Friederike Brun, Episoden aus Reisen durch das untere Italien in den Jahren 1809-1810, mit späteren Zusätzen

Brun reflects on her enjoyment of the company of the improvisatore Gaspare Mollo, whose fine character and poetic talents she appreciates. She also describes the improvisatore Colubrano, who she claims has a skill of reading his audience’s mind that borders on telepathy, and whose verses are beautiful also. In a note, she mentions Colubrano’s death in Munich at age 45.

Performer Name:
Gaspare Mollo; Colubrano
Performance Venue:
Naples
Performance Date:
 
Author:
Brun, Friederike
Date Written:
 
Language:
German
Publication Title:
Episoden aus Reisen durch das untere Italien in den Jahren 1809-1810, mit späteren Zusätzen
Article Title:
 
Page Numbers:
4:222, 224-27
Additional Info:
 
Publisher:
Hartleben
Place of Publication:
Leipzig
Date Published:
1818

Text:

[222] Sehr liebe ich auch die Gesellschaft des edlen Gaspard Mollo de Duchi di Lusciano. Ehedem in Gesandtschaften gebraucht, ist er ein feingebildeter, liebenswürdiger Weltmann, und war zugleich ehedem einer der bewundertsten Improvisatoren Italiens. Allein du weißt wohl, die meistern Improvisatoren hören auf, es zu sein, wenn sie eigentliche Litteratoren werden. Zuweilen ließ Mollo sich noch zum Improvisiren bereden, und dann war die Eleganz seiner Diktion und die leichthinschwebende Grazie seiner beflügelten Verse bewunderungswürdig.

[…]

[224] Bei unserm lieben Erzbischoffe findern wir immer einen jener geistvollen Sonderlinge, wie sie nur Italien hervorbringt. Dieses ist der Prinz Colubrano. Dir seine Gestalt zu beschreiben, würde schwer sein; allein denke dir den Mohren aus Wieland's Amadis gebleicht, und du hast ihn, wir er leibt und lebt. […] [225] Er beantwortet dir unfehlbar jede in Gedanken an ihn gerichtete Frage, von deren Inhalt du ihm nur den Initialbuchstaben jedes Wortes giebst. Er geht dann bei Seite und nach wenigen Minuten kömmt er wieder mit der geschriebenen Antwort, welche fast immer in Versen ist-und in welchen! Ich habe Stanzen und Sonnette auf diese Weise improvisirt von ihm gesehen, deren sich Ariosto und Filicaja nicht zu schämen gehabt hätten, und er hat mir Fragen des innersten Gemüths auf diese Art beantwortet, die mir einen unwillkührlichen Respekt vor [226] ihm eingeflößt hat.

[…]

[227] [Footnote] Prinz Colubrano gieng 1811 als Gesandter nach München, fieng dort gleich an zu husten und starb nach sechs Monaten, nebst dem einzigen Söhnchen, an der Lungensucht. So schnell erlag diese kolossale Constitution der scharfen Alpenluft! Er war ohngefähr 45 Jahr alt.

Notes:

 
Collected by:
AE