{"id":652,"date":"2016-05-13T22:33:37","date_gmt":"2016-05-14T02:33:37","guid":{"rendered":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/?p=652"},"modified":"2017-01-01T17:59:54","modified_gmt":"2017-01-01T22:59:54","slug":"suid196","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/?p=652","title":{"rendered":"Johann Kreuser, <i>Homerische Rhapsoden oder Rederiker der Alten<\/i>"},"content":{"rendered":"<div id=\"aei-root\" lang=\"en-GB\"><!-- suid=196 --><\/p>\n<dl id=\"aei-dl-meta\">\n<dt>Performer Name:<\/dt>\n<dd>Sgricci; Pradel; Wolff; B\u00f6hringer; Sch\u00f6nemann; Langenschwarz; Binderei<\/dd>\n<dt>Performance Venue:<\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/dd>\n<dt>Performance Date:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">&nbsp;<\/dd>\n<dt>Author:<\/dt>\n<dd> Kreuser, Johann<\/dd>\n<dt>Date Written:<\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/dd>\n<dt>Language:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\"> German<\/dd>\n<dt>Publication Title:<\/dt>\n<dd>Homerische Rhapsoden oder Rederiker der Alten<\/dd>\n<dt>Article Title:<\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/dd>\n<dt>Page Numbers:<\/dt>\n<dd> 149-52, 308<\/dd>\n<dt>Additional Info:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">&nbsp;<\/dd>\n<dt>Publisher:<\/dt>\n<dd>M. DuMont-Schauberg<\/dd>\n<dt>Place of Publication:<\/dt>\n<dd> K\u00f6ln<\/dd>\n<dt>Date Published:<\/dt>\n<dd> 1833<\/dd>\n<\/dl>\n<p class=\"aei-one-line-down\"><strong>Text:<\/strong><\/p>\n<blockquote id=\"aei-blockquote\"  lang=\"de\">\n<p>[149] Zuerst nun fragen wir: gibt es und gab es Steggreifler [150] Dichter des Augenblickes ohne Vorbereitung, gleichviel, was die eigentliche Kunst davon halten mag?  Die Antwort f\u00e4llt bejahend aus; ja, das Steggreifeln scheint sogar einzurei\u00dfen troz unserer Schriftkunde. <i>Sgricci<\/i>, wiederhallte es vor einigen Jahren in allen Zeitschriften, und es staunten die Theetische und hatten keine Langeweile mehr. <i>Eugene de Pradel<\/i> kam 1824 aus Saint Pelagie, und Paris labte sich an dem Dichterbronnen, der leider schnell vertroknet ist.  Bei dem Deutschen zog dann <i>Wolf<\/i> umher, zieht vielleicht noch umher; recht besehen war&apos;s aber nur eine Wolfshaut. Zur Abendunterhaltung m\u00f6gen solche Steggreifler gut sein; aber ein Homeros ist noch nicht zum Vorschein gekommen. Ich k\u00f6nnte noch Mehrere nennen, die, obgleich Deutsche, in italienischen Stanzen, Sonetten, ja, Liedern, versteht sich, gereimt, zu steggreifeln verm\u00f6gen, aber wenig Wesens daraus machen, noch im Vaterlande L\u00e4rm schlagen, weil sie die Kunst nicht zum Handwerke entw\u00fcrdigen und das Handwerk (eine allerdings erfreuliche Fertigkeit) nicht zur Kunst verkleistern wollen [&#8230;] Auch bei den Arabern in Spanien finden wir Steggreifler, als ihre Sprache seit Jahrhunderten ausgebildet war, und zwar, wie die unsere, schriftlich ausgebildet. Galib ben Omeya, genannt Abulast, steggreifelte auf den Alfazar, was wir noch besizen; allein er war auch sonst ein gelehrter Dichter und ber\u00fchmter Schriftsteller. Ja, es gab sogar zu den Zeiten Alamanzor&#8217;s in dem dichterreichen Spanien eigene Wettk\u00e4mpfe im Steggreifeln, wie Gehuar el Tegebi und Abuola Said ben Alhafan beweisen. Das Vaterland der Mauren, dessen Sprach- und Schriftalter kein neueres Volk erreichen mag, und das seit l\u00e4nger vielleicht als <i>einem<\/i> Jahrtausend sein kleines Gasel und die l\u00e4ngere Kassidet besizt, kennt auch seine Steggreifler; Sadi, Hafis, Motenebbi steggreifelten; aber wie Hammer bemerkt, solche Gelegenheitsdichtungen aus dem Steggreife sind selbst bei diesen gro\u00dfen Dichtern schlecht, ja, k\u00f6nnen nicht anders sein, und erfreuen nur durch die passenden Beziehungen der Gegenwart, des Augenblickes. Ich m\u00f6chte behaupten, aus der Anlage, zu steggreifeln, entsteht alle Volksdichtung, die aber nur von kurzer Bl\u00fcte ist, mit den Anl\u00e4ssen bald wieder verklingt, weshalb wir auch keine Volkslieder besizen, die einige Jahrhunderte alt sind, wie <i>Wilhelm M\u00fcl-<\/i> [151] <i>ler<\/i> in der Vorrede zu den neugriechischen Volksliedern auch h\u00fcbsch auseinandersezt. Haben sie aber ein bedeutendes Alter, so sind sie nicht anders, als schriftlich auf die Nachwelt gekommen, und ein Lied von wenigen Zeilen, geschweige ein Homeros, im Munde des Volkes auch nur ein einziges Jahrhundert fortgepflanzt, ist etwas, was noch nicht gefunden ward. Ich kenne Volkslieder, zu meiner Zeit entstanden, und ihre urspr\u00fcngliche Gestalt ist kaum wieder zu erkennen; denn wenn das Volk singen will, k\u00fcmmert es sich wenig um Text und Alles, sondern singt, wie und was es wei\u00df. Fehlt was, wird&#8217;s ausgelassen, oder man flikt aus dem Steggreife was hinzu. So macht es der gepriesene Volksgesang, und die Hellenen waren Menschen wie wir, und machten&#8217;s nicht anders. Die Esthen haben noch heute eine gro\u00dfe Vorliebe f\u00fcr Gesang. Der Steggreifdichter singt eine Zeile vor, und gleich wiederholt sie die ganze Versammlung, und Lieder entstehen und verklingen im Augenblicke. Auch der Lette bis zum gemeinsten Manne wird Dichter, wenn er froh ist, und spricht oder weissagt in Versen; aber alle diese Dichtungen, nur in der Lust und f\u00fcr die Lust des Augenblickes geschaffen, verklingen mit ihm, begehren auch nichts weiter, und wenn sie eine Menge \u00fcberfl\u00fcssiger W\u00f6rter und L\u00fcckenb\u00fc\u00dfer haben, so thut das wenig; denn sie wollen keine B\u00fccher, aber Freude machen. Nicht anders, als f\u00fcr die Gegenwart berechnet, sind noch die jezigen Steggreifler und Volksdichter der durch Talvy, Gerhard und Andere so bekannt gewordenen Serben, und wenn Neuere ihre herumziehende Gu\u00dfles\u00e4nger (Gu\u00dfle ist n\u00e4mlich zitherartig, mit einer einzigen, aus mehreren Pferdehaaren gezogenen Saite, der alten bogenf\u00f6rmigen Phorminx \u00e4hnlicher, als man denkt,) mit dem mi\u00dfverstandenen Ramen Rhapsoden belegen, so ist das nur die alte Verwechslung; kann ja der Serbe auch schreiben, lebt in einer schreibkundigen Zeit, und das Briefschreiben auf den Knieen wird h\u00e4ufig genug in seinen \u00e4ltesten Liedern erw\u00e4hnt. Allein wie sind diese steggreifelnden Dichter? Selten wie <i>Philip Sliepaz<\/i>, der blinde Schlachtens\u00e4nger, der vielleicht noch jezt lebt, und einst den Tschupitsch Stojan an seinem eignen Tische mit dem Feierliede seines Sieges erfreute, und daf\u00fcr mit einem Reitpferde belohnt ward. Allein dieser so genannte Steggreifler bedachte seine Lieder nicht nur im Voraus, sondern das gr\u00f6\u00dfte Gedicht dieses sterblichen Homeros, n\u00e4mlich der Aufstand der Serben, betr\u00e4gt nur sechshundert Zeilen: welch ein Vergleich mit dem hellenischen Homeros! Ueberhaupt sind <i>Ger-<\/i> [152] <i>hard&#8217;s<\/i> Worte beachtungs werth, da\u00df so wie in der Wallachei sich die Zigeuner meist mit der Musik besch\u00e4ftigen, so auch bei den Serben die wenigsten Gu\u00dfles\u00e4nger Dichter sind, sondern sie singen entweder alte (nat\u00fcrlich niedergeschriebene) Lieder, oder nehman zwanzig Verse aus diesem, zwanzig aus einem andern Liede, verbinden sie schlecht, und das hei\u00dft bei ihnen ein neues Lied. Gu\u00dfles\u00e4nger aber, wie Hyazinth Maglanowitsch, die zugleich selbstst\u00e4ndige Dichter sind, werden h\u00f6chst selten gefunden. Dieselbe Erscheinung kann man bei den Barden der schottischen Hochlande, den neugriechischen Klephten-Barden und \u00fcberall gewahren, wo die Dichtung heimisch ist. Und wo ist sie es nicht?<\/p>\n<p>Aber hatten auch die Alten ihre Steggreifler? Ebenfals. Steggreif-Dichtungen waren ihre dionysischen Ch\u00f6re, wie wir fr\u00fcher gezeigt, Fopp und Spott auf die Gegenwart. Steggreifler was Antipatros aus Sidon, der solche Fertigkeit des Wortes sich erworben, da\u00df er es zwang, jedem Ma\u00dfe such zu f\u00fcgen. Steggreifler war der ber\u00fchmte Dichter Archias; Steggreifler waren endlich, wenn auch nicht in Versen, das ganze Heer der Sophisten von Gorgias und dem Tausendk\u00fcnstler Hippias bis auf Philostratos; ja, sie Sophistenkunst ist nur die Kunst, aus dem Steggreife zu reden \u00fcber alles Beliebige, und so sehen wir, da\u00df die Steggreifkunst, statt die Schrift vertreten zu k\u00f6nnen, vielmehr selber in Zeiten f\u00e4llt, wo das Schriftwesen \u00fcberhaupt ausgebildet ist. Und in der That, wie w\u00e4re es auch anders m\u00f6glich? Oder was ist die Steggreifkunst?  Sie ist die stets bereite Fertigkeit des Wortes in und ausser dem Masse, jedesmal dem vorliegenden Falle mehr oder minder anpassend, dem P\u00f6bel immer gefallend, den Weisen durch die \u00dcberraschung, wann das Wort passt, nicht selten erfreuend, f\u00fcr das Leben in entscheidenden Augenblicken und \u00f6ffentlichen Verfassungen wichtig, f\u00fcr die Kunst aber im eigentlichen Sinne immer unn\u00fcz.  Man schreibe die besten Steggreifeleien auf und die am meisten gefallen haben, und man wird finden, dass der fl\u00fcchtige Reiz des \u00fcberraschenden Vortrages bald verschwindet, wenn man festhalten kann, was eben nur durch das fl\u00fcchtige Str\u00f6men erfreut.  Aber wann gelangt man zu dieser F\u00e4higkeit der Steggreifelei, wenn anders Anlage da ist?  Nur dann, wann die Entwickelung der Sprache eine feste Gestalt angenommen hat, dann steht dem Dichter und Redner ein gemeinsamer Sprachschaz offen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p>[308]  \u00dcber einen Steggreifler <i>Daniel Schoenemann<\/i> s. Wegweiser der Abendzeitung 1829, Nr. 161; ebendaselbst Nr. 56 u. 1831, Nr. 139 \u00fcber die Bl\u00fcthenkr\u00e4nze des deutschen Improvisators A. B\u00f6hringer, Magdeburg 1829, und Langerschwarz. &mdash; Auch von einem <i>Bin-<\/i> [309] <i>derei<\/i> sprechen die Zeitungen (K\u00f6lnischer Korrespondent 1829, Nr. 179), und wer weiss, ob die Zeit nicht nahe ist, dass wir die Steggreifler in der That vom Steg greifen?<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"aei-one-line-down\"><strong>Notes:<\/strong><\/p>\n<div id=\"aei-blocktext\">\n&nbsp;\n    <\/div>\n<dl id=\"aei-dl-meta-unimportant\">\n<dt>Collected by:<\/dt>\n<dd> AE<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kreuser surveys poetic improvisation throughout modern Europe, in Arabic cultures and in the ancient world, naming (in an endnote) several German improvisers who have been reviewed in recent periodicals. He considers improvised poetry and music a pleasant entertainment for the masses, a momentary pleasure that cannot measure up to Homer or to the productions of poets and orators when language and culture are in a more mature state.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27,134],"tags":[238,236,125,104,237,73,126],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/652"}],"collection":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=652"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/652\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3154,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/652\/revisions\/3154"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=652"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=652"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=652"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}