{"id":552,"date":"2016-05-13T18:40:59","date_gmt":"2016-05-13T22:40:59","guid":{"rendered":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/?p=552"},"modified":"2016-08-23T19:33:36","modified_gmt":"2016-08-23T23:33:36","slug":"suid149","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/?p=552","title":{"rendered":"O. L. B. Wolff, <i>Portraits und Genrebilder: Erinnerungen und Lebens-Studien<\/i>"},"content":{"rendered":"<div id=\"aei-root\" lang=\"en-GB\"><!-- suid=149 --><\/p>\n<dl id=\"aei-dl-meta\">\n<dt>Performer Name:<\/dt>\n<dd> Wolff<\/dd>\n<dt>Performance Venue:<\/dt>\n<dd>Bremen, Hannover, Celle, Braunschweig, Wolfenb\u00fcttel, Berlin, Weimar, Hamburg<\/dd>\n<dt>Performance Date:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">1825-26<\/dd>\n<dt>Author:<\/dt>\n<dd> Wolff, Oscar Ludwig Bernhard<\/dd>\n<dt>Date Written:<\/dt>\n<dd>1838<\/dd>\n<dt>Language:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\"> German<\/dd>\n<dt>Publication Title:<\/dt>\n<dd> Portraits und Genrebilder: Erinnerungen und Lebens-Studien<\/dd>\n<dt>Article Title:<\/dt>\n<dd> Eigenes. Statt der Vorrede<\/dd>\n<dt>Page Numbers:<\/dt>\n<dd>xlviii-xciv<\/dd>\n<dt>Additional Info:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">Part 1<\/dd>\n<dt>Publisher:<\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/dd>\n<dt>Place of Publication:<\/dt>\n<dd> Cassl and Leipzig<\/dd>\n<dt>Date Published:<\/dt>\n<dd> 1839<\/dd>\n<\/dl>\n<p class=\"aei-one-line-down\"><strong>Text:<\/strong><\/p>\n<blockquote id=\"aei-blockquote\"  lang=\"de\">\n<\/p>\n<p>[xlviii]  Bei der Lebhaftigkeit, mit der ich alles Neue zu ergreifen und [xlix] mir anzueignen pflegte, kam ich sogleich auf die Frage, warum niemals bei den n\u00f6rdlichen Nationen sich \u00c4hnliches gezeigt habe. Mein eben so welterfahrener als gelehrter Mentor antwortete mir nicht ohne einigen versteckten Hohn, sie k\u00f6nnten es nicht, die Natur habe es ihnen nicht gegeben, ihr Blut fliesse zu langsam durch die Adern; dergleichen k\u00f6nne man nur, wenn man das Feuer der S\u00f6hne des S\u00fcdens besitze, und in jenen herrlichen Umgebungen, welche den Geist sch\u00f6n ohne sein Zuthun poetisch stimmten, aufgewachsen sei. <\/p>\n<p>[xci] Tieck, dem ich sp\u00e4ter Goethe&apos;s Ausspruch erz\u00e4hlte, sch\u00fcttelte zwar mit dem Kopfe, sagte mir aber nicht genau seine Meinung, wie ich \u00fcberhaupt kein entschiedenes Urtheil \u00fcber meine Improvisationen von ihm erlangen konnte, so freundlich er sich auch daf\u00fcr interessirte und so oft er mich auch dazu aufforderte. [&#8230;] Noch w\u00e4hrend meiner Anwesenheit in Weimar wurde mir von Goethe&#8217;s erhabenem Freunde, dem Grossherzoge Karl August, eine Professur am dortigen Gymnasium angetragen, die ich mit lebhaftem Danke annahm. Da ich schon l\u00e4ngst im Innern grossen Widerwillen gegen diese Art, mein Talent zu Markte zu tragen, [xcii] (und doch liess es sich nicht anders machen, wollte ich es \u00f6ffentlich produciren), empfunden hatte. Der Deutsche besitzt einmal eine seltsame Abneigung gegen alle \u00d6ffentlichkeit, deren Zweck der Gelderwerb ist und wird dadurch leicht ungerecht gegen Personen, die auf solche Weise ein Talent oder eine Kunst aus\u00fcben, weil er meint, sie mit seinem Mammon abfinden zu k\u00f6nnen und sich daher hoch \u00fcber sie stellt. Es ist dies eigentlich ein entsetzlich philisterhafter Zug, aber er beruht auf unserem innersten Wesen und wird sich sobald nicht ausrotten lassen. Muss ich nicht noch jetzt, nach dreizehn Jahren, w\u00e4hrend deren ich der Laufbahn, f\u00fcr die ich mich schon als Student bestimmte, treu geblieben bin, h\u00e4ufig das Wort Improvisator, als Beiwort zu meinem Namen gesetzt, wie eine Art von Vorwurf lesen, mit dem man mir zu verstehn geben will, dass ich eigentlich nie Zunftrecht in der gelehrten Welt finden d\u00fcrfe, weil ich einmal durch mein pers\u00f6nliches Hinaustreten in die \u00d6ffentlichkeit, wenn auch nur auf einer kaum halbj\u00e4hrigen Kunstreise, die der gelehrten Zunft angewiesenen Schranken durchbrochen habe. Was bei jeder anderen Nation stets r\u00fchmliche Erw\u00e4hnung finden w\u00fcrde, namentlich, wenn Jemand dort, wie ich in Deutschland, der Erste gewesen [xciii] der es versucht h\u00e4tte, etwas als m\u00f6glich zu beweisen, was man bisher bei seinem Volke f\u00fcr unm\u00f6glich gehalten, das findet bei uns einen heimlichen Tadel, zwar nur von Stubengelehrten, die mich weder geh\u00f6rt noch \u00fcberhaupt einen Begriff von der ganzen Sache haben, oder von neidischen Journalisten, die in ihrer Impotenz jede selbstst\u00e4ndige Kraft hassen, aber es findet ihn doch und keine Stimme erhebt sich dagegen. &#8212; Dieser Kampf mit spiessb\u00fcrgerlicher Beschr\u00e4nktheit und den daraus entspringenden Anmassungen und \u00dcberhebungen l\u00e4hmt jeden freien Ausflug, t\u00f6dtet jegliches Talent vor der Zeit. In Frankreich und England ist Jeder, der eine freie Kunst frei aus\u00fcbt, in der Gesellschaft ein Edelmann, bei uns ein Paria, den man wohl an grossen Tagen zur Unterhaltung der G\u00e4ste in seine Kreise zieht, der aber dann auch auf Commando singen oder pfeifen soll, und streng betrachtet, doch der Ehre, die man ihm dadurch erweist unwerth ist. &#8212; Anspr\u00fcche darf er nun vollends nicht machen, und wehe ihm, wenn er sich einfallen lassen will, einmal seine K\u00fcnste nicht produciren, und anstatt zu amusiren, selbst amusirt sein, kurz auf gleicher H\u00f6he mit den \u00fcbrigen Eingeladenen stehn zu wollen. &#8212; Nur in den h\u00f6chsten Gesellschaften findet eine ehrenvolle [xciv] Behandlung eines K\u00fcnstlers und eine Gleichstellung mit jedem anderen Anwesenden Statt; unsere h\u00f6chsten Gesellschaften sind aber auch nicht mehr deutsch, sondern europ\u00e4isch. &#8212;<\/p>\n<p>Dies hatte ich mir auch keinesweges verhehlt, trotz dem Weihrauch, der mir zu Zeiten, oft bis zum Ersticken, gestreut worden war, und ich ergriff daher willig die mir dargebotene ehrenvolle Gelegenheit, zu einer festen b\u00fcrgerlichen Stellung zur\u00fcckzukehren, zumal da ich formell mein Talent nach allen Richtungen hin gebildet, und nicht allein es dahin gebracht hatte, lyrisch, episch und dramatisch zu improvisiren, sondern auch mir jede Beschr\u00e4nkung, wie z.B. eigenth\u00fcmliche Strophenbildung, bestimmte W\u00f6rter und Reime, mit denen ich anfangen oder enden sollte und dergleichen Spielereien mehr, zugleich mit dem Thema vorschreiben zu lassen, ohne dass mich das im Mindesten st\u00f6rte. &#8212; Nachdem ich daher noch Leipzig und Dresden besucht und hier eine \u00fcberaus freundliche, mich wahrhaft begl\u00fcckende Aufnahme gefunden, kehrte ich auf kurze Zeit nach Hamburg zur\u00fcck, nahm daselbst, wo ich zuerst aufgetreten, in einer improvisatorischen Soiree von Freunden und G\u00f6nnern, so wie von der \u00f6ffentlichen Aus\u00fcbung meines Talentes Abschied und trat dann, am 9ten Mai 1826 (Schillers Todestage) mit frischem Muthe in mein neues Amt ein, das ich sp\u00e4ter mit meinem jetzigen Berufe vertauschte.\n<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"aei-one-line-down\"><strong>Notes:<\/strong><\/p>\n<div id=\"aei-blocktext\">\n<\/p><\/div>\n<dl id=\"aei-dl-meta-unimportant\">\n<dt>Collected by:<\/dt>\n<dd> AE<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In this autobiographical introduction, Wolff relates how he invented improvisation in German, undertaking a quest to obtain advice and evaluations of whether his talent is or is not genuine. Wolff doesn&apos;t trust the judgement of journalists and critics, which he believes derives from their jealousy of him. Instead, he will listen to the opinions of admiring audiences and true artists, above all Goethe. Goethe finally gives him the advice he was seeking &#8212; which also leads, however, to the end of Wolff&apos;s brief career as a touring improviser when Goethe critiques his improvisations as too sentimental and subjective.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27,134],"tags":[132,130,127,129,133,128,86,131,126],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/552"}],"collection":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=552"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/552\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1583,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/552\/revisions\/1583"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=552"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=552"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=552"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}