{"id":442,"date":"2016-05-13T11:38:40","date_gmt":"2016-05-13T15:38:40","guid":{"rendered":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/?p=442"},"modified":"2016-07-24T06:44:11","modified_gmt":"2016-07-24T10:44:11","slug":"suid094","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/?p=442","title":{"rendered":"Karl August B\u00f6ttiger, &#8220;Der Veronesische Improvisator Scotes&#8221;"},"content":{"rendered":"<div id=\"aei-root\" lang=\"en-GB\"><!-- suid=94 --><\/p>\n<dl id=\"aei-dl-meta\">\n<dt>Performer Name:<\/dt>\n<dd> Scotes<\/dd>\n<dt>Performance Venue:<\/dt>\n<dd> Weimar<\/dd>\n<dt>Performance Date:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\"> 1802<\/dd>\n<dt>Author:<\/dt>\n<dd> B\u00f6ttiger, Karl August<\/dd>\n<dt>Date Written:<\/dt>\n<dd>1802<\/dd>\n<dt>Language:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\"> German<\/dd>\n<dt>Publication Title:<\/dt>\n<dd> Journal des Luxus und der Moden<\/dd>\n<dt>Article Title:<\/dt>\n<dd> Der Veronesische Improvisator Scotes<\/dd>\n<dt>Page Numbers:<\/dt>\n<dd> 394-97<\/dd>\n<dt>Additional Info:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">&nbsp;<\/dd>\n<dt>Publisher:<\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/dd>\n<dt>Place of Publication:<\/dt>\n<dd> Weimar<\/dd>\n<dt>Date Published:<\/dt>\n<dd> 1802<\/dd>\n<\/dl>\n<p class=\"aei-one-line-down\"><strong>Text:<\/strong><\/p>\n<blockquote id=\"aei-blockquote\"  lang=\"de\">\n<p>[394] Hr. Scotes war uns von Dresden und Berlin aus mit so ungew\u00f6hnlichen Lobeserhebungen angek\u00fcndigt worden, da\u00df allerdings die Erwartung sehr gespannt, und schon darum eher gegen als f\u00fcr ihn seyn mu\u00dfte. Aber der tadels\u00fcchtigste der G\u00f6tter, und w\u00e4re er eben aus dem Boudoir seines alten Freundes Lucan selbst hergekommen, w\u00fcrde das unvergleichliche Talent dieses Virtuosen in allen freien Improvisatork\u00fcnsten unangefochten gelassen und sich h\u00f6chstens nur so, wie einst an den knisternden Pantoffel, so hier an gewisse Eigenheiten des Vortrags und der Stimme gehalten haben. Nachdem Herr Scotes hier in einigen h\u00f6chst achtungsw\u00fcrdigen Privatzirkeln die auffallendsten Proben seiner vielversuchten Fertigkeit und Gewandtheit gegeben und \u00fcberall den ungetheiltesten Beifall einge\u00e4rndet hatte, hielt er heute Abends eine \u00f6ffentliche Akademie vor einem zahlreichen Publikum, unter welchem sich mehrere ganz kompethente und zum Theil in Italiens Kunstgarten, wo diese Pflanze allein noch einheimisch ist, mit allen Eigenheiten derselben vertraut gewordene Zuh\u00f6rer befanden. Der K\u00fcnstler gestattete sich keine der sonst gew\u00f6hnlichen Erleichterungsmittel, als Begleitung von einem Instrument, weit hergeholte Episoden, Gemeinpl\u00e4tze, Einleitungen, Compli-[395]-mente. Nur wenige Augenblicke, nachdem die Aufgabe gesprochen ist, und ein unausfaltsamer Strom harmonischer Reden entquillt schon seinem Innern und rauscht unaufgehalten dem vorgesteckten Ziele zu. Die erste Aufgabe war die Flucht der Musen aus Griechenland nach Italien, ein Thema, dessen \u00fcberstr\u00f6menden Reichthum der verst\u00e4ndige K\u00fcnstler \u00fcberall sehr gut zu beherrschen und durch eine feine Anordnung lichtvoll darzustellen wu\u00dfte. Durch eine Galerie der ber\u00fchmtesten Dichternamen aus dem alten Griechenland und dem alten und neuen Italien, wovon jeder ein charakteristisches Tableau aus seinen Gedichten beitragen mu\u00dfte, f\u00fchrte uns der bekannte Schnells\u00e4nger, um einmal mit Hrn. Campe zu reden, zu der jetzigen traurigen Lage seines, durch Krieg und Parteigeist ver\u00f6deten Vaterlandes und begleitete nun die Musen, die jenen Schrecknissen entflohen, \u00fcber die Alpen in das friedliche Teutschland der geistreichen und selbst als Dichterin ber\u00fchmten Dame gegen\u00fcber, die diese Aufgabe auf dringendes Bitten der Gesellschaft ausgesprochen hatte. Einigen Anwesenden schien dieser Gegenstand f\u00fcr einen solchen Dichter zu leicht. Der Herr Geh. Rath v. Goethe nannte also ein weit beschr\u00e4nkteres, aber eben darum wahren K\u00fcnstler zum Aufgebot seiner ganzen Dichtersch\u00e4tze noch willkommeneres Thema: das Vergn\u00fcgen eines italienischen Zuschauers in einem Nationallustspiel an den vier bekannten Charaktermasken. Mit sichtbarer Freude ergriff der stets fertige Improvisator diesen Stoff fast ohne alles vorhergehende Nachdenken, und nachdem er im Eingang diesen Gegenstand sehr sinnreich mit dem vorhergehenden verkn\u00fcpft und gezeigt hatte, da\u00df jetzt nicht Zeit zur \u00e4ngstlichen Wehklage, sondern zur lachenden Fr\u00f6hlichkeit sey, zeigte er mit der le-[396]-bendigsten Anschauung und einer treffenden Mimik alle charakteristischen Eigenschaften des Arlechino, Pantalone, Brighella und Tartaglia, indem er sie durch eine ganze Reihe komischer Situationen durchf\u00fchrte und mit dem ganzen unersch\u00f6pflichen Reichthum \u00e4chtitalienischer Lazzi, soweit sie die Sprache aufnimmt, und burlesker Einf\u00e4lle ausstattete. Auch hier, wie bei jeder andern Gelegenheit, zeigte sich die, an K\u00fcnstlern seiner Art besonders seltene, ihm aber ganz eigene Fertigkeit einer klaren Exposition. Erst zeichnete er jene scherzhaften Figuren nur in allgemeinen Umrissen, dann ging er sie aufs Neue mit belebender Ausf\u00fchrlichkeit durch. Rauschender Beifall beschlo\u00df diese Szene, der doch nur gerechte Anerkennung des erprobten Verdienstes war. Nun erbat er sich eine Situation aus dem alten Fabel- und Dichtungskreis. Sapphos Monolog, ehe sie sich vom Leucadischen Felsen st\u00fcrzte, wurde beliebt. Hierauf verlangte er einen <i>Intercalare<\/i>, oder in jeder Strophe wiederkommenden Vers. Folgender wurde niedergeschrieben:<\/p>\n<p class=\"aei-setoff1\"><i>Ponga fine omai la morte<br \/>\nAl mio barbaro penar<\/i><\/p>\n<p>Endlich wurde jeder Anwesende aufgefordert, irgendeinen Reim auf <i>morte<\/i> aufzuschreiben. In der reimreichsten Sprache waren f\u00fcnfzehn schnell zusammengebracht. Kaum waren diese in die H\u00e4nde des gleichfalls anwesenden Hrn. Jagemanns gegeben, so begann auch schon das Improvisiren einer schmelzenden sanft durchgef\u00fchrten Heroide, wobei immer nach Endigung der vier ersten Verse Hr. Jagemann jeder Strophe stets einen Reim vorsagte, den der Improvisator stehenden Fu\u00dfes, ohne sich nur ei-[397]-nen Anschein von Aufschub zu gestatten, so geschickt einflocht, als h\u00e4tte nur dieser Reim allein hier seine Stelle verdient, und dann mit obigem Refrein die Strophe schlo\u00df. So viel Reime, so viel Strophen, jede neu gewandt, jede im Karakter der verzweifelnden Sappho mahlerisch durchgef\u00fchrt, das Ganze in einem ununterbrochenen Flu\u00df von Wohllaut und sanftathmender Klage, so widerspenstig und komisch auch einzelne Reime allein f\u00fcr sich schienen. Das Erstaunen der Zuh\u00f6rer konnte nach einer solchen Probe schwerlich h\u00f6her steigen, und so brach die Gesellschaft, vollkommen befriedigt, auf, obgleich Hr. Scotes gern noch einige Sujets behandelt h\u00e4tte, und diesen Wunsch auch laut genug zu erkennen gab.<\/p>\n<p>M\u00f6ge diesem seltnen K\u00fcnstler nie ein Kunstliebendes Publikum fehlen! Er kommt, wohin er kommt, stets mit der besten Gesellschaft, im Geleite der Musen, an deren im Alterthum gepriesenen Begeisterungen und Eingebungen man bei seinem Anblick wirklich zu glauben anf\u00e4ngt. Er ist dabei selbst ein sehr gebildeter, angenehmer Gesellschafter, und besitzt die franz\u00f6sche und teutsche Sprache so gut, da\u00df er in beiden sogar kleine Impromptus mit Gl\u00fcck zu dichten versuchte.<\/p>\n<p>B\u00f6ttiger<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"aei-one-line-down\"><strong>Notes:<\/strong><\/p>\n<div id=\"aei-blocktext\">\n<p>Dated 15 June 1802.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<dl id=\"aei-dl-meta-unimportant\">\n<dt>Collected by:<\/dt>\n<dd> DP<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>B\u00f6ttiger describes the talents of the improvisatore Pietro Scotes by recounting in detail a performance by Scotes that he himself was witness to. The subjects of Scotes&#8217; performances include the flight of the muses from Greece to Italy, a sketch of the viewership of Italian theatre, and Sappho&#8217;s final monologue before her suicide. <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27,134],"tags":[85,86],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/442"}],"collection":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=442"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/442\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1715,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/442\/revisions\/1715"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=442"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=442"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=442"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}