{"id":680,"date":"2016-05-13T22:43:10","date_gmt":"2016-05-14T02:43:10","guid":{"rendered":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/?p=680"},"modified":"2016-08-24T11:57:25","modified_gmt":"2016-08-24T15:57:25","slug":"suid210","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/?p=680","title":{"rendered":"Johann Wolfgang von Goethe, <i>Die Wahlverwandtschaften<\/i>"},"content":{"rendered":"<div id=\"aei-root\" lang=\"en-GB\"><!-- suid=210 --><\/p>\n<dl id=\"aei-dl-meta\">\n<dt>Performer Name:<\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/dd>\n<dt>Performance Venue:<\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/dd>\n<dt>Performance Date:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">&nbsp;<\/dd>\n<dt>Author:<\/dt>\n<dd> Goethe, Johann Wolfgang von<\/dd>\n<dt>Date Written:<\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/dd>\n<dt>Language:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\"> German<\/dd>\n<dt>Publication Title:<\/dt>\n<dd> Die Wahlverwandtschaften<\/dd>\n<dt>Article Title:<\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/dd>\n<dt>Page Numbers:<\/dt>\n<dd>1.8:414-416<\/dd>\n<dt>Additional Info:<\/dt>\n<dd class=\"aei-half-line-below\">Qtd from <i>S\u00e4mtliche Werke. Briefe, Tageb\u00fccher und Gespr\u00e4che<\/i>, section I, vol. 8, ed. Waltraud Wieth\u00f6lter <\/dd>\n<dt>Publisher:<\/dt>\n<dd> Deutscher Klassiker Verlag<\/dd>\n<dt>Place of Publication:<\/dt>\n<dd> Frankfurt am Main<\/dd>\n<dt>Date Published:<\/dt>\n<dd>1994<\/dd>\n<\/dl>\n<p class=\"aei-one-line-down\"><strong>Text:<\/strong><\/p>\n<blockquote id=\"aei-blockquote\"  lang=\"de\">\n<p>[414] Eines Tages, als man sie bei der pause eines lebhaften Balls, auf ihren eigenen heimlichen Antrieb, gleichsam aus dem Stegreife, zu einer solchen Darstellung aufgefordert hatte; schien sie verlegen und \u00fcberrascht und lie\u00df sich wider ihre Gewohnheit lange bitten. Sie zeigte sich unentschlossen, lie\u00df die Wahl, bat wie ein Improvisator um einen Gegenstand, bis endlich jener Klavier spielende Geh\u00fclfe, mit dem es abgeredet sein mochte, sich an den Fl\u00fcgel setzte, einen Trauermarsch zu spielen anfing und sie aufforderte, jene Artemisia zu geben, welche sie so vortrefflich einstudiert habe. Sie lie\u00df sich erbitten, und nach einer kurzen Abwesenheit erschien sie, bei den z\u00e4rtlich traurigen T\u00f6nen des Totenmarsches, in Gestalt der k\u00f6niglichen Witwe, mit gemessenem Schritt, einen Aschenkrug vor sich hertragend. Hinter ihr brachte man eine gro\u00dfe schwarze Tafel und in einer goldenen Rei\u00dffeder ein wohl zugeschnitztes St\u00fcck Kreide. <\/p>\n<p>Einer ihrer Verehrer und Adjutanten, dem sie etwas ins Ohr sagte, ging sogleich, den Architekten aufzufordern, zu [415] n\u00f6tigen und gewisserma\u00dfen herbeizuschieben, da\u00df er als Baumeister das Grab des Mausulos zeichnen und also keineswegs einen Statisten, sondern einen ernstlich Mitspielenden vorstellen sollte. Wie verlegen der Architekt auch \u00e4u\u00dferlich erschien &mdash; denn er machte in seiner ganz schwarzen knappen modernen Zivilgestalt einen wunderlichen Kontrast mit jenen Fl\u00f6ren, Kreppen, Fransen, Schmelzen, Quasten und Kronen &mdash; so fa\u00dfte er sich doch gleich innerlich, allein um so wunderlicher war es anzusehen. Mit dem gr\u00f6\u00dften Ernst stellte er sich vor die gro\u00dfe Tafel, die von ein paar Pagen gehalten wurde, und zeichnete mit viel Bedacht und Genauigkeit ein Grabmal, das zwar eher einem longobardischen als einem carischen K\u00f6nig w\u00e4re gem\u00e4\u00df gewesen, aber doch in so sch\u00f6nen Verh\u00e4ltnissen, so ernst in seinen Teilen, so geistreich in seinen Zieraten, da\u00df man es mit Vergn\u00fcgen entstehen sah und als es fertig war bewunderte. <\/p>\n<p>Er hatte sich in diesem ganzen Zeitraum fast nicht gegen die K\u00f6nigin gewendet, sondern seinem Gesch\u00e4ft alle Aufmerksamkeit gewidmet. Endlich als er sich vor ihr neigte und andeutete, da\u00df er nun ihre Befehle vollzogen zu haben glaube, hielt sie ihm noch die Urne hin, und bezeichnete das Verlangen, diese oben auf dem Gipfel abgebildet zu sehen. Er tat es, obgleich ungern, weil sie zu dem Charakter seines \u00fcbrigen Entwurfs nicht passen wollte. Was Lucianen betraf, so war sie endlich von ihrer Ungeduld erl\u00f6st: denn ihre Absicht war keineswegs, eine gewissenhafte Zeichnung von ihm zu haben. H\u00e4tte er mit wenigen Strichen nur hiskizziert, was etwa einem Monument \u00e4hnlich gesehen, und sich die \u00fcbrige Zeit mit ihr abgegeben; so w\u00e4re das wohl dem Endzweck und ihren W\u00fcnschen gem\u00e4\u00dfer gewesen. Bei seinem Benehmen dagegen kam sie in die gr\u00f6\u00dfte Verlegenheit: denn ob sie gleich in ihrem Schmerz, ihren Anordnungen und Andeutungen, ihrem Beifall \u00fcber das nach und nach entstehende, ziemlich abzuwechseln suchte und sie ihn einigemal beinahe herumzerrte, um nur mit ihm in eine Art von Verh\u00e4ltnis zu kommen; so erwies er sich doch gar zu steif, dergestalt da\u00df sie allzu oft ihre Zuflucht zur Urne nehmen, sie [416] an ihr Herz dr\u00fccken und zum Himmel schauen mu\u00dfte, ja zuletzt, weil sich doch dergleichen Situationen immer steigern, mehr einer Witwe von Ephesus als einer K\u00f6nigin von Carien \u00e4hnlich sah. Die Vorstellung zog sich daher in die L\u00e4nge, der Klavierspieler, der sonst Geduld genug hatte, wu\u00dfte nicht mehr in welchen Ton er ausweichen sollte. Er dankte Gott, als er die Urne auf der Pyramide stehn sah und fiel unwillk\u00fcrlich, als die K\u00f6nigin ihren Dank ausdr\u00fccken wollte, in ein lustiges Thema; wodurch die Vorstellung zwar ihren Charakter verlor, die Gesellschaft jedoch v\u00f6llig aufgeheitert wurde, die sich denn sogleich teilte, der Dame f\u00fcr ihren vortrefflichen Ausdruck, und dem Architekten f\u00fcr seine k\u00fcnstliche und zierliche Zeichnung eine freudige Bewunderung zu beweisen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"aei-one-line-down\"><strong>Notes:<\/strong><\/p>\n<div id=\"aei-blocktext\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/p><\/div>\n<dl id=\"aei-dl-meta-unimportant\">\n<dt>Collected by:<\/dt>\n<dd> AE<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Luciane, the over-energetic daughter of main characters Eduard and Charlotte, performs an &#8220;improvised&#8221; piece of theatre that, despite the former&#8217;s secret planning of the piece, turns out differently than expected thanks to the architect&#8217;s inability to match her expectations when she pulls him into the performance.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[27,134],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/680"}],"collection":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=680"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/680\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2369,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/680\/revisions\/2369"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=680"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=680"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/romanticimprov.utoronto.ca\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=680"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}