{"id":636,"date":"2016-05-13T22:24:18","date_gmt":"2016-05-14T02:24:18","guid":{"rendered":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/?p=636"},"modified":"2017-01-03T19:16:23","modified_gmt":"2017-01-04T00:16:23","slug":"suid188","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/?p=636","title":{"rendered":"&#8220;Die heutigen Improvisatoren in Italien&#8221;"},"content":{"rendered":"<div id=\"aei-root\" lang=\"en-GB\"><!-- suid=188 --><\/p>\n<dl id=\"aei-dl-meta\">\n<dt>Performer Name:<\/dt>\n<dd>Taddei; Sgricci<\/dd>\n<dt>Performance Venue:<\/dt>\n<dd>Rome<\/dd>\n<dt>Performance Date:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">1818<\/dd>\n<dt>Author:<\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/dd>\n<dt>Date Written:<\/dt>\n<dd>1820<\/dd>\n<dt>Language:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\"> German<\/dd>\n<dt>Publication Title:<\/dt>\n<dd> Morgenblatt f\u00fcr gebildete St\u00e4nde<\/dd>\n<dt>Article Title:<\/dt>\n<dd> Die heutigen Improvisatoren in Italien<\/dd>\n<dt>Page Numbers:<\/dt>\n<dd> 578-80<\/dd>\n<dt>Additional Info:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">16 June 1820 issue (No. 144)<\/dd>\n<dt>Publisher:<\/dt>\n<dd>J. G. Cotta&#8217;sche Buchhandlung<\/dd>\n<dt>Place of Publication:<\/dt>\n<dd>Stuttgart and T\u00fcbingen<\/dd>\n<dt>Date Published:<\/dt>\n<dd> 1820<\/dd>\n<\/dl>\n<p class=\"aei-one-line-down\"><strong>Text:<\/strong><\/p>\n<blockquote id=\"aei-blockquote\"  lang=\"de\">\n<p>[578] Dante, der S\u00e4nger der g\u00f6ttlichen Kom\u00f6die, starb 1321, in demselben Jahrhundert bl\u00fchten auch Petrarca und Bocaccio, in Deutschland sammelte damals R\u00fcdiger von Manesse die Minnelieder, Tyll Eulenspiegel mag ein Zeitgenosse der Meisters\u00e4nger seyn, die nach der Ritterpoesie, welche mehr in den F\u00fcrstens\u00e4len und auf den Ritterburgen ihre Heimath hatte, in den aufbl\u00fchenden St\u00e4dten sich an die Gilden und Z\u00fcnfte anschlossen.  So hatten wir in Deutschland wandernde S\u00e4nger und Improvisatoren, w\u00e4hrend in Italien die gro\u00dfen Dichter auftraten.  Vierhundert Jahre [579] nach Dante, lebt in Deutschland Goethe, und in Italien werden wandernde Musageten und Improvisatoren mit Kr\u00e4nzen und Siegeszeichen geschm\u00fcckt.  Da\u00df das Beste geleistet werde, wo viele dichten, hat die Geschichte nirgend gelehrt; wo Einer gefeiert ward, oder Wenige, da vertheilte die Poesie einen g\u00fcltigeren Preis, als wo die Menge sich in ihren heiligen Hain dr\u00e4ngte.  Und so nehmen auch die Italiener es als ein Zeichen des Verfalls ihrer Dichtkunst an, da\u00df sie zur Kunst der Improvisatoren geworden ist.  Zu unbillig aber w\u00e4re das Urtheil, wenn wir die heutigen besseren Improvisatoren in Italien nur neben die Meisters\u00e4nger des vierzehnten Jahrhunderts stellen wollten; zwar giebt es dort auch Stra\u00dfenimprovisatoren, B\u00e4nkels\u00e4nger, die bereit sind, \u00fcber jedes gegebene Thema mit Text und Musik und Gesang zugleich aufzutreten, doch unterscheiden diese sich gar sehr von denen, die im <i>theatro della Valle<\/i> und im venetianischen Pallast in Rom Akademien geben.<\/p>\n<p>Hr. W M\u00fcller aus Dessau, der sich 1817 mit dem preu\u00dfischen Kammerherrn von Sack auf Reisen begab, uns Hoffnung machte, sich nach Athen zu wenden, und von da aus neuen Aufschlu\u00df \u00fcber alte Tr\u00fcmmer zu geben, hat nur Italien erreicht und sich hier, wie Hannibal, wenn auch nicht in Capua, festhalten lassen; <i>ante portas<\/i> blieb er aber auch nicht, sondern trat ein in die ewige Roma.  Er r\u00fchmt in seinem Reiseberichte* besonders zwey Improvisatoren, die er in Rom h\u00f6rte: Rosa Taddei, als Arkadierin, Licori Partenopea genannt, ein seibenzehnj\u00e4hriges M\u00e4dchen, und Tommaso Sgricci aus Arezzo, der sich als Arkadier Terpandro nennt.<\/p>\n<p>Rosa Taddei gab mehrere Akademien im <i>Theatro della Valle<\/i>; der Hergang dabey ist gew\u00f6hnlich dieser: An dem Eingang zum Paterre steht eine silberne Urne, in die ein jeder Hereintretende einen Zettel mit einer Aufgabe werfen darf.  Eine einfache Musik k\u00fcndigt den Auftritt der Dichterin an, sie erscheint, die silberne Urne wird ihr auf das Theater gebracht, ein Fremder zieht eine bestimmte Anzahl von Aufgaben hervor, liest die laut ab, und \u00fcbergiebt sie der Dichterin.  In der Akademie, die sie am 24. Febr. 1818 gab, wurden folgende Aufgaben gezogen: <i>La Morte del Conte Ugolino<\/i>, <i>Saffeo e Faone<\/i>, <i>la Morte d&apos;Ifigenia<\/i>, <i>la Morte d&apos;Egeo<\/i>, <i>il cinto di Venere<\/i>, <i>Coriolano<\/i>.  Eh sie das erste Gedicht begann, ging sie, sich besinnend, einigemal auf und ab, dann nannte sie dem Orchester eine Nummer, die\u00df spielte ein Gesangst\u00fcck einigemal durch, und nun fiel sie mit ihrer Klage, um den Grafen Ugolino ein, bald singend, bald deklamirend, so da\u00df es den Italienern, die an ein <i>Parlando<\/i>, an ein <i>Recitativo Secco<\/i> in ihren Opern gew\u00f6hnt sind, harmonisch genug d\u00fcnken mochte.  Zu jeder Aufgabe bestellte sie neue Musik, forderte von dem Publikum zuweilen Intercalarverse und Endreime, lie\u00df sich auch die Form einiger Gedichte vorschreiben.  Nach jedem Vortrage sank sie ersch\u00f6pft auf den Sessel, der heilige Wahnsinn, der sie w\u00e4hrend des Gesanges ergriff, zog immer eine Ohnmacht nach sich, aus der sie der rauschende Beyfall der Menge und ein Glas Eiswasser wieder weckte.<\/p>\n<p>Tommaso Sgricci trat zuerst in Florenz und einigen andern toskanischen St\u00e4dten, dann in Venedig und Mailand auf, und gab in der gro\u00dfen Fastenzeit 1818 in Rom vier Akademien im venetianischen Pallaste.  Er tr\u00e4gt seine Aufgabe ohne Musik vor und ist von so au\u00dferordentlichem Reichthum, Gewandtheit und Gegenwart des Geistes, und so geschickt in dramatischer Darstellung, da\u00df er nicht etwa nur einzelne Romanzen, wo ihm Gegenstand und Versmaa\u00df gegeben wird, sogleich vortr\u00e4gt, sondern unter seine Aufgaben fordert er Sujets zu Trauerspielen, die er dichtend auff\u00fchrt.  Die verschieden handelnden Personen wei\u00df er durch Stimmenunterschied, durch Haltung und Wendung des K\u00f6rpers genau zu bezeichnen, da\u00df er Uebermenschliches zu leisten scheint.  In einer der Akademien, die er gab, wurden folgende Aufgaben gezogen: <i>Le Nozze di Amore e Psiche<\/i> in Terzianen.  <i>La Morte di Saffo<\/i> in <i>Versi Sciolti<\/i>  <i>La Morte di Socrate<\/i>, Trag\u00f6die in drey Abtheilungen mit Ch\u00f6ren.  Nur unter italienischem Himmel kann so gl\u00fchende Begeisterung reifen, und nur diese romanische Sprache ist biegsam, melodisch und reich genug, um so aufwellenden Gef\u00fchlen Worte zu geben und diesem unb\u00e4ndig vor\u00fcberrauschenden Geiste ein Kleid zu leihen, wodurch er menschlichen Augen sichtbar wird.  Die deutsche Sprache fordert dagegen von dem Dichter, da\u00df er mit Ernst den Gedanken fasse, und will er zumal reimen, dann ist ihm noch ein Gebi\u00df mehr angelegt; in Italien w\u00fcrde niemals Einer darauf kommen, ein Noth- und H\u00fclfsbuch f\u00fcr die Poeten, wie H\u00fcbners Reimlexicon, anzulegen. &mdash; <\/p>\n<p>Die <i>Academia Tiberina<\/i> gab dem Dichter zu Ehren ein Fest, wo ihm die goldne Ehrenmedaille \u00fcberreicht wurde.  Auch hier hatte er sich zu einer Darstellung erboten, aus den gesammelten Aufgaben zog ein Akademiker diese zwey: <i>Coriolano<\/i> in <i>Versi Sciolti<\/i> und <i>la Morte di Lucretia<\/i>, Trag\u00f6die in drey Abtheilungen mit Ch\u00f6ren.  Hier vornehmlich, wo er zum erstenmale als gekr\u00f6nter Poet auftrat, \u00fcberbot er an Anstrengung und Ausf\u00fchrung sine fr\u00fcheren Leistungen, und wenn auch, niedergeschrieben, seine Dichtungen sich oft etwas grau ausnehmen w\u00fcrden, so ist doch ihr Farbenspiel w\u00e4hrend der Darstellung so heiter und erfreulich und durch seinen Vortrag so ergreifend, da\u00df er f\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Meister seiner Kunst allgemein in Italien geachtet wird.  Ein Fortschreiten der Kunst im Allgemeinen kann aber dieses Improvisiren nicht genannt werden, vielmehr ist es ein unverkennbarer R\u00fcckschritt, denn wenn [580] der Poesie zu ihrem Elemente der Gedanke, das Wort gegeben ist, so scheint sie durch die\u00df Improvisiren wiederum mehr in den Bereich der Musik, wo das Gef\u00fchl nie zum klaren Bewusstseyn kommt, zur\u00fcckzufallen.<\/p>\n<p>Unerkl\u00e4rlich w\u00fcrde es seyn, wie die Improvisatoren jeder Aufgabe gen\u00fcgen, wenn sie nicht von den Gemeinpl\u00e4tzen der r\u00f6mischen und griechischen Mythologie und Geschichte einigen Stoff bearbeitet, bey sich im Kopfe herumtr\u00fcgen, und so helfen sie auch in den improvisirten Dramen sich mit vorr\u00e4thigen Scenen, und von dem sterbenden Sokrates h\u00f6rt man heute Aehnliches wieder, was man gestern von dem sterbenden Seneca h\u00f6rte, wie man sich auf jedem Theater es auch gefallen lassen mu\u00df, zwischen den W\u00e4nden, die heute das Zimmer der Prinzessin Eboli schmu\u00fcckten, morgen die Vestalin zu finden.  Sgnr. Sgricci unterscheidet sich jedoch an gr\u00fcndlicher, wissenschaftlicher Bildung vortheilhaft von allen andern Zunftgenossen.<\/p>\n<p>* Rom, R\u00f6mer und R\u00f6merinnen, eine Sammlung vertrauter Briefe aus Rom und Albano von W. M\u00fcller.  Berlin 1820.  Bey Dunker und Humblot.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"aei-one-line-down\"><strong>Notes:<\/strong><\/p>\n<div id=\"aei-blocktext\">\n<\/p><\/div>\n<dl id=\"aei-dl-meta-unimportant\">\n<dt>Collected by:<\/dt>\n<dd> AE<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An article describing improvisation in Italy, with specific accounts of performances by Sgricci and Taddei in Rome, based on the travel writings of Wilhelm M\u00fcller. The author of the article appreciates the talents of both improvisatori, but does not view improvisation as an advancement of art and poetry more generally. <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27,134],"tags":[55,73,68],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/636"}],"collection":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=636"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/636\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3236,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/636\/revisions\/3236"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=636"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=636"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=636"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}