dt>Performance Date:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">1818<\/dd>\n<dt>Author:<\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/dd>\n<dt>Date Written:<\/dt>\n<dd>1820<\/dd>\n<dt>Language:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">German<\/dd>\n<dt>Publication Title:<\/dt>\n<dd>Illyrisches Blatt\n<\/dd>\n<dt>Article Title:<\/dt>\n<dd>Die heutigen Improvisatoren in Italien<\/dd>\n<dt>Page Numbers:<\/dt>\n<dd>122-24<\/dd>\n<dt>Additional Info:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">28 July 1820 (No. 30)<\/dd>\n<dt>Publisher:<\/dt>\n<dd>Verlag des I. A. E. v. Kleinmayr<\/dd>\n<dt>Place of Publication:<\/dt>\n<dd>Ljubljana<\/dd>\n<dt>Date Published:<\/dt>\n<dd>1820<\/dd>\n<\/dl>\n<p class=\"aei-one-line-down\"><strong>Text:<\/strong><\/p>\n<blockquote id=\"aei-blockquote\" lang=\"de\">\n<p>[122] Dante, der S\u00e4nger der g\u00f6ttlichen Kom\u00f6die, starb 1321, in demselben Jahrhundert bl\u00fchten auch Petrarca und Boccacio, in Deutschland sammelte damahls R\u00fcdiger von Manesse die Minnelieder, Tyll Eulenspiegel mag ein Zeitgenosse der Meisters\u00e4nger seyn, die nach der Ritterpoesie, welche mehr in den F\u00fcrstens\u00e4len und auf den Ritterburgen ihre Heimath hatte, in den aufbl\u00fchenden St\u00e4dten sich an die Gilden und Z\u00fcnfte anschlossen. So hatten wir in Deutschland wandernde S\u00e4nger und Improvisatoren, w\u00e4hren in Italien die grossen Dichter auftraten. Vierhundert Jahre nach [123] Dante, lebt in Deutschland Goethe, und in Italien werden wandernde Musageten und Improvisatoren mit Kr\u00e4nzen und Siegeszeichen geschm\u00fcckt. Da\u00df das Beste geleistet werde, wo Viele dichten, hat die Geschichte niergend gelehrt; wo Einer gefeyert ward, oder wenige, da vertheilte die Poesie einen g\u00fcltigeren Preis, als wo die Menge sich in ihren heiligen Hain dr\u00e4ngte. Und so nehmen auch die Italiener es als ein Zeichen des Verfalls ihrer Dichtkunst an, da\u00df sie zur Kunst der Improvisatoren geworden ist. Zu unbillig aber w\u00e4re das Urtheil, wenn wir die heutigen besseren Improvisatoren in Intalien nur neben die Meisters\u00e4nger des vierzehnten Jahrhunderts stellen wollten; zwar gibt es dort auch Stra\u00dfenimprovisatoren, B\u00e4nkels\u00e4nger, die bereit sind, \u00fcber jedes gegebene Thema mit Text und Musik und Gesang zugleich aufzutreten, doch unterscheiden diese sich gar sehr von denen, die im <i>Theatro della Valle<\/i> und im venetianischen Pallast in Rom Akademien geben.<\/p>\n<p>Hr. W. M\u00fcller aus Dessau, der sich 1817 mit dem preu\u00dfischen Kammerherrn von Sack auf Reisen begab, und Hoffnung machte, sich nach Athen zu wenden, und von da aus neuen Aufschlu\u00df \u00fcber alte Tr\u00fcmmer zu geben, hat nur Italien erreicht und sich hier, wie Hannibal, wenn auch nicht in Capua, festhalten lassen; <i>ante portas<\/i> blieb er auch nicht, sondern trat ein in die ewige Roma. Er r\u00fchmt in seinem Reiseberichte* besonders zwey Improvisatoren, die er in Rom h\u00f6rte: Rosa Taddei, als Arkadierin, Licori Partenopea genannt, ein siebzehnj\u00e4hriges M\u00e4dchen, und Tommaso Sgricci aus Arezzo, der sich als Arkadier Terpandro nennt.<\/p>\n<p>Rosa Taddei gab mehrere Akademien im <i>Theatro della Valle<\/i>; der Hergang dabey ist gew\u00f6hnlich dieser: An dem Eingang zum Parterre steht eine silberne Urne, in die ein jeder Hereintretende einen Zettel mit einer Aufgabe werfen darf. Eine einfache Musik k\u00fcndigt den Auftritt der Dichterinn an, sie erscheint, die silberne Urne wird ihr auf das Theater gebracht, ein Fremder zieht eine bestimmte Anzahl von Aufgaben hervor, liest sie laut ab, und \u00fcbergibt sie der Dichterinn. In der Akademie, die sie am 24. Februar 1818 gab, wurden folgende Aufgaben gezogen: <i>La Morte del Conte Ugolino, Saffo e Faone, la Morte d&#8217;Ifigenia, la Morte d&#8217;Egeo, il cinto di Venere, Coriolano.<\/i> Ehe sie das erste Gedicht begann, ging sie, sich besinnend, einigemahl auf und ab, dann nannte sie dem Orchester eine Nummer, die\u00df spielte ein Gesangst\u00fcck einigemahl durch, und nun fiel sie mit ihrer Klage um den Grafen Ugolino ein, bald singend, bald declamirend, so da\u00df es den Italienern, die an ein <i>Parlando<\/i>, an ein <i>Recitativo Secco<\/i> in ihren Opern gew\u00f6hnt sind, harmonisch genug d\u00fcnken mochte. Zu jeder Aufgabe bestellte sie neue Musik, forderte von dem Publikum zuweilen Interkalarverse und Endreime, lie\u00df sich auch die Form einiger Gedichte vorschreiben. Nach jedem Vortrage sank sie ersch\u00f6pft auf den Sessel, der heilige Wahnsinn, der sie w\u00e4hrend des Gesanges ergriff, zog immer eine Ohnmacht nach sich, aus der sie der rauschende Beyfall der Menge und ein Glas Eiswasser wieder weckte.<\/p>\n<p>Tommaso Sgricci trat zuerst in Florenz und einigen andern toskanischen St\u00e4dten, dann in Venedig und Mailand auf, und gab in der gro\u00dfen Fastenzeit 1818 in Rom vier Akademien im venetianischen Pallaste. Er tr\u00e4gt seine Aufgabe ohne Musik vor und ist von so au\u00dferordentlichem Reichthum, Gewandtheit und Gegenwart des Geistes, und so geschickt in dramatischer Darstellung, da\u00df er nicht etwa nur einzelne Romanzen, wo ihm Gegenstand und Versmaa\u00df gegeben wird, sogleich vortr\u00e4gt, sondern unter seine Aufgaben fordert er Sujets zu Trauerspielen, die er dichtend auff\u00fchrt. Die verschiedenen handelnden Personen wei\u00df er [124] durch Stimmenunterschied, durch Haltung und Wendung des K\u00f6rpers genau zu bezeichnen, da\u00df er \u00fcbermenschliches zu leisten scheint. In einer der Akademien, die er gab, wirden folgende Aufgaben gezogen: <i>Le Nozze di Amore e Psiche<\/i> in Terzianen. <i>La Morte di Saffo<\/i> in <i>Versi Sciolti. La Morte di Socrate<\/i>, Trag\u00f6die in drey Abtheilungen mit Ch\u00f6ren. Nur unter italienischem Himmel kann so gl\u00fchende Begeisterung reifen, und nur diese romanische Sprache ist biegsam, melodisch und reich genug, um so aufwallenden Gef\u00fchlen Worte zu geben und diesem unb\u00e4ndig vor\u00fcberrauschenden Geiste ein Kleid zu leihen, wodurch er menschlichen Augen sichtbar wird. Die deutsche Sprache fordert dagegen von dem Dichter, da\u00df er mit Ernst den Gedanken fasse, und will er zumahl reimen, dann ist ihm noch ein Gebi\u00df mehr angelegt; in Italien w\u00fcrde niemahls Einer darauf kommen, ein Noth- und H\u00fclfsbuch f\u00fcr die Poeten, wie H\u00fcbners Reimlexicon, anzulegen. &mdash;<\/p>\n<p>Die <i>Academia Tiberina<\/i> gab dem Dichter zu Ehren ein Fest, wo ihm die goldne Ehrenmedaille \u00fcberreicht wurde. Auch hier hatte er sich zu einer Darstellung erboten, aus den gesammelten Aufgaben zog ein Akademiker diese zwey <i>Coriolano<\/i> in <i>Versi Sciolti<\/i> und <i>la Morte di Lucretia<\/i>, Trag\u00f6die in drey Abtheilungen mit Ch\u00f6ren. Hier vornehmlich, wo er zum erstenmahle als gekr\u00f6nter Poet auftrat, \u00fcberbot er an Anstrengung und Ausf\u00fchrung seine fr\u00fcheren Leistungen, und wenn auch, niedergeschrieben, seine Dichtungen sich oft etwas grau ausnehmen w\u00fcrden, so ist doch ihr Farbenspiel w\u00e4hren der Darstellung so heiter und erfreulich und durch seinen Vortrag so ergreifend, da\u00df er f\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Meister seiner Kunst allgemein in Italien geachtet wird. Ein Fortschreiten der Kunst im Allgemeinen kann aber dieses Improvisiren nicht genannt werden, vielmehr ist es ein unverkennbarer R\u00fcckschritt, denn wenn der Poesie zu ihrem Elemente der Gedanke, das Wort gegeben ist, so scheint sie durch die\u00df Improvisiren wiederum mehr in den Bereich der Musik, wo das Gef\u00fchl nie zum klaren Bewu\u00dftsein kommt, zur\u00fcckzufallen.<\/p>\n<p>Unerkl\u00e4rlich w\u00fcrde es seyn, wie die Improvisatoren jeder Aufgabe gen\u00fcgen, wenn sie nicht von den Gemeinpl\u00e4tzen der r\u00f6mischen und griechischen Mythologie und Geschichte einigen Stoff bearbeitet, bey sich im Kopfe herumtr\u00fcgen, und so helfen sie auch in den improvisirten Dramen sich mit vorr\u00e4thigen Scenen, und von dem sterbenden Sokrates h\u00f6rt man heute \u00c4hnliches wieder, was man gestern von dem sterbenden Seneca h\u00f6rte, wie man sich auf jedem Theater es auch gefallen lassen mu\u00df, zwischen den W\u00e4nden, die heute das Zimmer der Prinzessin Eboli schm\u00fcckten, morgen die Vestalin zu finden. Sngr. Sgricci unterscheidet sich jedoch an gr\u00fcndlicher, wissenschaftlicher Bildung vortheilhaft von allen andern Zunftgenossen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>* Rom, R\u00f6mer und R\u00f6merinnen, eine Sammlung vertrauter Briefe aus Rom und Albano von W. M\u00fcller. Berlin 1820. Bey Dunker und Humblot. <\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"aei-one-line-down\"><strong>Notes:<\/strong><\/p>\n<div id=\"aei-blocktext\">\n<\/p><\/div>\n<dl id=\"aei-dl-meta-unimportant\">\n<dt>Collected by:<\/dt>\n<dd> EW<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drawing on Wilhelm von M\u00fcller&#8217;s <i>Rom, R\u00f6mer und R\u00f6merinnen<\/i>, the article describes Sgricci and Taddei, the most famous Italian improvisatori of the day. The author is of the opinion that improvisation, although impressive and captivating, represents a regression (rather than progress) in the art of poetry. <\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27,134],"tags":[63,77,55,73,68,80],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2839"}],"collection":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2839"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2839\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3032,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2839\/revisions\/3032"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2839"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2839"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2839"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}