{"id":672,"date":"2016-05-13T22:40:32","date_gmt":"2016-05-14T02:40:32","guid":{"rendered":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/?p=672"},"modified":"2017-04-25T19:36:42","modified_gmt":"2017-04-25T23:36:42","slug":"suid206","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/?p=672","title":{"rendered":"Johann Gottfried Herder, <i>Von deutscher Art und Kunst<\/i>"},"content":{"rendered":"<div id=\"aei-root\" lang=\"en-GB\"><!-- suid=206 --><\/p>\n<dl id=\"aei-dl-meta\">\n<dt>Performer Name:<\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/dd>\n<dt>Performance Venue:<\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/dd>\n<dt>Performance Date:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">&nbsp;<\/dd>\n<dt>Author:<\/dt>\n<dd> Herder, Johann Gottfried<\/dd>\n<dt>Date Written:<\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/dd>\n<dt>Language:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\"> German<\/dd>\n<dt>Publication Title:<\/dt>\n<dd> Von deutscher Art und Kunst<\/dd>\n<dt>Article Title:<\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/dd>\n<dt>Page Numbers:<\/dt>\n<dd>29-31<\/dd>\n<dt>Additional Info:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">Ed. H. Lambel<\/dd>\n<dt>Publisher:<\/dt>\n<dd>Ben Bode<\/dd>\n<dt>Place of Publication:<\/dt>\n<dd>Hamburg<\/dd>\n<dt>Date Published:<\/dt>\n<dd> 1773<\/dd>\n<\/dl>\n<p class=\"aei-one-line-down\"><strong>Text:<\/strong><\/p>\n<blockquote id=\"aei-blockquote\"  lang=\"de\">\n<p>[29] Habe ich denn je meine skaldische Gedichte in Allem f\u00fcr Muster neuerer Gedichte ausgeben wollen? Nichts weniger! sie m\u00f6gen so einf\u00f6rmig, so trocken seyn: andre Nationen sie so sehr \u00fcbertreffen: sie m\u00f6gen f\u00fcr Nichts als Ges\u00e4nge, nordischer Meisters\u00e4nger oder <i>Improvisatori<\/i> gelten; was ich mit ihnen beweisen will, beweisen sie. Der Geist, der sie erf\u00fcllet, die rohe, einf\u00e4ltige, aber grosse, zauberm\u00e4\u00dfige, feyerliche Art, die Tiefe des Eindrucks, den jedes so starkgesagte Wort macht, und der freye Wurf, mit dem der Eindruck gemacht wird &mdash; nur das wollte ich bey den alten V\u00f6lkern, nicht als Seltenheit, als Muster, sondern als Natur anf\u00fchren, und dar\u00fcber also lassen Sie mich reden. <\/p>\n<p>Sie wissen aus Reisebeschreibungen, wie stark und fest sich immer die Wilden ausdr\u00fckken. Immer die Sache, die sie sagen wollen, sinnlich, klar, lebendig anschauend: den Zweck, zu dem sie reden, unmittelbar und genau f\u00fchlend: nicht durch Schattenbegriffe, Halbideen und symbolischen Letternverstand (von dem sie in keinem Worte ihrer Sprache, da sie fast keine <i>abstracta<\/i> haben, wissen) durch alle dies nicht zerstreuet: noch minder durch K\u00fcnsteleyen, sklavische Erwartungen, furchtsamschleichende Politik, und verwirrende Pr\u00e4meditation verdorben &mdash; \u00fcber alle diese Schw\u00e4chungen des Geistes seligunwissend, erfassen sie den ganzen Gedanken mit dem ganzen Worte, und dies mit jenem. Sie schweigen entweder, oder reden im Moment des Interesse mit einer unvorbedachten Festigkeit, Sicherheit und Sch\u00f6nheit, die alle wohlstudierte Europ\u00e4er allezeit haben bewundern m\u00fcssen, und &mdash; m\u00fcssen [30] bleiben lassen. Unsre Pedanten, die alles vorher zusammenstoppeln, und auswendig lernen m\u00fcssen, um alsdenn recht methodisch zu stammeln; unsre Schulmeister, K\u00fcster, Halbgelehrte: Apotheker, und alle, die den Gelehrten durchs Haus laufen, und nichts erbeuten, als da\u00df sie endlich, wie Shakespear\u2019s Lancelots, Policendiener, und Todtengr\u00e4ber uneigen, unbestimmt, und wie in der letzten Todesverwirrung sprechen &mdash; diese gelehrte Leute, was w\u00e4ren die gegen die Wilden? &mdash; Wer noch bey uns Spuren von dieser Festigkeit finden will, der suche sie ja nicht bey solchen; &mdash; unverdorbne Kinder, Frauenzimmer, Leute von gutem Naturverstande, mehr durch Th\u00e4tigkeit, als Spekulation gebildet, die sind, wenn das, was ich anf\u00fchrete, Beredsamkeit ist, alsdenn die Einzigen und besten Redner unsrer Zeit. <\/p>\n<p>In der alten Zeit aber waren es Dichter, Skalden, Gelehrte, die eben diese Sicherheit und Festigkeit des Ausdrucks am meisten mit W\u00fcrde, mit Wohlklang, mit Sch\u00f6nheit zu paaren wu\u00dften; und da sie also Seele und Mund in den festen Bund gebracht hatten, sich einander nicht zu verwirren, sondern zu unterst\u00fctzen, beyzuhelfen: so entstanden daher jene f\u00fcr uns halbe Wunderwerke von &alpha;&omicron;&iota;&delta;&omicron;&iota;&sigma;, S\u00e4ngern, Barden, Minstrels, wie die gr\u00f6\u00dften Dichter der \u00e4ltesten Zeiten waren. Homers Rhapsodien und Ossians Lieder waren gleichsam <i>impromptus<\/i>, weil man damals noch von Nichts als <i>impromptus<\/i> der Rede wu\u00dfte: dem letztern sind die Minstrels, wiewohl so schwach und entfernt, gefolgt; indessen doch gefolgt, bis endlich die Kunst kam und die Natur ausl\u00f6schte. In fremden Sprachen qu\u00e4lte man sich von Jugend auf Quantit\u00e4ten von Sylben kennen zu lernen, die uns nicht mehr Ohr und Natur zu f\u00fchlen gibt: nach Regeln zu arbeiten, deren wenigste, ein Genie, als Naturregeln anerkennet; \u00fcber Gegenst\u00e4nde zu dichten, \u00fcber die sich nichts denken, noch weniger sinnen, noch weniger imaginieren l\u00e4\u00dft; Leidenschaften zu erk\u00fcnsteln, die wir nicht haben, Seelenkr\u00e4fte nachzuahmen, die wir nicht besitzen &mdash; und endlich wurde Alles Falschheit, Schw\u00e4che, und K\u00fcnsteley. Selbst jeder beste Kopf ward verwirret, und verlohr Festigkeit des Auges, und der Hand, [31] Sicherheit des Gedankens und des Ausdrucks: mithin die wahre Lebhaftigkeit und Wahrheit und Andringlichkeit. &mdash; Alles ging verlohren. Die Dichtkunst, die die st\u00fcrmendste, sicherste Tochter der menschlichen Seele seyn sollte, ward die ungewisseste, lahmste, wankendste: die Gedichte fein oft corrigirte Knaben, und Schulerereitien. Und freylich, wenn das der Begriff unsrer Zeit ist, so wollen wir auch in den alten St\u00fccken immer mehr Kunst als Natur bewundern, finden also in ihnen bald zu viel, bald zu wenig, nachdem uns der Kopf steht, und selten was in ihnen singt, den Geist der Natur. Ich bin gewi\u00df, da\u00df Homer und Ossian, wenn sie aufleben und sich lesen, sich r\u00fchmen h\u00f6ren sollten, mehr als zu oft \u00fcber das erstaunen w\u00fcrden, was ihnen gegeben und genommen, angek\u00fcnstelt, und wiederum in ihnen nicht gef\u00fchlt wird. <\/p>\n<p>Freylich sind unsre Seelen heut zu Tage durch lange Generationen und Erziehung von Jugend auf anders gebildet. Wir sehen und f\u00fchlen kaum mehr, sondern denken und gr\u00fcblen nur; wir dichten nicht \u00fcber und in lebendiger Welt, im Sturm und im Zusammenstrom solcher Gegenst\u00e4nde, solcher Empfindungen; sondern erk\u00fcnsteln uns entweder Thema, oder Art, das Thema zu behandeln, oder gar beydes &mdash; und haben uns das schon so lange, so oft, so von fr\u00fch auf erk\u00fcnstelt, da\u00df uns freylich jetzt kaum eine freye Ausbildung mehr gl\u00fccken w\u00fcrde, denn wie kann ein Lahmer gehen? Daher also auch, da\u00df unsern meisten neuen Gedichten, die Festigkeit, die Bestimmtheit, der runde Contour so oft fehlet, den nur der erste Hinwurf verleihet, und kein sp\u00e4teres Nachzirkeln ertheilen kann. Einem Homer und Ossian w\u00fcrden wir bey solchem poetischen Flei\u00df gewi\u00df nicht anders vorkommen, als einem Raphael oder Apelles, der durch Einen Umri\u00df sich als Apelles zeigt, der schwachh\u00e4ndig, krizzelde Lehrknabe. <\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"aei-one-line-down\"><strong>Notes:<\/strong><\/p>\n<div id=\"aei-blocktext\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/p><\/div>\n<dl id=\"aei-dl-meta-unimportant\">\n<dt>Collected by:<\/dt>\n<dd> AE<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herder uses Skaldic poetry as an example of poetry that comes spontaneously from nature rather than by means of art or education. He praises the lively, self-assured beauty of this more ancient poetry, and contrasts it with what he views as the contemporary deterioration of German poetry. <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27,134],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/672"}],"collection":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=672"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/672\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3615,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/672\/revisions\/3615"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=672"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=672"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=672"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}