“Korrespondenz-Nachrichten. Leipzig, Anfang April.”

A news article reports on O. L. B. Wolff’s improvisation in Leipzig, commenting on which elements of his performance were successful, and which less so. The author admires in particular Wolff’s ability to improvise sonnets at breakneck speed.

Performer Name:
Wolff
Performance Venue:
Leipzig
Performance Date:
1826
Author:
 
Date Written:
1826
Language:
German
Publication Title:
Morgenblatt für gebildete Stände
Article Title:
Korrespondenz-Nachrichten. Leipzig, Anfang April.
Page Numbers:
408; 412
Additional Info:
29 April & 1 May 1826 issues (Nos. 102 & 103)
Publisher:
J. G. Cotta’sche Buchhandlung
Place of Publication:
Stuttgart
Date Published:
1826

Text:

[408] Leipzig, Anfang April.

Am 3. April gab Hr. Dr. Wolff, von seinem Aufenthalt in Dresden zurückgekehrt, seine zweyte improvisatorische Abendunterhaltung, mit welcher er seiner Ankündigung nach zum lezten Mal als Improvisator öffentlich auftritt. Er wählte zuerst Regulus Abschied von den Römern, nach meiner Ansicht die in jeder Beziehung gelungene Leistung dieses Abends, kräftig, frey und in sich geschlossen; dann Noahs Entzücken bey Erblickung des Regenbogens/ Abgesehen daß die Ausführung dieses Themas etwas gedehnt war, und Verse vorkamen, wie:

Als ich Herr die Arche offen machte, 

so schadete sich Hr. Wolff noch dadurch, daß er in den ersten Zeilen gleich die Erscheinung mit nackten Worten ankündigte, Kurz vor dem Schlusse waren eigene wirksame Stellen, wo Noah die Seinigen auffordert, die Arche zu verlassen, mit den Worten:

Nun heraus: blickt nach dem hellen Licht.
Droben hat der Herr geschrieben,
Wer mir folget, den verlaß ich nicht.

(Die Fortsetzung folgt.)

[…]

[412] Leipzig, Anfang April.

(Fortsetzung.)

Die dramatische Aufgabe, welche Hr. Dr. Wolff wählte, war Ruth und Boas. Die schnelle Anordnung und Ausführung bewährte wieder die Gewandtheit des Hrn. Wolff. Nur unzweckmäßig finde ich, daß er auch bey diesem Stoffe den Chor anbrachte, den er überhaupt bey seinen dramatischen Versuchen anzuwenden liebt. — Dießmal hatte er auch einige komische Aufgaben zu losen versprochen. Er wählte das Lob auf Xantippens Reize, mit dem Anfangswort greulich, und dem Refrain: wenn mich deine Liebe nun beglückt; entledigte sich glücklich dieser Fesseln, und schloß mit dem angenehmen Komplimente gegen die anwesenden Damen:

Mißlungen wohl ist dieß Gedicht; 
Denn die mich begeistern sollte, 
Die Xantippe ist hier nicht!

Es folgten noch einige komische Sonette, deren Themen ihm gegeben wurden, ja Hr. Wolff lieferte deren noch mehr als er öffentlich versprochen. Hier hat man am meisten Gelegenheit, die Fertigkeit des Verfassers in der gereimten Versifikation zu bewundern; denn er sprach so schnell, daß es nicht möglich war, ein solches Sonett vollständig aufzufassen. Das erste Sonett sollte ausdrücken: die Empfindungen eines Handschuhmachers, der seiner Liebsten ein Parr Handschuh seiner Arbeit verehrt; das zweyte "Gedanken eines Liebhabers, der sich den Mund wischt, während ein andrer seine Schöne küßt", war das Gelungenste, indem es ohne eine Verletzung der Form die Erinnerung an Don Quixote vom Anfang bis zu Ende durchführte. Der Mondscheinphantasie eines hungrigen Schneiders als komische Parodie auf Theklas Klage fehlte es, wie solchen Parodien gewöhnlich, an freyem Humor: desto gelungener und individueller war "der Liebesseufzer einer alten Jungenmagd" — denn man nahm dabey wahr, wie schnell sich Hr. Wolff mit hiesigen Sitten bekannt gemacht hatte. Im Uebrigen beziehe ich mich auf das, was ich schon in meinem lezten Berichte über Hrn. Wolffs Leistungen gesagt habe.

Notes:

Collected by:
EW